E-Paper
Altkanzlerin erhält Bundesverdienstorden

SPD-Chefin Esken würdigt Merkel für „Integrität, Humor und diplomatisches Geschick“

Saskia Esken, SPD-Bundesvorsitzende

Saskia Esken, SPD-Bundesvorsitzende

Artikel anhören • 5 Minuten

Berlin. Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird an diesem Montag mit der höchstmöglichen Auszeichnung Deutschlands geehrt: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird ihr im Schloss Bellevue das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik in besonderer Ausführung verleihen. Bislang erhielten diese hohe Auszeichnung nur die früheren Kanzler Konrad Adenauer und Helmut Kohl (beide CDU).

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Angela Merkel bei ihrem ersten Auftritt nach ihrer Amtszeit im Juni 2022 im Berliner Ensemble.

Angela Merkel bei ihrem ersten Auftritt nach ihrer Amtszeit im Juni 2022 im Berliner Ensemble.

Merkel wird damit für ihre Verdienste als Bundeskanzlerin (2005 bis 2021) in besonderer Weise geehrt. Die Entscheidung Steinmeiers hat Lob, aber auch Kritik hervorgerufen:

Saskia Esken, Co-Vorsitzende der SPD:

„Angela Merkel hat als erste Frau die Geschicke unseres Landes an der Spitze mitbestimmt und dabei die ganze Härte des Politikbetriebs erfahren“, sagte Esken dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „16 Jahre lang, warum tut sie sich das an, haben viele oft gedacht. Ihr Antrieb war die tiefe Ernsthaftigkeit und das große Pflichtgefühl, mit dem sie unser Land nach innen wie nach außen würdig vertreten und mit Augenmaß durch die vielen Krisen ihrer Amtszeit navigiert hat.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

All die Anfeindungen, nicht selten gespeist aus Geringschätzung und Hass gegenüber starken Frauen, hat sie auf ihre uneitle Art an sich abperlen lassen. Ihre Gegner – aus den eigenen wie aus fremden Reihen – bissen sich an ihrer Integrität und ihrem feinen Humor die Zähne aus.

Meine besondere Wertschätzung gebührt ihrem diplomatischen Geschick und ihrer empathischen Klugheit, mit der es ihr auf nationaler wie auf internationaler Bühne immer wieder gelang, tragfähige Koalitionen und Kompromisse zu schmieden. Gerade in unseren unruhigen und krisengeplagten Zeiten eine fast unschätzbare Fähigkeit.“

FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai

FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai

FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai:

„Am Ende ihrer Amtszeit war unser Land in keinem guten Zustand“, sagte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai dem RND. „16 Jahre Einsatz im wichtigsten Staatsamt verdienen dennoch Respekt, aber historische Größe lässt sich in der Politik erfahrungsgemäß erst mit weiterem zeitlichen Abstand erkennen.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Omid Nouripour, Co-Bundespartei­vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen

Omid Nouripour, Co-Bundespartei­vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen

Omid Nouripour, Co-Vorsitzender der Grünen:

„Ich gratuliere Frau Merkel herzlich zu dieser hohen Auszeichnung“, erklärte Nouripour auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). „Sie hat unser Land mit ihrer Kanzlerschaft wie nur wenige andere geprägt. Man muss nicht mit ihrem gesamten Wirken einverstanden sein, um ihre großen Verdienste anzuerkennen.“

Martin Schirdewan, Co-Vorsitzender der Partei Die Linke

Martin Schirdewan, Co-Vorsitzender der Partei Die Linke

Martin Schirdewan, Co-Vorsitzender der Linken:

„Ich frage mich, ob die Verleihung von Orden wie dem Großkreuz noch zeitgemäß ist“, sagte Schirdewan dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Dieser Orden wirkt wie ein Relikt aus der Kaiserzeit. Davon abgesehen, ist Merkels Bilanz zwiespältig und bedarf eher einer kritischen Aufarbeitung als einer Auszeichnung.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Andreas Rödder, Historiker, spricht zu Beginn der Debatte zur Grundsatzkommission beim Bundesparteitag der CDU. Rödder ist Leiter der Denkfabrik Republik 21.

Andreas Rödder, Historiker, spricht zu Beginn der Debatte zur Grundsatzkommission beim Bundesparteitag der CDU. Rödder ist Leiter der Denkfabrik Republik 21.

Geschichtsprofessor Andreas Rödder (CDU), Vorsitzender der Denkfabrik Republik 21:

Die höchste Auszeichnung für Merkel sei „ein Fehler, mit dem der Bundespräsident der Demokratie und ihrer Glaubwürdigkeit schadet“, schreibt Rödder im „Tagesspiegel“. Damit „belobigt der Bundespräsident nicht nur seine frühere Chefin, sondern auch das problematische Erbe der vergangenen Jahre – und sich selbst“, so der konservative Historiker.

Die „Ära Merkel“, die Ende 2021 mit viel öffentlicher Wehmut verabschiedet worden sei, „implodiert vor unseren Augen“, so Rödder. Zu ihrer Regierungsbilanz gehörten demnach eine falsche Energie-, Russland- und Verteidigungspolitik sowie eine Migrationspolitik, die zu Chaos geführt habe, und eine Sozialpolitik, die die demografische Entwicklung immer mehr ignoriert und stattdessen mit staatlichen Transferleistungen unerfüllbare Wohlstandserwartungen geweckt habe, so Rödder.

Stephan Brandner (AfD), Fraktionsjustiziar der AfD, spricht im Bundestag.

Stephan Brandner (AfD), Fraktionsjustiziar der AfD, spricht im Bundestag.

Stephan Brandner, Vizechef der AfD:

„Egal ob das kolossale Versagen in der Flüchtlingskrise, der Ausstieg aus der Kernenergie oder die sogenannte Euro-Rettung: Merkel hat Deutschland ruiniert und als Scherbenhaufen hinterlassen“, erklärte Brandner nach Bekanntwerden der geplanten Auszeichnung in einem Statement. „Ihre katastrophale Politik wird Deutschland noch Jahrzehnte und mehrere Generationen sehr belasten – ihre durch nichts zu rechtfertigenden Fehlentscheidungen sind mit nichts zu entschuldigen.“ Brandner findet, dass nun gerade Steinmeier „Merkel diesen Orden verleiht, spricht Bände und gegen solche Auszeichnungen grundsätzlich“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wolfgang Schäuble, Bundestagspräsident a. D.:

… hatte sich vor Bekanntwerden der Ehrung Merkels durch Steinmeier im vorigen November in einem „Handelsblatt“-Interview über die „großen deutschen Kanzler“ geäußert und drei Namen genannt, die laut Schäuble Geschichte gemacht haben: Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Kohl. Damit sei die Aufzählung „vorläufig abgeschlossen“, so der CDU-Veteran. „Ob Frau Merkel unter den großen Kanzlern einzuordnen sein wird, das ist vielleicht noch zu früh, um das abschließend zu beurteilen. Bemerkenswert ist jedoch, dass sie auch jetzt in Bezug auf Russland nicht sagen kann, dass wir Fehler gemacht haben.“

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken