Gegen den Trend

Schweizer Exporte nach Russland boomen – was ist der Grund?

Schweizer Pharmakonzerne haben im Juni so viel Blut, Medikamente und andere pharmazeutische Produkte nach Russland exportiert wie seit mindestens 30 Jahren nicht mehr. (Symbolbild)

Schweizer Pharmakonzerne haben im Juni so viel Blut, Medikamente und andere pharmazeutische Produkte nach Russland exportiert wie seit mindestens 30 Jahren nicht mehr. (Symbolbild)

Obwohl immer mehr westliche Unternehmen ihre Geschäftsbeziehungen mit Russland einstellen, boomen zur Zeit Exporte aus der Schweiz nach Russland. Als einziges Land exportierten die Schweizer im Juni deutlich mehr Güter nach Russland als vor dem Krieg. Produkte im Wert von umgerechnet 505 Millionen Euro gingen aus der Schweiz nach Russland – ein Plus von 83 Prozent im Vergleich zum Januar, dem Monat vor Kriegsbeginn. Bei den meisten anderen Ländern gingen die Lieferungen nach Russland dagegen zurück, zum Beispiel in Deutschland. Hierzulande sanken die Exporte laut Statistischem Bundesamt von 2,1 (Januar) auf 1,2 Milliarden Euro (Juni) – ein Minus von 57 Prozent.

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Schweizer Exporte nach Russland: Großteil entfällt auf Pharmakonzerne

Entgegen dem allgemeinen Trend hat die Schweiz im Juni deutlich mehr Turbinen, Druckluftpumpen und andere Maschinen nach Russland exportiert, berichtet „Bloomberg“. Demnach hätten Hersteller in den vergangenen Wochen versucht, noch so viele Aufträge wie möglich abzuwickeln, bevor ein weiteres Sanktionspaket viele der Verkäufe verbietet. Laut Schweizer Zolldaten wurden im Juni fünf- bis sechsmal so viele Gasturbinen an Russland verkauft wie noch vor Kriegsbeginn.

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Doch der Großteil der gestiegenen Exporte (80 Prozent) entfällt auf Schweizer Pharmakonzerne, wie Roche und Novartis. Sie haben im Juni so viel Blut, Medikamente und andere pharmazeutische Produkte nach Russland exportiert wie seit mindestens 30 Jahren nicht mehr. Für mehr als 338 Millionen Euro kaufte Russland bei den Pharmakonzernen ein. Damit war das Land der wichtigste Abnehmer, noch vor Großbritannien und China.

Arzneimittel sind aus humanitären Gründen von den Sanktionen gegen Russland ausgeschlossen. Das gilt nicht nur für die Schweiz, sondern auch für die EU-Sanktionen. „Die Pharmaexporte nach Russland haben aus vielen Ländern, einschließlich Deutschland, zugenommen“, erklärt der Russland-Experte Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) auf Twitter. Allerdings seien Maschinen deutlich wichtiger für den deutschen Export und Medikamente fallen kaum ins Gewicht.

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Kein Schweizer Embargo gegen russisches Gold

Für den außergewöhnlichen Boom der Schweiz könnten auch Probleme bei Russlands Lieferketten nach Asien verantwortlich sein. Eine weitere Erklärung ist, dass sich Russland wegen weiterer drohender Sanktionen mit mehr Medikamenten als üblich eindeckt. Zudem stehen wichtige Chemikalien für die Herstellung von Medikamenten auf den Sanktionslisten der EU, sodass die lokale Produktion zunehmend schwerer wird.

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Die Schweiz hat sich zahlreichen Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland angeschlossen. Mit 1548 Sanktionen hat die Schweizer Regierung nach den USA und Kanada die meisten Sanktionen gegen Russland verhängt. Allerdings gelten für einige der Sanktionen noch Übergangsfristen und einige Maßnahmen fehlen. Im Gegensatz zu den EU-Staaten hat die Schweiz auch kein Embargo gegen russisches Gold verhängt – doch darüber wird derzeit hitzig gestritten. Immerhin ist die Schweiz einer der wichtigsten Rohstoffhandelsplätze der Welt. Doch erste russische Rohstoffhändler haben längst die Flucht ergriffen und sind nach Dubai abgewandert.

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