Belarussische Bürgerrechtlerin

Oppositionelle Tichanowskaja: Einmarsch von Belarus in die Ukraine wäre „politischer Selbstmord“

Für ein freies Belarus, für die Ukraine: Swetlana Tichanowskaja.

Für ein freies Belarus, für die Ukraine: Swetlana Tichanowskaja.

Belarus spielt im Ukraine-Krieg seine ganz eigene Rolle. Seit einigen Wochen gibt es Gerüchte, der weißrussische Diktator Lukaschenko wolle in dem Krieg mitmischen und Russland unterstützen. Dabei ist die militärische Zusammenarbeit der beiden Länder bereits Tatsache. Erst kürzlich schickte der Kreml Kampffahrzeuge und Artillerie in das Nachbarland der Ukraine – es werde militärische Manöver geben, schrieb die „Berliner Zeitung“.

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Die belarussische Bevölkerung wird also vor vollendete Tatsachen gestellt. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal „Pravda“ erklärte die belarussische Bürgerrechtlerin und Ex-Präsidentschafts­kandidatin Swetlana Tichanowskaja, was eine Einmischung in den Konflikt bedeuten würde.

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Belarus ist längst Mitaggressor

Vor nicht allzu langer Zeit hatte Tichanowskaja einen offenen Brief an den Präsidenten der Ukraine, Selenskyj, geschrieben, in dem sie die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen den ukrainischen Behörden und Belarus betonte. Ihr Appell wurde ignoriert. Aus gutem Grund?

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„Belarus ist zum Mitaggressor geworden“, so Tichanowskaja, „und auf einmal wurden alle Belarussen in den gleichen Topf geworfen.“ Der Protest des belarussischen Volkes gegen die eigene Regierung würde ihnen in der Ukraine nicht angerechnet. „Wir merkten, dass die Menschen in der Ukraine nichts von unserem Kampf wussten, nichts von den Tausenden von Menschen in den Gefängnissen, nichts davon, dass die Zahl der politischen Gefangenen jeden Tag stieg“, sagte Tichanowskaja gegenüber „Pravda“.

Säbelrasseln in Belarus

Die Angst der Menschen in Belarus davor, lange Gefängnisstrafen zu riskieren, wenn sie gegen den Krieg in der Ukraine auf die Straße gingen, sei zu groß. Aber wäre das offizielle Eintreten von Belarus in den Krieg Grund genug, sich öffentlich aufzulehnen? Tichanowskaja zeigte sich überrascht von der Frage. Denn für sie ist klar: Das Lukaschenko-Regime ist bereits offiziell Teil des Krieges.

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Nur weil Lukaschenko offiziell keine Truppen gegen die Ukraine einsetze, hieße das noch lange nicht, dass er das Nachbarland schützen wolle, stellt die Oppositionsführerin fest. Für Tichanowskaja ist das der pure Eigennutz zum Machterhalt. Mit Truppen in die Ukraine einzumarschieren wäre „politischer Selbstmord“ für den Diktator. Rückhalt in der Bevölkerung habe Lukaschenko nach Tichanowskaja Aussage nicht. Der Befehl zum Einmarsch würde zur Folge haben, dass sich die Menschen weigern würden, zu kämpfen. „Sie werden weglaufen, sich sofort ergeben“, erklärt sie gegenüber „Pravda“.

Ohne eine freie Ukraine kein freies Belarus

Ein Gegenschlag der Ukraine wäre in ihren Augen nachvollziehbar: „Ich verstehe, dass die Ukrainer und die Ukraine das Recht haben, zurückzuschlagen, wenn wieder Raketen vom weißrussischen Hoheitsgebiet aus fliegen. Deshalb ist es unsere Aufgabe, belarussische Truppen daran zu hindern, in das Gebiet der Ukraine einzudringen.“

Tichanowskaja hatte in ihrem offenen Brief betont, wie wichtig der Sieg der Ukraine für das belarussische Volk sei: „Wir sind bereit, gemeinsam mit der Ukraine zu handeln. Denn ohne eine freie Ukraine wird es kein freies Belarus und kein freies Europa geben. Und ohne ein freies Belarus kann es keine freie Ukraine geben.“

RND/rix

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