Kommentar

Übung zur nuklearen Luftverteidigung: Die Nato setzt das richtige Zeichen

An den bis zum 30. Oktober laufenden Übungen – unter anderem über der Nordsee – nehmen wie in jedem Jahr auch diesmal schwere US-Bomber vom Typ B 52 (Archivbild) teil. Diesmal starten die Maschinen auf der Minot Air Base in North Dakota.

An den bis zum 30. Oktober laufenden Übungen – unter anderem über der Nordsee – nehmen wie in jedem Jahr auch diesmal schwere US-Bomber vom Typ B 52 (Archivbild) teil. Diesmal starten die Maschinen auf der Minot Air Base in North Dakota.

Am Himmel über den Nato-Staaten, unter anderem über der Nordsee, zeigen in diesen Tagen 60 Flugzeuge der westlichen Allianz Präsenz: Bis zum 30. Oktober läuft „Steadfast Noon“, eine jährlich wiederkehrende Übung zur nuklearen Luftverteidigung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Beide Seiten“, stöhnen jetzt manche mit Blick auf Moskau und die Nato, sollten bitte „aufhören mit dem Säbelrasseln“. Doch dieser alte Reflex passt nicht mehr in die von Wladimir Putin definierte neue Zeit: Das Gerede von den „beiden Seiten“ hat sich mit dem Überfall auf die Ukraine erledigt.

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Russland zeigt eine abscheuliche Aggressivität, die keine Neutralität mehr erlaubt. Diesen klaren neuen Blick auf die Dinge hat niemand dem Rest der Welt so eindrucksvoll vorgeführt wie die Finnen und die Schweden. Ihr Beschluss zum Nato-Beitritt, historisch bahnbrechend, hat endgültig aufgeräumt mit der Illusion, man könne Putins systematischer Menschenverachtung noch auf irgendeinem Mittelweg begegnen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Zwei europäische Sozialdemokratinnen beschließen das Ende der Neutralität: Im Frühjahr dieses Jahres verabredeten die Premierministerin von Finnland, Sanna Marin (r.), und Schwedens damalige Regierungschefin Magdalena Andersson den gleichzeitigen Beitritt ihrer Staaten zur Nato.

Zwei europäische Sozialdemokratinnen beschließen das Ende der Neutralität: Im Frühjahr dieses Jahres verabredeten die Premierministerin von Finnland, Sanna Marin (r.), und Schwedens damalige Regierungschefin Magdalena Andersson den gleichzeitigen Beitritt ihrer Staaten zur Nato.

Die Nato, eigentlich ein militärisches Konstrukt, ist inzwischen auch emotional aufgeladen wie noch nie in ihrer Geschichte. Auf dem Bündnis ruhen mehr denn je die Hoffnungen aller Europäer, denen für sich selbst und für ihre Kinder ein Leben in Würde, Freiheit und Demokratie wichtig ist. Wo die Fähnchen der Nato flattern, so hofft man vom Baltikum über Berlin bis nach Bukarest, werden die Russen sich nicht trauen, ihre Panzer rollen zu lassen.

Die dazu nötige Abschreckung allerdings ergibt sich nicht von selbst. Sie muss – wie im Kalten Krieg – erarbeitet werden. Jährlich wiederkehrende Übungen wie „Steadfast Noon“ tragen dazu bei.

Hauptstadt-Radar

Persönliche Eindrücke und Hintergründe aus dem Berliner Regierungsviertel. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

In unzähligen weiteren Manövern trainiert die Nato derzeit weniger spektakuläre, aber militärisch relevante Dinge, von der Aufklärung im anderen Lager bis hin zu Fragen der eigenen Logistik und Kommunikation. Die sogenannte Interoperabilität, das Zusammenwirken von Truppen aus 30 Staaten, muss laufend geübt werden, zu Wasser, zu Lande und in der Luft.

Die Nato will jenen Pannen vorbeugen, die derzeit den Russen in der Ukraine Probleme machen. Schon seit Beginn des Einmarsches hakt es zum Beispiel immer wieder beim Zusammenspiel von russischer Luftwaffe und russischen Landstreitkräften. Auch innerhalb einzelner Heeresverbände der Russen sah man frappierende Schwächen: Mal rissen Versorgungsketten ab, mal verloren ganze Truppenteile den Gesamtüberblick.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der russischen Militärführung stehen die Stärken der Nato vor Augen, und das ist gut so. Die Nato selbst trägt dazu bei. Auf geeigneten Kanälen lässt sie Putins Offiziere wissen, wie gut sie mitlesen und mithören kann. Auf diese leise Art wird neue Unsicherheit auf russischer Seite gesät – während Putin weiter den prahlenden Kriegsherrn gibt.

Auf lange Sicht könnten Festigkeit und Einigkeit im Westen in Kombination mit zunehmender Unruhe in Moskau zum Best-Case-Szenario führen: dem politischen Ende Putins ohne direkten militärischen Konflikt zwischen Russland und der Nato. Bis dahin ist eine westliche Politik der Stärke alternativlos.

25.07.2022, Ukraine, Irpin: Oleh Bondar (l), Bürgermeister von Irpin, Nancy Faeser (SPD, vorne), Bundesministerin für Inneres und Heimat, und Hubertus Heil (SPD, l), Bundesminister für Arbeit und Soziales, stehen vor zerstörten Gebäuden der Stadt Irpin. Foto: Christophe Gateau/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bürgermeister von Irpin: „Ich kann nicht verstehen, warum sie uns so sehr hassen“

Oleksandr Markuschyn, der Bürgermeister von Irpin, schildert seine persönliche Sicht auf den Krieg – samt all der Gefühle, die für ihn wie für alle seine Landsleute überwältigend sind. Seine Sicht auf die Zukunft ist trotzdem positiv.

Die aktuelle Botschaft des Bündnisses jedenfalls ist klar, und sie wird auch in Moskau verstanden: bis hierhin und nicht weiter. Westliche Vitalitätszeichen dieser Art geben auch Menschen außerhalb der Nato Hoffnung: in der Ukraine selbst, aber auch in Belarus, wo derzeit eine Mobilmachung befürchtet wird – und sogar auch im Iran, wo mehr junge Leute denn je an ihrem unfreien System rütteln.

Die westliche Welt darf sich in dieser historischen Stunde nicht verkriechen. Sie muss, es geht gar nicht anders, den Rücken gerade machen.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen