Ex-Mitarbeiterin packt aus

Bericht: In russischen Geheimdiensten wachsen Zweifel am Krieg in der Ukraine

Wladimir Putin (Mitte), Präsident von Russland, und Sergei Schoigu (links), Verteidigungsminister von Russland, besuchen den Truppenübungsplatz Kapustin Jar, auf dem das Militärmanöver Kaukasus 2020 stattfindet (Symbolbild).

Wladimir Putin (Mitte), Präsident von Russland, und Sergei Schoigu (links), Verteidigungsminister von Russland, besuchen den Truppenübungsplatz Kapustin Jar, auf dem das Militärmanöver Kaukasus 2020 stattfindet (Symbolbild).

In den russischen Geheimdiensten wachsen die Zweifel am Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das geht aus einem Bericht des ARD-Politikmagazins „Kontraste“ und der Deutschen Welle hervor.

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Die Journalisten konnten demnach mit einer ehemaligen Mitarbeiterin des russischen Inlandsnachrichtendienstes FSB sprechen, die nach Frankreich geflohen ist. Marija Dmitriewa ist laut des Berichts Ärztin und arbeitete seit 2016 für insgesamt drei Sicherheitsbehörden Russlands. Sie habe mittlerweile in Paris Asyl beantragt.

Selenskyj äußert Zweifel an Ende russischer Mobilisierung

Russland hat seine Mobilisierung für den Krieg in der Ukraine nach eigenen Angaben abgeschlossen. Putin hatte die Rekrutierung von 300.000 Russen verlangt.

„Ich will, dass das Sterben ein Ende hat. Ich will nicht mehr, dass Menschen in der Ukraine sterben, dass Russen sterben“, erklärte sie gegenüber „Kontraste“ ihre Flucht und den Gang an die Öffentlichkeit. Mit dieser Ansicht sei sie nicht allein, denn viele im FSB glaubten ihrer Aussage zufolge, dass der Krieg in der Ukraine bereits verloren sei.

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Ex-Geheimdienstlerin glaubt an weitere Eskalation des Kriegs

Dafür spräche, dass sie von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört habe, dass sie den Dienst im Geheimdienst quittieren wollten. „Sie haben gesagt, dass sie müde sind“, wird Dmitriewa zitiert. Dabei sei diese Arbeit in Russland sehr angesehen und vor allem sehr schwer zu bekommen. „Und wenn dann drei junge Mitarbeiter innerhalb eines Monats den Dienst quittieren, spricht es dafür, dass sie nicht einverstanden sind mit dem System.“ Zudem gebe es unter Geheimdienstlern Ängste, „eines Tages für die Verbrechen im russischen Angriffskrieg zur Rechenschaft gezogen zu werden“.

Dass der Krieg bald ein Ende findet, hält die Ex-Geheimdienstlerin dennoch für unwahrscheinlich. Vielmehr glaube sie laut des Berichts an eine weitere Eskalation. Zu dieser Auffassung komme sie nach Informationen über eine Sitzung des russischen Sicherheitsrats, die sie von zwei Quellen erhalten habe. Dort habe man besprochen, wie man die Situation in der Ukraine „unter Kontrolle“ bekommen könnte. „Dabei war es völlig egal, mit welchen Mitteln dieses Ziel erreicht wird und wie viele Zivilisten dabei sterben“, sagte sie.

Gegenüber dem Politikmagazin schätzte der Russland-Experte Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck ihre Aussagen als plausibel ein. Auch er habe aus FSB-Quellen erfahren, dass man sich dort frage, „wie viel man denn bereit sei, für einen Sieg in der Ukraine zu bezahlen“. Zudem gebe es tatsächlich Sorgen, dass Russland den Krieg verlieren könnte.

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Putin spielt Kräfte im Machtapparat gegeneinander aus

Laut Wladimir Osetschkin, ein russischer Menschenrechtsaktivist, liege das auch an der Angst in den Geheimdiensten vor dem Verlust von Wohlstand und Sicherheit. Viele glaubten seiner Aussage zufolge, dass der Angriffskrieg gegen die Ukraine „Putins größter Fehler als Politiker und Staatsoberhaupt“ sei. Er könne gar in eine Katastrophe führen. Zudem berichtet er, dass Putins Entscheidung unter einigen Geheimdienstlern gar als „Verrat“ gelte. „Denn im Laufe von 20 Jahren hat das gesamte System der Sicherheitsbehörden Putin dabei geholfen, an der Macht zu bleiben“, sagte er gegenüber „Kontraste“.

Nicht zuletzt scheint der Kremlchef mit jüngeren Entscheidungen für weiteren Unmut zu sorgen – so etwa mit der Beförderung des Tschetschenführers Ramsan Kadyrow zum Generaloberst. Damit wolle sich Putin laut des Aktivisten gegen Putsche absichern – er generiere damit aber auch Spannungen im Machtapparat. „Die Mitarbeiter in den Sicherheitsbehörden haben Angst davor, dass in Zukunft noch radikalere Kräfte an die Macht kommen, also solche Banditen wie Kadyrow, denen sie sich dann unterordnen müssen.“

RND/sic

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