Per Schiff und Lkw außer Landes gebracht

Ukraine: Russland klaut ukrainisches Getreide im großen Stil

Arbeiter pflügen ein Weizenfeld im Westen der Ukraine.

Genf. In der Ukraine mehren sich die Vorwürfe, dass Russland etwa 500.000 Tonnen Getreide gestohlen und zum Teil verkauft haben soll. Bäuerinnen und Bauern aus den zeitweise besetzten Gebieten erzählen, dass russische Kräfte ihr Getreide, Gemüse und ihre landwirtschaftlichen Maschinen gestohlen haben sollen. Das berichtet die ukrainische Zeitung „Ukrajinska Prawda“. Demnach soll es sich um Getreide aus den Regionen Cherson, Saporischschja, Luhansk und Donezk handeln. „In der Regel bewahren die Landwirte einen Teil ihres Getreides bis zum Frühjahr auf, wenn die Preise während der Erntezeit traditionell steigen“, schreibt die Zeitung. In diesem Jahr erweise sich dies für viele Landwirtinnen und Landwirte als fatal.

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In der Region Saporischschja sollen sich im März im Hafen der Stadt Berdjansk noch fünf mit Getreide beladene Transportschiffe befunden haben, so die „Prawda“. Augenzeugen hätten beobachtet, wie russische Schlepper die Getreideschiffe weggebracht hätten. Laut ukrainischem Verteidigungsministerium sollen 400.000 bis 500.000 Tonnen Getreide gestohlen worden sein, hieß es am Donnerstag.

Die Ukraine gilt zusammen mit Russland als die Kornkammer der Welt. 60 Prozent des ukrainischen Getreides werden über die Häfen exportiert. Dies ist derzeit aber nicht möglich, da Russland die größten Häfen der Ukraine eingenommen hat oder belagert. Zudem gibt es immer wieder Berichte von russischen Seeminen im Schwarzen Meer.

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Russland soll gestohlenes Getreide nach Libanon und Syrien bringen

In der Ukraine erinnert das Vorgehen an Praktiken der sowjetischen Armee in den 1930er-Jahren. „Die Russen wenden die Taktiken des frühen 20. Jahrhunderts an, um Getreide zu stehlen und es aus der Ukraine zu exportieren“, sagte der erste stellvertretende ukrainische Minister für Agrarpolitik, Taras Wyssozki. Russland versuche über den Hafen auf der besetzten Krim das Getreide aus der Ukraine zu verkaufen. Gestohlenes ukrainisches Getreide sei zur Zeit auf dem Weg in den Libanon und nach Syrien. Ein Schiff nach Ägypten habe gestoppt werden können.

Nach Empörung über Lawrow: Putin entschuldigt sich für Hitler-Vergleich

Lawrow hatte in einem Interview im italienischen Fernsehen zum Krieg in der Ukraine in Israel und auch in anderen Ländern für Empörung gesorgt.

RIA Melitopol“ berichtete, dass eine Lkw-Kolonne Getreide aus der ukrainischen Stadt Melitopol als „Beute“ nach Russland gebracht haben soll. Begleitet wurden sie demnach von einem Militärkonvoi und Tankwagen, um die Lkw mit Kraftstoff zu versorgen. „Man kann sich vorstellen, was mit der Ernte passieren wird, die die Bauern der Region Melitopol in dieser Saison sammeln werden“, heißt es in dem Artikel. Zuvor soll die Politik offiziell die Diebstähle genehmigt haben. Eine „Enteignung der letztjährigen und laufenden Ernteüberschüsse der Landwirte in der Region Cherson“ werde erlaubt, zitiert „RIA Melitopol“ aus einer Presseerklärung.

UN halten Getreidediebstahl Russlands für glaubwürdig

Nach Angaben der UN-Agrarorganisation (FAO) sollen rund 700.000 Tonnen Getreide verschwunden sein. Der stellvertretende FAO-Direktor der Abteilung Märkte und Handel, Josef Schmidhuber, geht davon aus, dass russische Streitkräfte das Getreide vor allem in ihre Heimat brachten. „Es gibt anekdotische Beweise, dass (russische Streitkräfte) Getreide stehlen und mit Lastwagen nach Russland schaffen“, sagte Schmidhuber am Freitag in einem UN-Briefing zu Reportern in Genf. Ebenso gebe es glaubhafte Berichte, dass russische Streitkräfte Agrargeräte stehlen und Lagerhäuser zerstören. Es gebe Videos in den sozialen Medien, die die Diebstähle nahelegten, und er halte diese Videos für glaubwürdig, sagte Schmidhuber.

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Nach seinen Angaben dürfte die Ukraine in diesem Jahr 14 Millionen Tonnen Getreide für den Export zur Verfügung haben, in anderen Jahren waren 25 Millionen Tonnen für den Export oder die Lagerung über den Winter verfügbar. Viele Regionen, etwa Länder in Nordafrika, sind abhängig von günstigem Weizen aus der Ukraine. Auch für weltweite Ernährungshilfen ist das Getreide entscheidend.

RND/dpa/scs

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