Auch schwere Gefechte um Cherson

Experten: Russland intensiviert Angriffe in Donezk – und droht mit Offensive erneut zu scheitern

Ukrainische Soldaten feuern Ende Oktober in der Region Donezk aus einer von den USA gelieferten Haubitze M777 (Archivbild).

Ukrainische Soldaten feuern Ende Oktober in der Region Donezk aus einer von den USA gelieferten Haubitze M777 (Archivbild).

Kiew/Moskau. Bei neuen Kämpfen im Osten und Süden der Ukraine haben die Truppen Moskaus und Kiews sich am Samstag mit schwerer Artillerie beschossen. Das geht aus den Militärangaben der ukrainischen und russischen Seite hervor. Die ukrainischen Kämpfer hätten in den Gebieten Luhansk und Donezk russische Stellungen vernichtet, hieß es in Kiew.

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In Moskau teilte das russische Verteidigungsministerium mit, dass „ukrainische Angriffe“ in den Gebieten Donezk, Luhansk und Cherson zurückgeschlagen worden seien. Die Ukraine hatte immer wieder angekündigt, sich die von russischen Truppen besetzten Gebiete zurückzuholen. Die Rede war einmal mehr auch von Hunderten Toten je Seite in den nicht unabhängig überprüfbaren Militärberichten.

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Experten: Russlands Donezk-Offensive wird wahrscheinlich scheitern

In Donezk könnte Russland nach Einschätzung von Militärexperten versuchen, mit einer größeren Truppenstärke neues Momentum in der Region zu gewinnen – und wahrscheinlich damit scheitern. Laut des ukrainischen Oberbefehlshabenden Walerij Saluschnyj habe Russland die Intensität seiner Angriffe in dem Gebiet verdreifacht. Es gebe in manchen Frontabschnitten täglich bis zu 80 Angriffe.

Das Kommando der östlichen Truppen der Ukraine geht davon aus, dass Russland darauf abziele, die Städte Bachmut und Soledar einzunehmen, um einen „Erfolg“ bei der „Befreiung“ des Donbass vorweisen zu können. Laut der Militärexperten des US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW) setze Russland dabei eine große Anzahl mobilisierter Truppen ein. „Die erhöhte Personalmenge an Frontpositionen kann es den russischen Streitkräften ermöglichen, einige Gewinne im Gebiet Donezk zu erzielen“, so die Einschätzung des ISW. Aber: „Schlechte Ausbildung, Logistik und Führung werden die russischen Truppen weiterhin daran hindern, operativ bedeutende Gewinne zu erzielen, die den Verlauf oder Ausgang des Krieges wesentlich beeinflussen würden.“

Ukraine: Russland verschleppt Menschen aus Cherson

Im Gebiet Cherson meldeten die Behörden den schwersten Artilleriebeschuss seit Tagen. Die ukrainische Führung will die Region im Süden des Landes nach ersten Erfolgen noch komplett befreien.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Freitag gesagt, dass die Region wegen der schweren Kampfhandlungen evakuiert werden müsse. Zehntausende Menschen waren nach Angaben der Besatzungsbehörden bereits auf von Russland kontrolliertes Gebiet geflohen. Die Ukraine spricht von einer Verschleppung ihrer Bürger.

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In den umkämpften Teilen der Region Cherson sollen weiter rund 170.000 Menschen ausharren, die bisher nicht fliehen wollten oder konnten. Nach nicht überprüfbaren Angaben des russischen Verteidigungsministeriums werden weiter rund 5000 Menschen täglich über den Fluss Dnipro mit Booten und über eine Pontonbrücke Sicherheit gebracht.

Izyum, Ukraine - 24.10.2022: Hundreds of graves can be seen in a forest outside of Izjum. As there were so many ukranian dead bodies under the russian occupation, the local people had to bury them in the forest next to the original cemetery. From the 447  bodies found, 414 were bodies of civilians (215 men, 194 women, 5 children), 22 military personnel and 11 bodies whose gender has not been determined. Most of these people died a violent death, while 30 bodies had clear traces of torture. After the taking back of Lyman by ukranian forces, they bodies have been exhumed and are now being held in the morgue for DNA- and further analysis.

„Pistolenlauf in den Mund gesteckt und abgedrückt“: Ukrainer berichten von russischer Folter

Seit dem Einmarsch in die Ukraine sehen sich russische Truppen dem Vorwurf ausgesetzt, Kriegsverbrechen zu begehen. Es gibt zahlreiche Berichte über willkürliche Festnahmen und Folter durch die Besatzer. Drei Betroffene erzählen von ihren Erfahrungen – von so brutalen Schlägen, dass Knochen brechen, von Drohungen und von Demütigungen.

Cherson ist die bislang einzige Gebietshauptstadt, über die Kiew nach dem russischen Einmarsch schon Ende März die Kontrolle verloren hatte. Im September wurde das Gebiet nach einem Scheinreferendum von Russland annektiert, kein Land erkennt diesen Völkerrechtsbruch an. Die ukrainische Armee führt dort seit Wochen eine Offensive zur Befreiung der Region.

RND/sic/dpa

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