Weltklimakonferenz in Ägypten

„Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle“: UN-Generalsekretär Guterres mit eindringlicher Warnung

Antonio Guterres, UN-Generalsekretär.

Antonio Guterres, UN-Generalsekretär

Scharm el Scheich. Hungersnöte wegen extremer Dürren, Tausende Tote nach Überschwemmungen und Unwettern: Auf der Weltklimakonferenz hat UN-Generalsekretär António Guterres in düsteren Worten vor den verheerenden Folgen der Erderhitzung gewarnt. „Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle - mit dem Fuß auf dem Gaspedal“, sagte Guterres am Montag vor Dutzenden Staats- und Regierungschefs im ägyptischen Scharm el Scheich. Kanzler Olaf Scholz (SPD) kündigte auf dem Gipfel eine Verdoppelung der deutschen Mittel für den weltweiten Schutz der Wälder an: von einer auf zwei Milliarden Euro.

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Außerdem stellt Deutschland nach den Worten des Kanzlers für einen Schutzschirm zur Abfederung bei Klimakatastrophen 170 Millionen Euro zur Verfügung, wie Scholz laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript sagte. Beide Vorhaben werden aus den jährlichen Mitteln für den Kampf gegen die Klimakrise finanziert, die bis 2025 von 5,3 auf sechs Milliarden Euro aufgestockt werden sollen.

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Bis Ende kommender Woche beraten in Ägypten die Vertreter von rund 200 Staaten darüber, wie die Erderwärmung auf ein noch erträgliches Maß eingedämmt werden kann. Schon jetzt hat sich die Welt um etwa 1,1 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit aufgeheizt - Deutschland sogar noch deutlich stärker.

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Guterres: „Menschheit hat eine Wahl“

Guterres sagte, das 2015 in Paris vereinbarte Ziel, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei akut gefährdet. „Wir kämpfen den Kampf unseres Lebens - und sind dabei zu verlieren.“ Konkret müssten daher die OECD-Staaten schon bis 2030 aus der Kohlekraft aussteigen, und alle übrigen Staaten bis 2040. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat 38 Mitgliedstaaten, die meisten mit hohem Pro-Kopf-Einkommen.

UN-Generalsekretär Guterres: „Sind auf dem Highway zur Klimahölle“

Auf der Konferenz in Ägypten diskutieren Vertretende zahlreicher Länder mögliche Maßnahmen gegen den Klimawandel. Auch der Ukrainekrieg kam zur Sprache.

Der Portugiese rief zu einem „historischen Klima-Solidarpakt“ zwischen wohlhabenden Staaten sowie Schwellen- und Entwicklungsländern auf. Dabei stünden die USA und China besonders in der Verantwortung. Beide Staaten stoßen mengenmäßig die meisten klimaschädlichen Treibhausgase aus - also vor allem Kohlendioxid und Methan. Wörtlich sagte er: „Die Menschheit hat eine Wahl: zusammenzuarbeiten oder unterzugehen!“

Guterres fordert 3,1 Milliarden Euro für Wetterwarnsysteme

Guterres forderte den globalen Ausbau von Warnsystemen für extreme Wetterereignisse gefordert. Nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO), die die UN-Initiative „Frühwarnung für Alle“ entwickelt hat, sollen bis 2027 umgerechnet 3,1 Milliarden Euro investiert werden. Ziel sei, bis dahin jeden einzelnen Menschen unter den Schutzschirm solcher Systeme zu stellen, sagte der UN-Generalsekretär.

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„Der stetige Anstieg von Treibhausgas-Emissionen wirkt wie ein Turbolader für extreme Wetterereignisse auf dem ganzen Planeten“, sagte Guterres nach einer Mitteilung der WMO. Die immer häufigeren Stürme, Hitzewellen, Überschwemmungen oder Dürren richteten Schäden von Hunderten Milliarden Dollar an und zwängen schon jetzt viel mehr Menschen zur Flucht als Kriege.

Der BER sieht sich für Proteste gut gerüstet.

„Letzte Generation“ kündigt Proteste an Flughäfen an: Was das für den BER bedeutet

Bereits in der Vergangenheit haben Klima-Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ versucht den Flughafen Berlin Brandenburg zu blockieren. Flughafen und Polizei sehen sich für weitere Aktionen gewappnet.

„Ohne Wenn und Aber“: Scholz betont Ausstieg aus den fossilen Energien

Scholz betonte, dass Deutschland „ohne Wenn und Aber“ aus den fossilen Energien aussteigen werde. Es dürfe keine „Renaissance“ von Gas, Öl und Kohle geben. „Für Deutschland sage ich: Es wird sie auch nicht geben.“ Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die damit verbundene Abkopplung von russischen Gaslieferungen hat aber dazu geführt, dass die deutschen Kohlekraftwerke länger am Netz bleiben und die Bundesregierung die Erschließung von Gasfeldern zum Beispiel in Afrika fördern will.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sagte, es gebe große Erwartungen auf gute Ergebnisse. „Millionen Menschen rund um den Planeten haben ihre Blicke auf uns gerichtet.“ Die Folgen klimabedingter Wetterereignisse seien so verheerend wie nie zuvor. „Wir haben eine Katastrophe nach der anderen erlebt. Sobald wir eine Katastrophe bewältigen, entsteht eine andere - Welle für Welle.“ Die Erde habe sich in eine „Welt des Leids“ verwandelt.

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In Scharm el Scheich herrschen sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen. US-Präsident Joe Biden will am Freitag teilnehmen, Russlands Präsident Wladimir Putin wird dagegen nicht erwartet. Vor Ort am Roten Meer sind 45.000 Teilnehmer registriert.

Al Gore: „Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem - wir alle hier“

Der Präsident der Afrikanischen Union, Macky Sall, bezeichnete das Treffen als Chance, „Geschichte zu schreiben oder ein Opfer der Geschichte zu werden“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf Twitter: „Wir stehen vor vielen Herausforderungen, aber der Klimawandel ist die größte.“ Bei der COP27 gehe es darum, gegebene Versprechen umzusetzen. „Wir müssen alles tun, was wir können, um 1,5 Grad in Reichweite zu halten.“

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Der frühere US-Vizepräsident Al Gore mahnte, der Ukraine-Krieg dürfe keine Ausrede sein für ein Festhalten an klimaschädlichen fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle. Der Friedensnobelpreisträger sprach von einer „Kultur des Todes“, die überwunden werden müsse. Doch seien die Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgase unzureichend. „Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem - wir alle hier.“

Sorge vor „Greenwashing“-Festival

Umweltschützer warnten die reichen Industriestaaten davor, ausgerechnet während der Konferenz neue Gaslieferungen mit afrikanischen Staaten auszuhandeln. Es seien viele Gas-Lobbyisten in Scharm el Scheich zu erwarten. Das Treffen drohe zu einem „Greenwashing“-Festival zu verkommen, warnten Vertreter von Powershift Africa, Greenpeace und des Climate Action Networks.

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Mohamed Adow von Powershift Africa sagte: „Dies ist eine neue Form des Kolonialismus - und über Gas-Deals, die afrikanische Ressourcen betreffen, kann nicht in Berlin entschieden werden.“ Mit Greenwashing sind Strategien gemeint, mit denen sich Unternehmen oder Staaten wahrheitswidrig als besonders umweltfreundlich darstellen.

Bereits im Mai hatte Scholz dem Senegal Unterstützung bei der Erschließung eines Gasfeldes vor der Küste versprochen. Das kleine Land in Westafrika soll zumindest einen Teil der Lücke füllen, die durch das fehlende Gas aus Russland entstanden ist.

RND/dpa

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