Im Überblick

Alles Wichtige zur Wahl in Schleswig-Holstein

Am 8. Mai wählt Schleswig-Holstein einen neuen Landtag. Hier zu sehen der Plenarsaal in Kiel.

Kiel. In Schleswig-Holstein ist seit über zwei Jahrzehnten der politische Wechsel die Regel. Im Jahr 2000 wurde letztmals mit einer Landtagswahl die bis dato amtierende Koalition bestätigt, damals Rot-Grün. Seit 2017 führt Ministerpräsident Daniel Günther eine stabile Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP. Am 8. Mai wird neu gewählt. Alles Wichtige zur Wahl:

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Die Fakten zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2022

Rund 2,3 Millionen Wahlberechtigte dürfen ihre Stimme abgeben. 16 Parteien sind mit Landeslisten dabei. In 35 Wahlkreisen treten knapp 300 Bewerberinnen und Bewerber an. 2017 betrug die Wahlbeteiligung 64,2 Prozent.

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Das Wahlrecht: Wie funktioniert die Wahl?

Es gilt das Zwei-Stimmen-System. Per Erststimme werden die 35 Mandate aus den Wahlkreisen vergeben. Wer dort die meisten Stimmen holt, ist gewählt. Die Zweitstimme gilt der Landesliste einer Partei, damit kommen regulär 34 Mandate dazu. Berechnet wird die Sitzaufteilung nach dem Verfahren von Sainte-Laguë/Schepers. Erhält eine Partei mehr Direktmandate in den Wahlkreisen, als ihr prozentual nach Zweitstimmen zustünden, behält sie diese Mehrsitze. Die anderen Parteien bekommen dafür entsprechend ihrem Anteil Ausgleichsmandate. Es gilt die Fünf-Prozent-Hürde.

Daniel Günther, das Hoch im Norden

Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 8. Mai steuert Amtsinhaber Daniel Günther auf einen ungefährdeten Sieg zu. Kontroverse Landesthemen sind Fehlanzeige. Doch der 48-Jährige mit dem jungenhaften Image hat ein Problem: Für sein Wunschbündnis Jamaika-Koalition ist er zu erfolgreich.

Sonderfall SSW

Der Südschleswigsche Wählerverband ist als Partei der dänischen Minderheit von der Fünf-Prozent-Klausel befreit. Er braucht aber mindestens so viele Stimmen, wie für die Zuteilung des letzten Mandates notwendig sind. Auf dieser Basis ist die Partei, die auch die friesische Minderheit vertritt, seit 1958 durchweg im Parlament, lange aber nur mit einem Abgeordneten. 2012 bis 2017 bildete der SSW mit SPD und Grünen eine Regierung. Mit Anke Spoorendonk stellte er die Justizministerin.

Die Briefwahl

Die Deutsche Post stellt sich zur Landtagswahl auf einen hohen Anteil von Briefwählern ein. Zahlen lägen dazu aber nicht vor, sagte ein Sprecher Ende April der Deutschen Presse-Agentur. Die Post rief dazu auf, Briefwahlunterlagen möglichst rasch zu beantragen. Alle Wahlbriefe, die bis spätestens am 6. Mai vor den Leerungszeiten der Briefkästen eingeworfen werden, werde die Post noch rechtzeitig am Tag darauf an landesweit rund 150 Wahlbüros zustellen, hieß es.

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Wer sitzt aktuell im Landtag in Schleswig-Holstein 2022?

Aktuell sitzen Politiker aus sieben Parteien im Landtag. Stärkste Kraft wurde 2017 die CDU mit 32,0 Prozent, gefolgt von der SPD mit 27,3, den Grünen mit 12,9 und der FDP mit 11,5 Prozent. Die AfD kam mit 5,9 Prozent erstmals ins Parlament; die Linke verfehlte die 5-Prozent-Hürde. Der von dieser befreite SSW schaffte 3,3 Prozent, was für drei Mandate reichte. Die zunächst fünfköpfige AfD-Fraktion zerfiel, weil der Partei nur drei Abgeordnete blieben. Eine Fraktion muss mindestens vier haben. Die frühere AfD-Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein wurde aus Partei und Fraktion ausgeschlossen. Frank Brodehl verließ die AfD und trat später in die Splitterpartei Liberal-Konservative Reformer ein.

Die Kandidaten: Wer tritt bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2022 an?

Ministerpräsident Günther (48) ist Vorsitzender der Nord-CDU. Er war 2017 an die Spitze der ersten Regierung aus CDU, Grünen und FDP gerückt. SPD-Spitzenkandidat ist Ex-Staatskanzleichef Thomas Losse-Müller (49), ein früherer Grüner, Volkswirt und Banker. Das Ziel, Günther abzulösen, verkündeten auch die Grünen. Kandidatin dafür ist Finanzministerin Monika Heinold (63). Der Spitzenkandidat der FDP, Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (60), war früher Chef des Verlages Gruner + Jahr. Die AfD schickt auf Listenplatz 1 den Ex-Fraktionsvorsitzenden Jörg Nobis (46) ins Rennen. Spitzenkandidat des SSW ist der langjährige Abgeordnete Lars Harms (57), ein Friese.

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Wahlkampf in Schleswig-Holstein

Nach Ausbruch des Ukraine-Krieges spielen die hohen Energie- und Spritpreise eine herausragende Rolle. Forderungen nach weiteren Entlastungen halten an. Der Ausbau erneuerbarer Energien, speziell der Windkraft auf dem Land - hier ist der Norden sehr weit -, gehört auch zu den wichtigsten Themen. CDU und FDP fordern eine stärkere Öl-Förderung im Wattenmeer, um die Abhängigkeit von Importen aus Russland zu senken. Für die Grünen ist das ebenso schwierig wie der Bau eines LNG-Terminals für Flüssigerdgas in Brunsbüttel: Die führenden Nord-Grünen befürworten ihn wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, ein Landesparteitag lehnte ihn ab. Hoch umstritten bei Jamaika ist zwischen CDU/FDP und Grünen auch die Agrarpolitik.

Umfragen zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2022?

Die jüngste Erhebungen sehen die CDU klar vorn. Die SPD rangiert lediglich bei der Hälfte der Zustimmung im Vergleich zur Günther-Partei. Dahinter folgen die Grünen, mit Abstand die FDP (9 Prozent). AfD und SSW sind ungefähr gleich stark. Seit langem auffällig sind eine große Zufriedenheit mit der Landesregierung und sehr hohe Zustimmungswerte für Günther auch bei Anhängern anderer Parteien.

Welche Koalitionen könnten regieren?

Verschiedene Koalitionen sind denkbar. Die CDU würde wohl am liebsten allein mit der FDP regieren, sagt aber, sie würde gern Jamaika fortführen, also auch mit den Grünen. Sollte es für CDU/FDP nicht reichen, könnte auch der SSW dazukommen. Nach der jüngsten Umfrage gut möglich wäre ein Bündnis aus CDU und Grünen, ohne FDP. Diese hat eine klare Präferenz für die CDU bekundet, was eine Ampel deutlich erschweren würde. Für eine solche würde es aktuell auch rechnerisch kaum reichen. Die Grünen gehen ohne Koalitionsaussage in die Wahl. Für eine Neuauflage einer Koalition aus SPD, Grünen und SSW zeichnet sich keine Mehrheit ab.

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RND/fw/dpa

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