Verschwörungstheorien

Wer steckt hinter Qanon? Forscher wollen Hintermänner gefunden haben – dank künstlicher Intelligenz

ARCHIV - 29.08.2020, Berlin: Auf einer schwarzweißroten Fahne, die ein Teilnehmer vor dem Brandenburger Tor hält, sind ein Bild von US Präsident Trump, der Buchstabe «Q» sowie der Schriftzug «WWG1WGA» (Where we go one, we go all) aufgedruckt bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen. (zu dpa «QAnon: Die Gefährlichkeit absurder Geschichten») Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

ARCHIV - 29.08.2020, Berlin: Auf einer schwarzweißroten Fahne, die ein Teilnehmer vor dem Brandenburger Tor hält, sind ein Bild von US Präsident Trump, der Buchstabe «Q» sowie der Schriftzug «WWG1WGA» (Where we go one, we go all) aufgedruckt bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen. (zu dpa «QAnon: Die Gefährlichkeit absurder Geschichten») Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bislang glaubten Anhänger der Qanon-Bewegung, der Autor der Beiträge sei ein hochrangiger US-Beamter, der den sogenannten „Q“-Status erreicht hat, der in den USA für die höchste Sicherheitsfreigabe steht. Angeblich verfügt der unbekannte Verfasser der Beiträge somit über zahlreiche Insiderinformationen. Die Abkürzung „Anon“ steht dabei für anonym, da niemand seine Identität kennt. Das könnte sich nun ändern, hofften zwei Forscherteams, so die „New York Times“.

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Anhänger der Qanon-Bewegung verbreiten im Internet und auf Demonstrationen zahlreiche Verschwörungstheorien rund um eine angebliche Geheimregierung, auch als „Deep State“ bezeichnet, die im Verborgenen die weltweite Politik steuert und sich gegen US-Präsident Donald Trump verschworen hat. Auch beim Sturm auf das US-Kapitol im Januar 2021 waren Qanon-Anhänger beteiligt.

Zwei Teams von Computerwissenschaftlern sind nun zwei Männern auf der Spur, die hinter den Verschwörungstheorien von Qanon stecken könnten. Die Forscher kamen zu den Ergebnissen, dass es sich bei den Autoren von Qanon-Beiträgen um Paul Furber, einen südafrikanischen Softwareentwickler und Verschwörungstheoretiker, und Ron Watkins, einen Webseitenbetreiber für Verschwörungstheorien, handle. Die beiden Männer standen schon zuvor im Visier, hinter dem Verschwörer Qanon zu stecken. Nun gebe es allerdings auch handfeste Beweise durch maschinelles Lernen, einer Form von künstlicher Intelligenz.

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Bei den Wissenschaftlern, die Furber und Watkins identifizierten, handelt es sich um zwei Forscherteams: einerseits um Claude-Alain Roten und Lionel Pousaz von Orph Analytics, einem Schweizer Start-up, andererseits um die französischen Computerlinguisten Florian Cafiero und Jean-Baptiste Camps.

Verschwörer mithilfe von KI entlarvt?

Mithilfe von forensischer Linguistik konnten die Forscher Unterschiede innerhalb von Sprache erkennen und dieselbe Handschrift in zwei verschiedenen Texten enthüllen. So ist es den Teams gelungen, Texte wie beispielsweise Tweets mit den Beiträgen von Qanon zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden. Vor allem bei Paul Furber und Ron Watkins habe die Technologie angeschlagen.

Die Informatiker nutzen dafür einen mathematischen Ansatz, der als Stilometrie bekannt ist. Ausgeklügelte Software zerlegte die Qanon-Texte in Muster aus dreistelligen Sequenzen und verfolgte das Wiederauftreten jeder möglichen Kombination. Das Schweizer Team gab an, seine Genauigkeitsrate liege bei etwa 93 Prozent. Das französische Team erläuterte, seine Software habe die Schrift von Herrn Watkins in 99 Prozent der Tests und die von Herrn Furber in 98 Prozent korrekt erkannt.

Vom Verschwörungsfan zum Autor?

Furber sei als einer der ersten Qanon-Anhänger bekannt gewesen, der die Verschwörungen öffentlich verbreitete und befürwortete, so die „New York Times“. Nach Angaben der Forscher könnte Furber nun sogar der Autor der ersten Qanon-Beiträge in 2017 gewesen sein. Ron Watkins soll Furber im Jahr 2018 abgelöst haben, vermuten die Wissenschaftler. „Als Qanon erfolgreich zu werden begann, übernahm einer von ihnen die Kontrolle“, sagte Claude-Alain Roten von Orph Analytics.

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Ron Watkins, der eine Website betrieb, auf der die Qanon-Botschaften 2018 zu erscheinen begannen, kandidiert aktuell für den Kongress in Arizona. Beide bestreiten, als Q geschrieben zu haben.

Um Q ist es mittlerweile still geworden. Seit Dezember 2020 wurde keine offizielle Nachricht mehr gepostet. Während Präsident Donald Trump sich zu seiner Amtszeit wohlwollend gegenüber der Bewegung äußerte, warnte das FBI im Juli 2020 vor Qanon und bezeichnete es als eine „Gefährdung der nationalen Sicherheit“.

Auch in Deutschland hatte die Qanon-Bewegung Anklang gefunden. Während der Corona-Proteste vor allem im Jahr 2020 hatten sich unter anderem prominente Figuren wie Xavier Naidoo und Attila Hildmann auf Elemente der Qanon-Theorien berufen.

RND/hyd

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