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Wegweisender Parteitag

Wer führt künftig die Linke? Diese vier haben die besten Chancen

Die aussichtsreichsten Kandidatinnen und Kandidaten für den Parteivorsitz: Sören Pellmann, Martin Schirdewan, Heidi Reichinnek und Janine Wissler (von links).

Berlin. Es geht um die Existenz der Linken als Partei. Darin sind sich alle Beobachter vor dem am Freitag beginnenden wegweisenden Parteitag in Erfurt einig. Ob sie noch einmal die Kurve bekommt, hängt auch von ihrer Spitze ab. Für das Führungsduo aus einer Frau und einem Mann bewerben sich fast ein Dutzend Kandidatinnen und Kandidaten. Aufgrund der parteiinternen Regularien könnten sogar kurzfristig in Erfurt noch weitere hinzukommen.

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Längst nicht allen werden dabei echte Chancen eingeräumt. Auch wenn Überraschungen auf diesem Parteitag möglich sind, dürften vier Bewerberinnen und Bewerber die zwei Plätze unter sich ausmachen. Das sind die vier aussichtsreichsten Kandidaten.

 Janine Wissler, Vorsitzende der Linken, auf einer Pressekonferenz in der Parteizentrale im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin.

Janine Wissler, Vorsitzende der Linken, auf einer Pressekonferenz in der Parteizentrale im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin.

Die Chefin: Janine Wissler

Die Vorsitzende der Linken, Janine Wissler, sagt, die Situation ihrer Partei sei ernst, aber nicht hoffnungslos. Am Wochenende will sich die 41-jährige Politikwissenschaftlerin wiederwählen lassen. Ob das gelingt, ist völlig offen. Die existenzielle Krise der Partei sieht sie vor allem in den „widersprüchlichen Botschaften“ begründet, die von den unterschiedlichen „Ich-AGs“, den Individualisten in Fraktion und Vorstand, versendet werden.

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„Die Wähler müssen klar erkennen können, wofür die Linke steht: bezahlbare Mieten, bessere Entlohnung für Pflegekräfte, Umverteilung von oben nach unten“, sagte Wissler im RND-Interview.

Problematisch für Wissler: Seit ihrem Amtsantritt im Februar 2021 hatte die Linke zunächst bei der Bundestagswahl im September die 5-Prozent-Hürde verfehlt und war nur dank dreier Direktmandate wieder in den Bundestag eingezogen. Und auch diesem Jahr gingen alle drei Landtagswahlen für die Linke verloren; sie blieb im Saarland, in Nordrhein-Westfalen und in Schleswig-Holstein unter 5 Prozent. Außerdem ging im April noch Wisslers Co-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow von Bord, was die Krise zusätzlich verschärfte. Hinzu kamen Vorwürfe zu sexuellen Übergriffen aus verschiedenen Landesverbänden, nicht zuletzt aus Wisslers Heimatverband Hessen. Dennoch gibt sich die 41-jährige amtierende Parteichefin kämpferisch: „Wir haben es selbst in der Hand, uns wieder herauszuarbeiten und Vertrauen zurückzugewinnen“, sagte sie dem RND.

Hier geht es zum ausführlichen Interview mit der Vorsitzenden.

 Der Leipziger Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann setzt auf Teamarbeit.

Der Leipziger Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann setzt auf Teamarbeit.

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Der Ostbeauftragte: Sören Pellmann

Er holte bei der letzten Bundestagswahl eines der drei überlebenswichtigen Direktmandate für die Linke. Auch dank ihm sitzt die Linke überhaupt noch im Bundestag. Der Leipziger ist ausgebildeter Pädagoge und hat in seiner Heimatstadt bis zu seinem Einstieg in die Bundespolitik als Grundschullehrer im Fach Werken gearbeitet. Jetzt greift Sören Pellmann (45) zum Parteivorsitz, will gegen „Machtkämpfe und persönliche Eitelkeiten“ angehen.

Pellmann will die Partei wieder einen und als Ostbeauftragter der Fraktion auch noch den Osten wieder stärker ins Blickfeld rücken. „Der Protest gegen soziale Verhärtungen darf nicht noch weiter nach rechts zur AfD wandern“, sagt er. Für seine Kandidatur hat er ein Zehn-Punkte-Programm aufgestellt, in dem er unter anderem fordert, dass die Linke eine „Partei des Parlaments und der Straße“ sein müsse und dass alle Promis mit ihren Individualinteressen in ein Team integriert werden müssten.

Zum ausführlichen Porträt von Sören Pellmann geht es hier.

Heidi Reichinnek bewirbt sich gegen Janine Wissler um den weiblichen Platz in der Parteivorsitzdoppelspitze.

Heidi Reichinnek bewirbt sich gegen Janine Wissler um den weiblichen Platz in der Parteivorsitzdoppelspitze.

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Die Jüngste: Heidi Reichinnek

Mit der 34-jährigen Heidi Reichinnek greift die jüngste Bundestagsabgeordnete der Linken nach dem Parteivorsitz. Reichinnek, die im Ehrenamt Landesvorsitzende ihrer Partei in Niedersachsen ist, kommt von der Basis, hat lange Zeit in Belm im Landkreis Osnabrück in der ökumenischen Jugendarbeit Erfahrung gesammelt. Jetzt konkurriert sie vor allem mit Parteichefin Wissler um den weiblichen Platz in der Parteidoppelspitze. „Es darf kein Weiter-so geben“, findet Reichinnek und sagt im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Wir müssen raus aus dieser Krise, wir brauchen neue Köpfe, neue Ideen und auch eine neue Form der Zusammenarbeit.“

Die studierte Politikwissenschaftlerin hat das Gefühl, dass die Partei es nicht mehr richtig schafft zu transportieren, was sie eigentlich sagen will. Reichinnek ist selbst seit 17 Jahren Vegetarierin, findet aber, dass es wenig Sinn macht, individuellen Verzicht zu predigen statt strukturelle Probleme zu benennen. „Wir müssen anprangern, dass mit Millionensubventionen aus Brüssel hier bei uns Betriebe gestützt werden, die eine unsägliche Massentierhaltung praktizieren“, sagt die Politikerin.

Zu einem Porträt von Heidi Reichinnek geht es hier.

 Martin Schirdewan bei einem Pressebriefing der Fraktion Die Linke im Europäischen Parlament.

Martin Schirdewan bei einem Pressebriefing der Fraktion Die Linke im Europäischen Parlament.

Der Europakenner: Martin Schirdewan

Der gebürtige Ostberliner ist promovierter Politikwissenschaftler und hat als Redakteur bei verschiedenen parteinahen Zeitungen und Zeitschriften sowie im Apparat auf Bundes- und Europaebene gearbeitet. Im November 2017 rückte Schirdewan für den ausscheidenden Europaabgeordneten Fabio De Masi als Mitglied ins Europäische Parlament nach und ist dort inzwischen seit 2019 Co-Vorsitzender der Fraktion Die Linke.

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Schirdewan (46) sieht seine Partei an einer Weggabelung: „Entweder wir schaffen auf dem Parteitag den Schritt hin zur modernen sozialistischen Gerechtigkeitspartei oder wir machen weiter wie bisher. Und das hat uns in den letzten Jahren nicht gutgetan“, sagte er im Gespräch mit dem RND. Er sieht vor allem drei gesellschaftliche Konfliktlinien, um die die Partei sich kümmern muss: soziale Ungleichheit, Klimawandel und digitaler Wandel.

Zur Ankündigung von Schirdewans Kandidatur geht es hier.

Wer außerdem noch antritt

Möglicherweise läuft es auf dem Parteitag auf einen Wettbewerb der Gespanne Wissler/Schirdewan und Reichinnek/Pellmann hinaus, da Letztere parteiintern eher als Kandidaten der jetzigen Bundestagsfraktionsspitze um Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali gesehen werden.

Neben den vier aussichtsreichsten Bewerberinnen und Bewerbern treten noch Julia Bonk, Carlo Eidmann, Wolfgang Kolonko, Christoph Mehrle, Rolf Schürmer und Torsten Skott an. Ihnen allen werden aber höchstens Außenseiterchancen eingeräumt. Eine Entscheidung, wer die Linke aus der Krise führen soll, wird für Samstag erwartet.

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