Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

84-jähriger Schauspieler unterliegt vor Gericht

Bill Cosby erneut schuldig gesprochen: seine Pläne, seine Unterstützer, seine Verluste

Der US-Schauspieler Bill Cosby.

Der US-Komiker und Schauspieler Bill Cosby (84) ist erneut des sexuellen Missbrauchs für schuldig befunden worden. Eine Jury aus acht Frauen und vier Männern sah es am Dienstag als erwiesen an, dass Cosby die heute 64 Jahre alte Klägerin in der Playboy-Mansion in Los Angeles missbrauchte, als sie 16 Jahre alt war. Der Klägerin sprach die Jury im Zivilprozess 500.000 Dollar (etwa 475.000 Euro) zu.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Frau hatte die Vorwürfe bereits 2014 erhoben. Zu einem Strafprozess kam es nicht, weil der Vorfall bereits verjährt war. Weil die Frau zu dem Zeitpunkt aber minderjährig war, kann sie heute noch zivilrechtlich mit Schadensersatzansprüchen gegen Cosby vorgehen. Das Zivilverfahren war ausgesetzt worden, als Cosby im US-Staat Pennsylvania 2017 strafrechtlich belangt wurde. Mehr als 60 Frauen hatten dem Schauspieler sexuelle Übergriffe unterschiedlicher Art vorgeworfen.

Nach Missbrauchsvorwurf: Bill Cosby zu Zahlung von Schadensersatz verurteilt

Der frühere US-Fernsehstar Bill Cosby wurde schuldig gesprochen, in den 1970er-Jahren die damals 16 Jahre alte Judy Huth sexuell missbraucht zu haben.

Bill Cosby: „Ich habe immer meine Unschuld beteuert“

2018 war Cosby wegen sexueller Nötigung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. In dem Prozess ging es um einen Fall aus dem Jahr 2004. Cosby hatte rund drei Jahre in Haft verbracht, als das höchste Gericht in Pennsylvania Ende Juni 2021 seine Verurteilung aufgrund eines Verfahrensfehlers überraschend kippte – Cosby kam und ist seitdem auf freiem Fuß.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der Entertainer hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Nach der Aufhebung des Urteils meldete sich Cosby zu Wort: „Ich habe weder meine Haltung noch meine Geschichte je geändert. Ich habe immer meine Unschuld beteuert“, hieß es in einem Statement auf Twitter. Er dankte den Richtern dafür, die Rechtsstaatlichkeit gewahrt zu haben. Auch dankte er allen Fans, Unterstützern und Freunden, die in dieser „Tortur“ zu ihm gehalten hätten.

Cosby will ein Buch schreiben

Seitdem wurde es ruhig um Cosby. Kurz nach seiner Freilassung sagten sein Sprecher Andrew Wyatt und seine Anwältin Jennifer Bonjean, dass Cosby seine Karriere wiederbeleben wollte. Wie die „New York Times“ unter Berufung auf Wyatt berichtete, wollte Cosby ein Buch schreiben und mit einer Produktionsfirma an einer Dokumentation über sein Leben arbeiten. Der Sprecher kündigte laut Bericht auch an, dass Cosby geplant hätte, auf die Bühne zurückzukehren. „Die Leute wollen diesen Typen hören und sehen“, sagte Wyatt. „Er kann Shows ausverkaufen. Die Leute wollen Mr. Cosby hören. Er wird von Millionen geliebt.“ Bislang ist weder ein Buch erschienen, noch hatte er Bühnenauftritte.

Dokuserie beleuchtet Cosbys Leben und Karriere

Eine Dokumentation erschien Anfang 2022 in den USA, allerdings ohne Mitwirkung des Schauspielers selbst. Die vierteilige Dokuserie „We need to talk about Cosby“ („Wir müssen über Cosby reden“) von US-Regisseur W. Kamau Bell thematisiert Leben und Karriere Cosbys und die Vorwürfe gegen ihn. Über seinen Sprecher ließ Cosby kurz vor der Premiere verlauten, dass er sich von allen Vorwürfen distanziere. Über den von Wyatt angekündigten Dokumentarfilm sind keine weiteren Details bekannt geworden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Anfang 2022 erklärte der Sprecher gegenüber „TMZ“, dass Cosbys ehemalige Insassen ihn immer noch etwa dreimal pro Woche um Rat fragen würden. Laut der Website wollen sie, dass er als Motivationsredner ins Gefängnis zurückkehrt.

Camille Cosby verteidigt ihren Mann

Camille Cosby steht ihrem Mann seit Beginn der Vorwürfe zur Seite und verteidigt ihn. Im Jahr 2014 veröffentlichte sie eine Erklärung, in der sie sagte, ihr Mann sei Opfer ungeprüfter Anschuldigungen geworden: „Der Mann, den ich getroffen und in den ich mich verliebt habe und den ich weiterhin liebe, ist der Mann, den Sie alle durch seine Arbeit kannten. Er ist ein freundlicher Mann und ein wunderbarer Ehemann, Vater und Freund.“

Immer an seiner Seite: Bill Cosbys Ehefrau Camille Cosby und sein Sprecher Andrew Wyatt.

Immer an seiner Seite: Bill Cosbys Ehefrau Camille Cosby und sein Sprecher Andrew Wyatt.

Nach der Verurteilung ihres Mannes im Jahr 2018 veröffentlichte Camille Cosby eine dreiseitige Erklärung zur Verteidigung ihres Mannes. Die heute 78-jährige Fernsehproduzentin und Philanthropin ist seit 1964 mit Bill Cosby verheiratet. Öffentliche Äußerungen gibt sie nur selten ab. Direkt nach der Freilassung ging Cosby zurück in den Familienwohnsitz in Elkins Park im Bundesstaat Pennsylvania. Ob er sich heute noch dauerhaft dort aufhält, ist unklar.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Auch Cosbys Töchter halten zu ihrem Vater

Bill und Camille Cosby haben fünf gemeinsame Kinder (vier Töchter und einen Sohn), von denen zwei bereits nicht mehr am Leben sind. Ennis Cosby wurde am 16. Januar 1997 im Alter von 27 Jahren bei einem Raubüberfall erschossen, als er bei Dunkelheit auf einem Highway bei Los Angeles an seinem Auto ein Rad wechseln wollte. Der Täter wurde im August 1998 zu lebenslanger Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit auf Bewährung verurteilt. Ensa Cosby starb am 23. Februar 2018 im Alter von 44 Jahren an einer Nierenerkrankung, während sie auf eine Nierentransplantation wartete.

Die verbleibenden Cosby-Töchter arbeiten alle als Künstlerinnen. Erika Cosby (57) ist Malerin und war vor einigen Jahren Kunstprofessorin an der New York University. Erinn Cosby (55) arbeitet als Fotografin und hat an der New York University studiert. Evin Cosby (45) betreibt eine Modeboutique für Mütter und Babys.

Sie alle haben ihren Vater bis hin zu seiner Verurteilung unterstützt. Evin Cosby verfasste 2017 einen offenen Brief zur Verteidigung ihres Vaters, der in der „Black Press USA“ veröffentlicht wurde. In dem Brief beteuert sie seine Unschuld: „Er ist nicht missbräuchlich, gewalttätig oder ein Vergewaltiger.“ In mehreren Absätzen weist sie die Vorwürfe verschiedener Frauen zurück.

Auch Ensa Cosby verteidigte vor ihrem Tod im Jahr 2018 den Ruf ihres Vaters. Wie ihre Mutter Camille Cosby glaubte auch Ensa, dass Rassismus und rassistische Machtdynamiken eine große Rolle bei Cosbys Anschuldigungen und Verurteilungen spielten. In einer Erklärung, die vor dem Prozess ihres Vaters aufgezeichnet wurde, hieß es: „Wie mein Vater von einer Gesellschaft bestraft wird, die immer noch glaubt, dass schwarze Männer weiße Frauen vergewaltigen, aber ‚Jungs werden Jungs sein‘ ausgibt, wenn weiße Männer beschuldigt werden.“ Ihr Vater sei von der Presse „öffentlich gelyncht“ worden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Erster verurteilter Promi in Zeiten der #MeToo-Bewegung

Bill Cosby galt einst als Superstar und durch seine „Bill Cosby Show“ Amerikas Vorzeigevater. Für Millionen gehörten seine Gags gepaart mit herzerwärmenden Geschichten des Alltags und einer sanften Moral abends zum Pflichtprogramm.

Viele Auszeichnungen und Anerkennungen seiner langen Karriere sind inzwischen jedoch passé. Das Kennedy Center in Washington widerrief Auszeichnungen an ihn, die Oscarakademie schloss ihn aus. Der Schuldspruch 2018 machte Cosby zum ersten verurteilten Prominenten in Zeiten der #MeToo-Bewegung, noch bevor bei Produzent Harvey Weinstein die Handschellen klickten.

RND/nis mit dpa

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Mehr aus Promis

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.