Gerichtsverfahren als Live-Show

Experte erklärt Faszination des Depp-Heard-Prozesses: „Perfekter Stoff für ein Social-Media-Drama“

Der Prozess von Amber Heard und Johnny Depp wird von Kameras aus dem Gerichtssaal begleitet.

Schon vor dem eigentlichen Prozessbeginn ist die mediale Aufmerksamkeit um den Fall Johnny Depp gegen Amber Heard enorm. Mit dem öffentlichen Gerichtsauftakt am 12. April starteten schließlich auch weltweite Livestreams bei Youtube, die den Fall Wort für Wort begleiten. Laut Social-Media-Experte Felix Beilharz lässt sich das hohe mediale Interesse leicht erklären: „Der Fall hat alles, was einen guten Skandal ausmacht“, sagt er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Vor allem, da es sich um prominente Beteiligte handelt: „Wir haben Stars, vor allem Johnny Depp, der extrem bekannt ist. Zu ihm hat jeder irgendwie eine Meinung, ob man ihn nun mag oder nicht, aber man kennt ihn.“ Außerdem gibt der Fall Einblicke in das Privatleben zweier Promis: „Es gibt ein Ehedrama, es geht um Sex und zudem um kuriose Sachen.“ Depp behauptete im Prozess etwa, Heard habe menschliche Fäkalien im gemeinsamen Ehebett hinterlassen. Die Schauspielerin erwiderte, es handele sich um Hinterlassenschaften des kleinen Yorkshire-Terriers des Paares. Auch soll sie im Streit eine Whiskyflasche nach ihm geworfen und dadurch eine Fingerkuppe des Schauspielers abgetrennt haben, so der Vorwurf von Depp. „Das ist der perfekte Stoff für ein Social-Media-Drama“, so Beilharz.

Starke Täter- und Opferzuschreibung im Internet

Bei dieser Art „Kameraprozess“ bleibe der Öffentlichkeit zudem kein Detail des Falls verborgen: „Dass wir einen Prozess so öffentlich einsehen können, ist selten der Fall. Man kann quasi live daran teilhaben, wenn intimste Sachen breitgetreten werden“, erklärt der Medienexperte dem RND. „Das hat auch einen voyeuristischen Charakter, der eine Neugier befriedigt, die wir alle haben.“

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In den sozialen Medien werden von Nutzerinnen und Nutzern derweil eindeutige Positionen bezogen – unter dem Hashtag #justiceforjohnnydepp bekunden Fans etwa auf Twitter und Instagram tausendfach ihre Unterstützung für den Schauspieler. Dass im Netz eine starke Täter- und Opferzuschreibung stattfindet, in der Amber Heard häufig in ein negatives Licht gerückt wird, führt Felix Beilharz auf Sexismus zurück. „Johnny Depp ist durch seine Filmrollen bei sehr vielen Menschen sehr beliebt. Dadurch ist er ein Schauspieler, den man ungern als Täter sehen will“, erklärt der Experte. „Noch dazu bringt er sehr überzeugende Argumente vor, die Amber Heard in einem sehr kuriosen Licht dastehen lassen. All das macht es für sie schwer, gut wegzukommen.“

Außerdem spiele die berufliche Tätigkeit der beiden im Prozess eine sehr wichtige Rolle. „Man darf natürlich nicht vergessen, dass Johnny Depp ein sehr guter Schauspieler ist, das heißt, unabhängig davon, ob er Recht oder Unrecht hat, er kann sich vor der Kamera extrem gut verkaufen“, betont Beilharz. „Er kann jede Wirkung, die er will, auch erzeugen – das ist schließlich sein Job. Für ihn ist es daher einfacher, sich als ‚good guy‘ darzustellen, als für Amber Heard.“

Die hohe mediale Aufmerksamkeit, die dem Prozess zuteilwird, sieht der Medienexperte auch mit einem kritischen Auge. „Ich gehe stark davon aus, dass sich diese enorme Teilhabe der Öffentlichkeit auch auf den Prozess auswirkt. Es wird alle Beteiligten unter Druck setzen – ich glaube nicht, dass ein Richter oder ein Anwalt sich völlig von der öffentlichen Meinung freimachen kann, die sehr einseitig stattfindet. Das ist menschlich schwierig“, so der Experte. „Da ist klar, dass so eine stark einseitige und extreme mediale Präsenz den Prozess unbewusst färbt.“ Für die Medien sei der Prozess ebenfalls ideal, um gute Einschaltquoten und damit Werbeeinnahmen zu generieren.

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