Zurzeit sechs Stunden Wartezeit

Anstehen für die Queen: „Die Mutter aller Schlangen“

Menschen stehen Schlange, um der verstorbenen Königin Elizabeth II. die letzte Ehre zu erweisen.

Menschen stehen Schlange, um der verstorbenen Königin Elizabeth II. die letzte Ehre zu erweisen.

London. Königin Elizabeth II. hat im Laufe ihres Lebens viele Rekorde aufgestellt, nun kommt nach ihrem Ableben womöglich ein weiterer hinzu. Bislang galten die Schlangen, die sich jedes Jahr anlässlich des Wimbledon-Turniers bilden, als die berühmtesten, als „The Queue“. Das könnte sich jetzt ändern. Denn die Menschenreihe, die sich aktuell durch das Zentrum Londons erstreckt, ist mehrere Kilometer lang. Menschen, die sich in Westminster Hall von der Queen verabschieden wollen, könnten bis zu 30 Stunden warten, hieß es. Und das, anders als in Wimbledon, ohne Zelt. Auf Twitter wurde das Phänomen am Donnerstag deshalb als „Triumph der Britishness“ gefeiert und als die „Mutter aller Schlangen“.

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+++ Alle Entwicklungen nach dem Tod der Queen im Liveblog +++

Nachdem der Sarg der Queen am Mittwoch von Buckingham-Palast in die Westminster Hall, dem ältesten Teil des britischen Parlamentsgebäudes, gebracht wurde, wird er dort noch bis Montag früh aufgebahrt. So lange ist er fast rund um die Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Es wird erwartet, dass rund zwei Millionen Menschen kommen werden, um der Monarchin den letzten Respekt zu erweisen. Hierzu muss man sich allerdings in die gigantische Warteschlange einreihen.

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Am Donnerstagabend führte sie von der Tower Bridge am Südufer der Themse flussaufwärts bis nach Lambeth und über die gleichnamige Brücke bis ins Parlament – das sind etwa 4,9 Meilen, umgerechnet 7,9 Kilometer. Dabei betrug die Wartezeit etwa achteinhalb Stunden - immer noch deutlich kürzer als ursprünglich befürchtet.

„Hier läuft alles reibungslos“

Dass es gut vorangeht, bestätigten am Nachmittag auch Britinnen und Briten in der Schlange nahe der London Bridge. „Hier läuft alles reibungslos“, sagte die 50‑jährige Katie, die gemeinsam mit Freunden aus der Nähe von Cambridge in die Hauptstadt gekommen ist. Ihre Essens­vorräte hatten sie jeweils in Stofftaschen über die Schulter gehängt dabei. „Ich schätze, dass wir ungefähr eine Meile pro Stunde zurücklegen.“ Sie hätten genug Proviant und überdies ihre Handys geladen, so wie es empfohlen wurde.

„Wir haben auch ein paar Marmeladen­brote mitgebracht“, scherzte die 57‑jährige Charol, die aus Derby in den Midlands nach London gereist war. Dabei nahm sie auf ein Video Bezug, das im Rahmen des 70. Thronjubiläums der Queen entstand und um die ganze Welt ging. Es zeigte Paddington den Bären und die Monarchin, beide ausgestattet mit einem Not­fall­sandwich. Charol wartete ebenfalls mit Freundinnen in der Schlange. „Für uns war schnell klar, dass wir kommen werden.“ Als Briten fühlten sie sich gut auf das gemeinsame Warten vorbereitet. „Schließlich kennen wir die Regeln.“

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Tatsächlich gibt es in Großbritannien im Zusammenhang mit Schlangen viele ungeschriebene Gesetze. Dazu gehört zum Beispiel, dass man den richtigen Abstand hält. Ist man zu nahe dran, stört man den Vordermann, ist man zu weit weg oder versucht gar, sich vorzudrängeln, wird man typisch britisch äußerst freundlich, aber mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass man sich einzureihen hat. Und so ließ sich am Donnerstag das eine oder andere Mitglied des Sicher­heits­personals mit der Frage vernehmen: „Are you in the queue?“ („Stehen Sie an?“)

Menschen stehen stundenlang Schlange für den Abschied von der Queen

Seit Mittwochnachmittag können die Menschen in Großbritannien Abschied von der gestorbenen Queen Elizabeth II. nehmen.

Fürs Schlangestehen gibt es einige Regeln

Wer sich entschied, sich einzureihen, musste außerdem weitere eigens für diese Schlange eingeführte Regeln einhalten. So war es nur erlaubt, eine kleine Tasche mitzunehmen, Zelte waren verboten. Der Palast rief die Menschen zudem dazu auf, sich angemessen zu kleiden. Wer randaliert oder sich betrinkt, wird aus der Warte­schlange entfernt, hieß es. Wer zur Toilette muss, bekommt ein Armbändchen und darf damit die Schlange kurz verlassen. Überdies sollten die Menschen warme und wetterfeste Kleidung und überdies ausreichend Getränke und Essen mitnehmen, das sprichwörtliche Sandwich für den Notfall eben.

Auskunft über die aktuelle Länge der Schlange in London bietet ein eigens dafür eingerichteter Youtube-Kanal. Ein roter Punkt mit dem Hinweis „Live“ macht klar, dass die Angaben ununterbrochen aktualisiert werden. Hier werden seit Mittwoch­nachmittag unter anderem der Verlauf auf einer Karte angegeben und die Kilometerzahl.

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Am Donnerstagvormittag schien der Kanal dann jedoch plötzlich für kurze Zeit offline, was angesichts der nun auch online entstandenen Wartezeit zu ironischen Kommentaren führte: „Wir stehen in der Schlange, um die Angaben über die Schlange zu erhalten.“

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