CO₂-reduziert reisen

Können auch Billigflüge umweltfreundlich sein? Webseite vergleicht Flugemissionen

Das Start-up Grüner-Fliegen.de aus Berlin hilft bei der Suche nach umweltfreundlicheren Flügen.

Das Start-up Grüner-Fliegen.de aus Berlin hilft bei der Suche nach umweltfreundlicheren Flügen.

Wer mit dem Flugzeug verreist, schadet der Umwelt. Denn der Flugverkehr ist für rund 2 Prozent der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich, davon stammen 81 Prozent aus dem Passagierverkehr, berichtete das Umweltbundesamt 2019. Allerdings lässt sich der persönliche Anteil am CO₂-Ausstoß beeinflussen. Das Start-up Gruener-Fliegen.de aus Berlin hilft bei der Suche nach grünen Flügen.

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Auf der Website können Reisende bei der Flugauswahl nicht nur den Preis und die Flugzeit vergleichen, sondern auch den Umwelteinfluss jedes einzelnen Fluges sehen. Dafür wird berechnet, wie viel CO₂ die Flugreise insgesamt verursacht. Bei einem durchschnittlichen Flug von Berlin nach New York zum Beispiel werden 2822 Kilogramm CO₂ ausgestoßen. Durch Flüge mit einer hohen Passagierauslastung und modernen Flotten wird CO₂ eingespart – wie viel genau, zeigt Grüner Fliegen bei den angebotenen Flügen in Prozent.

Auf der Webseite Grüner Fliegen werden umweltfreundlichere und weniger umweltfreundlichere Flüge im Vergleich angezeigt.

Auf der Webseite Grüner Fliegen werden umweltfreundlichere und weniger umweltfreundlichere Flüge im Vergleich angezeigt.

Das RedaktionsNetzwerk Deutschland hat mit dem Geschäftsführer Philipp Gablenz darüber gesprochen, welche Flüge am umweltfreundlichsten sind, wie die Webseite diese ermittelt und welche Flüge man vermeiden sollte. Besonders spannend: Günstige Flüge bei Billigfluggesellschaften sind nicht automatisch schlechter für die Umwelt.

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Urlaubsflieger gibt es viele. Welche Airlines werden denn bei Grüner Fliegen verglichen?

Philipp Gablenz: In Summe können die Nutzer Flüge von über 750 Airlines bei Grüner Fliegen suchen und vergleichen. Bei uns angebunden sind die Lufthansa, die Swiss und die Austrian-Airlines, sodass es auch möglich ist, über Grüner Fliegen direkt bei diesen Airlines zu buchen. Die anderen Flüge werden über sogenannte Online Travel Agencies wie Fluege.de und MyTrip.com angeboten, die weltweit Flugreisen verkaufen und an uns angebunden sind. Auf diese Weise können wir von jeder Airline, die fliegt, einen Flug bei uns buchbar machen.

Philipp Gablenz ist Geschäftsführer des Start-Up Grüner Fliegen.

Philipp Gablenz ist Geschäftsführer des Start-Up Grüner Fliegen.

Müssen die Airlines Kriterien erfüllen, um angezeigt zu werden?

Philipp Gablenz: Die Airlines müssen keine Kriterien erfüllen. Vielmehr ist es so, dass jeder einzelne Flug Kriterien erfüllen muss, dass er überdurchschnittlich umweltfreundlich ist. Ist er das nicht, dann wird er bei uns auf der Webseite mit einem Stoppschild versehen und ist gar nicht buchbar. Gleichzeitig wird bei den umweltfreundlicheren Flüge angezeigt, wie viel CO₂ bei der Buchung gespart wird und wie viel teurer so ein Flug wirklich ist. So bekommt der Nutzer im direkten Vergleich ein Gefühl dafür, was eine nachhaltigere Reise kosten würde. Für die Buchung wird der Nutzer dann weitergeleitet, weil wir nur eine Flugsuche und kein Onlinereisebüro sind.

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Es werden also alle Flüge angezeigt, die überdurchschnittlich umweltfreundlich sind – auch Billigflieger, obwohl diese oft als Umweltsünder gelten?

Philipp Gablenz: Es gibt auch günstige Flüge, die gleichzeitig umweltfreundlicher sind. Es sind in Summe über 28 Kriterien, die in die Berechnung einfließen. Neben technischen Daten zu den Triebwerken zählt auch die Frachtbeladung, die Sitzplatzbestuhlung und das Alter der Flugzeugflotten mit hinein. Die Geschäftsmodelle mehrerer Low-Cost-Carrier bedienen durch eine moderne Flotte und eine hohe Auslastung viele dieser Punkte, wodurch sie oft im vorderen Bereich liegen. Da wir aber jeden einzelnen Flug betrachten, kann sich unabhängig davon jeder Nutzer sicher sein, dass er für seine spezielle Reise den umweltfreundlichsten Flug auch finden kann.

Woher stammen die Daten für umweltfreundlichere Flüge?

Die Daten dafür beziehen wir von der Organisation Atmosfair aus Berlin, die mehrfach durch Stiftung Warentest ausgezeichnet wurde und aus unserer Sicht weltweit die besten Daten liefert. Atmosfair bietet zudem die zertifizierte Kompensationsmöglichkeiten im deutschsprachigen Raum an, die auch wir auf unserer Seite anzeigen. Per Knopfdruck werden Interessierte dann von Grüner Fliegen auf die entsprechende Seite der Organisation weitergeleitet. Der zusätzliche CO₂-Ausgleich ist aber jedem selbst überlassen – wir profitieren davon nicht, sondern weisen nur auf die Möglichkeit hin.

Die Webseite Gruener-Fliegen.de vergleicht Flüge auf ihre CO₂-Emissionen und zeigt, wie viel CO₂ Reisende durch die Wahl des umweltfreundlichsten Fluges einsparen können. Wem das nicht reicht, der kann seinen Flug zusätzlich bei Atmosfair kompensieren.

Die Webseite Gruener-Fliegen.de vergleicht Flüge auf ihre CO₂-Emissionen und zeigt, wie viel CO₂ Reisende durch die Wahl des umweltfreundlichsten Fluges einsparen können. Wem das nicht reicht, der kann seinen Flug zusätzlich bei Atmosfair kompensieren.

Das heißt, Reisende können neben dem umweltfreundlicheren Flug zusätzlich in Projekte investieren, um die CO₂-Emissionen des Flugs auszugleichen. Was sind das für Kompensationsprojekte?

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Philipp Gablenz: Reisende haben bei Atmosfair die Wahlmöglichkeit zwischen vier verschiedenen Projekten, in die sie investieren können. Beispielsweise hat die Organisation ein Projekt in Nepal, das nachhaltigen Tourismus fördert oder in Indien, durch das der CO₂-Ausstoß nachweislich und zertifiziert vermeiden wird. In Indien werden genauer gesagt Lehmöfen, die mit Holz oder Kohle befeuert werden, durch solarbetriebene Öfen ersetzt. So wird vor Ort weniger CO₂ ausgestoßen und dieses vermiedene CO₂ dient dann zur Kompensation der Flüge.

Als Experte für umweltfreundliches Fliegen können Sie uns über einige Faustregeln aufklären. Was ist zum Beispiel besser: Nonstopflüge oder mit Zwischenlandung?

Philipp Gablenz: Bei jedem Flug ist entscheidend, dass man gute Daten hat und jede einzelne Flugverbindung genau analysiert. Die grobe Faustregel ist, dass ein Direktflug umweltfreundlicher ist. Das ist aber nicht immer der Fall. Denn es kann sein, dass ein Flug mit Zwischenlandung eine hohe Auslastung und Bestuhlung hat oder mit einem besonders effizienten Flugzeug geflogen werden. Dann kann dieser umweltfreundlicher sein als ein Direktflug.

Und wie ist es bei diesen Gegensätzen: Ist Langstrecke vielleicht ökologischer als Kurzstrecke?

Philipp Gablenz: Grundsätzlich ist die Langstrecke meist alternativlos zum Fliegen. Kurzstreckenflüge können natürlich immer vermieden werden, indem man mit der Bahn oder dem Bus fährt. Auch das Auto ist meist umweltfreundlicher als ein Flug, wenn man mit mehreren Menschen gemeinsam reist. Grundsätzlich ist es aber so, dass Fliegen in Höhen von 9000 Metern besonders umweltschädlich ist und damit auch die Flüge, die lange auf dieser Höhe unterwegs sind. Jeder Flug belastet die Umwelt – auch die Flüge, die wir vergleichen. Bei uns geht es darum, den umweltfreundlicheren Flug zu finden. So wollen wir einen Beitrag leisten, den Schadstoffausstoß zu reduzieren, solange noch keine emissionsfreien Flüge möglich sind. Wir hoffen aber, dass eines Tages emissionsfreie Flüge möglich sind, dann spielt die Suche nach dem umweltfreundlichsten Flug keine Rolle mehr.

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Warum werden auf der Webseite nicht auch Züge angezeigt, wenn es sich als Strecke lohnt?

Philipp Gablenz: Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass jemand, der unsere Webseite besucht, auch die Absicht hat, einen Flug zu buchen. Auf unserer Webseite zeigen wir dennoch das Angebot der Deutschen Bahn in einem Pop-up an, in dem ganz klar drüber steht: Mit der Bahn ist Reisen umweltfreundlicher als Fliegen. Wer darauf klickt, wird zur Bahn weitergeleitet. Als nächsten Schritt wollen wir zusätzlich Hotels, Mietwagen und generell nachhaltige Reisen anbieten. Grüner Fliegen ist für uns eigentlich nur der Anfang, um eine Veränderung im Reiseverhalten und in der Reiseindustrie herbeizuführen.

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