Nach Mord an einem Deutschen

Wie sicher ist Urlaub in Südafrika?

Eine Frau beobachtet im Kruger-Nationalpark Giraffen.

Eine Frau beobachtet im Kruger-Nationalpark Giraffen (Archivfoto).

Südafrika steuert auf den ersten Sommer ohne Corona-Einschränkungen zu. Bars und Nachtclubs haben wieder geöffnet, die Maskenpflicht ist Geschichte. Und ausgerechnet jetzt gilt es, einen ramponierten Ruf zu retten. Anfang Oktober war ein deutscher Urlauber bei einem Überfall im Kruger-Nationalpark erschossen worden.

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„Statistisch gesehen bleibt Südafrika eines der sichersten Länder für einen Besuch. Solche Zwischenfälle passieren überall auf der Welt“, ist Linda Grimbeek, Chefin der örtlichen Wirtschafts- und Tourismusvereinigung, überzeugt. Das Kruger Lowveld Chamber of Business and Tourism (KLCBT) hatte ein Kopfgeld auf den Mörder ausgesetzt. So konnte einer der Verdächtigen innerhalb von Tagen gefasst werden. „Es ist wichtig, zu sehen, dass solche Aktionen künftig jeden potenziellen Täter davon abschrecken, zu schießen.“

Gemeinsam mit seiner Ehefrau und einem befreundeten Paar hatte sich der 66-Jährige aus Fulda in einer Lodge im Kruger-Nationalpark einquartiert. Unterwegs zu ihrer Unterkunft wurde die Gruppe angehalten, der Fuldaer als Fahrer erschossen. Einer der Verdächtigen erschien wegen Mordes, versuchten Mordes und Raub vor Gericht. Letzte Woche verweigerte ihm der Richter eine Kaution; die nächste Anhörung ist für den 24. Januar geplant.

Das Auto des erschossenen deutschen Touristen hat im Kruger-Nationalpark eine Mauer durchbrochen.

Das Auto des erschossenen deutschen Touristen hat im Kruger-Nationalpark eine Mauer durchbrochen.

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In Südafrika ist man an Schlagzeilen gewöhnt, die Mord, Vergewaltigung und Raubdelikte verkünden. Dennoch sorgte der Tod des Deutschen landesweit für Entsetzen. „Angriffe auf Touristen sind nicht alltäglich in unserem Land und Südafrika bleibt eine sichere Destination“, versicherte die für Tourismus zuständige Ministerin, Lindiwe Sisulu. Überhaupt sei der Deutsche erst der dritte internationale Besucher seit dem Ende der Apartheid 1994 gewesen, der in Südafrika getötet wurde.

Einige Beobachtende am Kap sind jedoch skeptisch. Sie sehen in Sisulus Pressekonferenz mit dem deutschen Botschafter vor Ort und dem Treffen mit der Witwe am Flughafen einen Beschwichtigungsversuch. Für die Tageszeitung „The Citizen“ steht jedenfalls fest: „Seit Jahren plädieren die Bewohner hier für vermehrte Sicherheit.“ Entführungen, Überfälle, Diebstahl und Einbrüche in Safarilodges seien rund um Südafrikas größtes Naturschutzgebiet „zur Regel“ geworden. Die Interventionen der Regierung seien „nicht genug“. Erst im März sollen zwei Deutsche in der Nähe des späteren Mord-Tatorts ausgeraubt worden sein.

Expertin: Am gefährlichsten ist der Weg zum Touristenhotspot

In der Hauptstadt Pretoria rät Lizette Lancaster aber zu einer differenzierten Sicht: „Südafrikas Touristenhotspots sind im Allgemeinen sehr sicher und verfügen über gute Sicherheitsvorkehrungen“, so die Expertin am Institut für Sicherheitsstudien (ISS). Am gefährlichsten bleibe für Besuchende jedoch der Weg dorthin. Wer etwa am Kapstädter Flughafen landet, muss erst die Autobahn vorbei an Townships nehmen, um in die Touristenmetropole zu gelangen. „Die Regierung könnte mehr Aufklärung leisten, was es heißt, durch ein Gebiet mit hoher Kriminalität zu reisen, und vermehrt Polizei entlang der Strecken stationieren.“

Südafrika-Besuchenden rät die Expertin: Nicht bei Dunkelheit reisen, unnötige Stopps vermeiden und nur an gut beleuchteten Tankstellen halten. Auch Touristenführer Mike Gable weiß: „Es gibt gewisse Gegenden, die man meiden sollte.“ Er rät deshalb, sich bei der Südafrika-Reise einem lokalen Anbieter anzuvertrauen. „Wir wissen über das Land Bescheid und kennen die Gebiete, die man besser umfahren sollte.“ Mit jährlich etwa zwei Millionen Touristinnen und Touristen aus Übersee trägt der Sektor mehr als drei Prozent zu Südafrikas Bruttoinlandsprodukt bei. Gable ist nach seiner jüngsten Rückkehr mit einer Reisegruppe aus dem Kruger-Nationalpark zuversichtlich: Dies wird trotz Negativ-Schlagzeilen so bleiben.

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Straße zum Kruger-Park erhält Videoüberwachung

Insider der Reisebranche sehen den Mord an dem 66-Jährigen aus Fulda als tragischen Einzelfall. „Auch in Deutschland kommt es zu Überfällen, und wer viel reist, weiß das“, so Wirtschaftsvertreterin Grimbeek in der Provinzhauptstadt Mbombela. Nichtsdestotrotz wolle man die berüchtigte Strecke zum Kruger-Park aufrüsten – mit 24-stündiger Videoüberwachung und Einsatzteams. „Manchen Touristen mag der Anblick von bewaffnetem Sicherheitspersonal fremd sein, doch sie werden für eure Sicherheit sorgen“, versichert Grimbeek künftigen Besucherinnen und Besuchern.

Unterstützt wird die Initiative vom Rat der Südafrikanischen Tourismusbranche (TBCSA). Deren Vorsitzender, Tshifhiwa Tshivhengwa, begrüßt die vermehrte Polizeiaktivität, die seit dem tragischen Zwischenfall rund um den Kruger-Park herrsche: „Wir sehen eine deutliche Besserung.“

Südafrikas großes Problem sei jedoch nicht das Symptom Kriminalität, sondern die Ursache: Armut. Etwa die Hälfte der 60 Millionen Südafrikanerinnen und Südafrikaner überlebt von weniger als 75 Euro im Monat. In der Provinz Mpumalanga, wo sich der Mord zutrug, ist jeder zweite Jugendliche ohne Job. Deshalb sei es entscheidend, dass sich die Tourismuszahlen in nachhaltiger Entwicklung niederschlagen, meint Tshivhengwa: „Wenn wir die Sicherheit der Bewohner gewährleisten, folgt die Sicherheit für Touristen ganz automatisch. Daran arbeiten wir.“

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