SC DHfK

Leipziger Handballer Krzikalla outet sich: „Einer der wichtigsten Schritte in meinem Leben“

Lucas Krzikalla ist Rechtsaußen beim SC DHfK Leipzig.

Lucas Krzikalla ist Rechtsaußen beim SC DHfK Leipzig.

Leipzig. Der schwule Handball-Profi Lucas Krzikalla will mit seinem Coming-out anderen Athleten Mut machen und Veränderungen in der Sport-Welt vorantreiben. Als einer der ersten aktiven Profi-Mannschaftssportler in Deutschland hat der 28-Jährige von Handball-Bundesligist SC DHfK am Samstag in mehreren Interviews seine Homosexualität öffentlich gemacht. "Die Sexualität, wer wie leben will, muss einfach egal sein – in jedem Beruf. Und damit sich endlich etwas ändert, müssen wir Profisportler jetzt auch selbst etwas unternehmen. Die Veränderung muss auch von innen kommen, aus dem Sport selbst", sagte Krzikalla in einem Interview der "Welt am Sonntag". "Nach Jahren der Diskriminierung haben wir, wenn wir alle den Mut haben, jetzt die Chance, tatsächlich ein für alle Mal etwas zu ändern. Jedes Coming-out ist eine große Befreiung." Das Interview sei sein Beitrag dazu, sagte Krzikalla.

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Viel Zuspruch aus der Handball-Bundesliga

„Heute kann ich es hier ganz klar sagen: Ich bin schwul, ich habe einen Freund, den ich liebe, und ich bin sehr glücklich darüber“, sagte der Handballer. Dies nun öffentlich zu machen, sei „einer der wichtigsten Schritte in meinem Leben“. Für den Schritt bekam der Rechtsaußen viel Lob und Zuspruch. Parallel zur Veröffentlichung des Interviews postete Krzikalla am Samstag ein Foto von sich und seinem Partner Christian Groß (36) auf Instagram, das binnen kürzester Zeit mehrere tausend Likes erhielt. Zahlreiche aktuelle und ehemalige Teamkollegen, Spieler verschiedener Liga-Konkurrenten sowie der offizielle Instagram-Kanal der Handball-Bundesliga kommentierten das Posting. Nationalspieler Philipp Weber schickte ein Herz, Hans Lindberg von den Füchsen Berlin schrieb neben einer Regenbogenfahne „Respekt“.

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Krzikallas Verein lobte den Handballer für seine Entscheidung. „Eigentlich sollte dieses Thema gar kein Thema sein“, sagte DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther auf LVZ-Nachfrage. „Vielleicht kann Lucas’ Schritt dazu beitragen, dass es künftig tatsächlich auch kein Thema mehr ist.“ Er selbst, Mannschaft und Trainer waren schon lange informiert. Günther war zunächst initiativ auf Krzikalla zugegangen. „Ich habe da ganz lange überlegt, ob ich ihn überhaupt deswegen anspreche. Das mache ich mit anderen ja auch nicht und sage: Mensch, schön, dass du eine Freundin hast.“ Inzwischen ist Krzikallas Partner ganz selbstverständlich Teil des Teams rund ums Team, so wie jede Spielerfrau oder -freundin auch. Befürchtungen, dass bei Auswärtsauftritten des Teams nun unschöne Reaktionen auf seinen Spieler zukommen, hat Günther übrigens nicht. „Da habe ich null Angst.“

Der Club gestaltete prompt die Autogrammkarte des Rechtsaußen um. Dessen Name sowie seine Rückennummer sind dort nun in Regenbogenfarben gedruckt. Krzikalla ist eine der Identifikationsfiguren des SC DHfK, ausgebildet in der eigenen Handballakademie. Seit 2011 gehört er zum Verein. Siebenmeter und schnelle Tempogegenstöße gehören zu seinen Spezialitäten auf dem Parkett.

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Vorbehalte inzwischen egal

Für Krzikalla selbst war der Schritt an die Öffentlichkeit kein leichter. Er habe sich jahrelang selbst schwergetan im Umgang mit seiner Homosexualität in der Öffentlichkeit, berichtete er im Interview. „Es ist vieles ... du willst dein Team nicht in Schwierigkeiten bringen. Wir repräsentieren ja auch Verein oder Verband. Da kann man nicht einfach für sich allein entscheiden“, sagte er. „Es sind die Vorurteile: Ein Mann darf alles, er darf sich bloß nicht schwach einem anderen Mann gegenüber zeigen – vor allem nicht im Sport.“ Es gebe sehr viele Vorbehalte, mittlerweile seien ihm diese aber egal. „Idioten, die dumme Sprüche machen, wird es immer geben. Ich will für das stehen, was ich mache, und nicht über meine Sexualität definiert werden.“

Krzikalla hofft, mit seinem Coming-out Veränderungen im Sport und in der Gesellschaft voranzutreiben. „Ich will zu mir stehen und für uns eintreten, um anderen Mut zu machen. Ich weiß allein von fünf Handballspielern in der ersten und zweiten Liga, die es vielleicht innerhalb der Mannschaft erzählen, aber Angst haben, mit einem Coming-out ihrer Karriere zu schaden.“ Viele seiner Ängste und Befürchtungen hätten sich nicht bestätigt.

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Kritik an Philipp Lahm

Geholfen hätten ihm Vorbilder wie der Volleyballer Benjamin Patch oder der brasilianische Fußball-Schiedsrichter Igor Benevenuto mit ihren Coming-outs. Kritik äußerte Krzikalla an der Aussage des früheren Fußball-Nationalspielers Philipp Lahm, der schwulen Fußballern davon abgeraten hatte, sich zu outen. „Das finde ich total daneben. Wir Sportler sind Vorbilder für viele, wir sind es, die etwas bewegen können“, sagte er.

Von ahr / dpa

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