Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Rückblick mit Trainer

96-Pokalheld Lorkowski: „Im Finale wollte kaum einer schießen, außer Schjönberg“

96-Coach Michael Lorkowski präsentiert den Fans der Roten die begehrte Trophäe.

96-Coach Michael Lorkowski präsentiert den Fans der Roten die begehrte Trophäe.

Hannover. Herr Lorkowski, was verbindet Sie noch mit 96?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ich bin ja Ehrenmitglied in dem Fanklub Rote Teufel. Ganz viele erinnern sich noch an mich: Ich treffe Hannoveraner im Hauptbahnhof, die geben mir ein Bier aus. Bei Gosch gibt’s einen Verkäufer, der hat das Endspiel damals gesehen, da kriege ich ein Bier und ein Brötchen umsonst – das ist unglaublich.

Warum sind Sie im Oktober 1990 eigentlich bei 96 gelandet?

Ich hatte eigentlich keinen Bedarf, ich hatte in Norderstedt einen guten Job, wir waren Dritter in der 3. Liga. Und Hannover war schon damals sparsam, ich habe in Norderstedt mehr verdient als bei 96. Aber ich wollte in die 2. Liga zurück. Der damalige Manager Klaus-Dieter Schmidt hat mich dann vorgeschlagen beim Präsidium und gleichzeitig gesagt, dass er mit mir nicht klarkommt. Das war auch so. Damals waren Volker Finke, Willi Reimann und ich die Kandidaten. Mir hat mal ein schlauer Mensch gesagt, man soll bei Vorstellungsgesprächen möglichst als Letzter kommen. Und ich bin nach den beiden gekommen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wollitz und Heisig wollen kommen – kommen aber nicht

Sie sind 1992 Pokalsieger geworden, aber nicht aufgestiegen. Warum?

In der Winterpause 1991/92 habe ich gesagt, wenn ich noch einen Stürmer und einen Spielmacher bekomme, dann können wir aufsteigen. Da wurde mir gesagt: Nein, wir haben kein Geld. Wollitz und Heisig wollten kommen. Dann wären wir auch aufgestiegen.

Der Weg ins Pokalfinale führte über ein Elfmeterschießen gegen Bremen – Torwart Jörg Sievers wurde zum Helden. War das geplant?

Ich wusste ja nicht, dass ich noch einen nächsten Schützen brauche. Dann kam mir spontan die Idee: Wenn Sievers den jetzt reinschießt, dann hält er den nächsten. Weil er so motiviert ist, der Held zu werden. Dann bin ich zu ihm hingerannt und habe ihn gefragt. Er nickte nur, weil er so überrascht war. Hinterher hat er zu mir gesagt, er hätte gedacht, ich sei gekommen, um ihm zu sagen, dass er mal einen halten solle. (lacht) Eigentlich konnte Jörg keine Elfmeter schießen. Surmann sagte auch, ich sei bescheuert.

Mathias Kuhlmey soll, will aber nicht

Hätte Sievers im Finale auch wieder geschossen, wenn es nötig gewesen wäre?

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ich glaube nicht, das war eine einmalige Geschichte. Ich weiß nur, dass im Finale kaum einer schießen wollte, außer Schjönberg-Christensen. Ich hatte ja Mathias Kuhlmey noch zwei Minuten vor Schluss gebracht, damit er schießt. Dann sagt er, er schießt nicht. Ich sage: Du bist ein Idiot, ich habe dich doch deswegen eingewechselt.

Ihre Pokalsieger-Formel war: Die Mannschaft ist der Star.

Dieser Teamgeist war unsere Stärke. Heute fragen mich die Jugendlichen noch: Wer war denn dein bester Spieler? Ich sage dann immer: Die waren alle gleich, das war eine Mannschaft – so wie ihr das auch werden müsst. Euer Nebenmann ist wichtig, es gibt keine Stars.

Einen Star gab es doch: Milos Djelmas.

Der Mannschaftsrat kam vor einem Spiel gegen Meppen zu mir und sagte, sie möchten nicht mehr mit ihm zusammen trainieren. Die Mannschaft, in der Djelmas gespielt hat, die konnte nie gewinnen, weil er einfach nach hinten nichts gemacht hat. Er hatte keinen Bock. Training war für ihn völlig unwichtig, unter 7000 Zuschauern ist er gar nicht gelaufen, es war eine Katastrophe. Dann haben wir uns so geeinigt, dass er bis zum Pokalfinale nicht mehr spielt und trainiert – im Endspiel aber schon. Er ist dann zwei Wochen mit ­Eddy Kowalczuk um den Maschsee gelaufen – und hat im Endspiel aufgezogen wie Schmidts Katze.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Wege von 96 und Lorkowski trennen sich

Warum haben Sie 96 nach dem Pokalsieg verlassen und sind zurück zu St. Pauli?

96 wollte mit mir nicht verlängern, dann hätte ich auf der Straße gestanden.

Sie haben am Anfang Ihrer Trainerkarriere bei St. Pauli noch nebenbei als Surflehrer in Travemünde gearbeitet – und sind nach Ihrem Rauswurf 2000 in Osnabrück mit Ihrem Schiff „Blaubart“ abgehauen.

Heute würde man das als Burn-out bezeichnen. Ich war müde vom Fußball. Ich bin mit meinem Wohnmobil nach Gran Canaria, habe gesehen, dass man auch anders leben kann, bin zurück, habe meinen „Blaubart“ fertig gemacht und gedacht: Jetzt haust du erst mal zwei Jahre ab. Es ging über Travemünde, die Kanarischen Inseln und die Kapverden bis Barbados – dann bin ich auf Saint Lucia und Martinique geblieben. Ich bin für Hotels gefahren und habe Tagestörns gemacht. Ich habe gedacht, dass es einfacher werden wird, den Wiedereinstieg zu finden. Aber damals hat Horst Hrubesch schon im „Sportstudio“ gesagt: „Fahr nicht so lange weg, sonst kriegst du nie wieder ’nen Verein.“ Da hat er recht behalten.

Lesen Sie auch

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ihre letzten Trainerstationen waren Wolfenbüttel und Vorsfelde, Sie haben auch mal die C-Junioren des SV Eichede trainiert.

Die Eltern gingen mir auf den Keks, die waren überehrgeizig. Das war nicht meine Welt. Die Eltern rechnen immer die Spielzeiten aus. Da kam mal eine Mutter zu mir und hat mich gefragt, warum ich ihren Sohn ausgewechselt habe. Ich sagte: Weil der Präsident gesagt hat, ich soll jedes Spiel gewinnen – und mit ihrem Sohn geht das nicht. Meistens sind das ja die Mütter, die Väter haben teilweise sogar Ahnung vom Fußball, sie sehen, dass ihr Sohn das nicht schafft.

Mehr aus Sport regional

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.