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Interview mit Marco Dehne

Einer für zwei

Marco Dehne zeigt in seiner Soccerhalle in Braunschweig die Trikots, die er in seiner aktiven Zeit getragen hat.

Herr Dehne, was machen Sie am Freitag von 20.30 Uhr an?
Ich werde im Stadion sein und mir das Spiel anschauen. Wie wahrscheinlich für jeden in Niedersachsen ist das auch für mich ein komplett besonderes Spiel. 96 gegen Eintracht, das ist Emotion pur. Dass in der 96-Hymne auch die Braunschweiger besungen werden, das sagt ja einiges aus.

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Wissen Sie noch, wie viele Spiele Sie für 96 und Eintracht gemacht haben?
In einigen Nachschlagewerken stehen 39 Zweitligaspiele für 96, es waren aber 40. Und für Braunschweig waren es deutlich mehr Spiele (80, d. Red.).

Wie erklären Sie sich die Rivalität zwischen den beiden Klubs?
Gefühlt gibt es diese Rivalität seit Ewigkeiten, es gibt viele alte Geschichten. Da hat sich irgendwas eingebrannt. Eine gesunde Rivalität gefällt mir, da hat doch  jeder Spaß dran, aber sie sollte in allen Bereichen sportlich ausgetragen werden.

Wie hat man damals als Spieler die Rivalität wahrgenommen? In der Saison 1997/1998 haben Sie mit Braunschweig gegen 96 um den Aufstieg in die 2. Liga gekämpft ...
Jeder Spieler wusste damals, was eine solche Partie bedeutet: extreme Stimmung, extreme Spannung. Und es ging meist für beide Teams um extrem viel wie damals um den Aufstieg. Die Spieler unter sich hatten immer Respekt voreinander, es war sportlich fair, und die Spiele waren kein Geholze. Wir haben uns jetzt im Spielertunnel nicht in den Arm genommen, aber es war kein Hass da.

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Sie haben am 9. November 1997 im Niedersachsen-Stadion das 1:1 für Eintracht Braunschweig gegen Ihren ehemaligen Klub 96 geschossen ...
Ja, das legendäre 1:1 ... Das haben die Leute in Braunschweig nicht vergessen. Und ich auch nicht. Nach dem Tor in der 59. Minute bin ich jubelnd zur Eckfahne gelaufen, alle Mitspieler auf mich rauf, und ich habe gar nicht wahrgenommen, dass das vor der 96-Fankurve war. Danach haben mich die Eintracht-Fans gefeiert und die 96-Fans ausgepfiffen. Tage später haben ich einen Brief bekommen, in dem ich und meine Familie bedroht wurden. Das alles wegen eines Tores, das war eine extrem unangenehme Erfahrung.

1996 haben Sie etwas gemacht, was ungewöhnlich ist: Sie sind von Hannover nach Braunschweig gewechselt. Wie waren damals die Reaktionen der Fans?
Hakan Bicici, auch ein ehemaliger 96er, war ein paar Wochen vorher nach Braunschweig gewechselt. Da hatten sich die Eintracht-Fans dann schon ausgetobt ... Ansonsten glaube ich, dass die Fans gemerkt haben, dass ich versucht habe, ehrlichen Fußball abzuliefern, unabhängig von Vereinsfarben.

Für die Eintracht-Fans wurden Sie sogar ein Fußballgott.
Wenn die Fans das sangen, habe ich eine Gänsehaut bekommen. Mich hat erst vor Kurzem ein Kind angesprochen und gesagt: "Bist du nicht Marco Dehne Fußballgott?" Das ist schon eine besondere Auszeichnung. Aber als 1999 feststand, dass ich Braunschweig verlasse, da haben vier oder fünf Eintracht-Fans nach unserem Spiel in Norderstedt gesungen: "Marco Dehne – gar kein Gott."

Rolf Schafstall, Egon Coordes, Peter Neururer: Sie haben bei 96 illustre Trainer kennengelernt. Erzählen Sie doch mal!
96 war meine erste Erfahrung im Profibereich, und Schafstall hat mich spüren lassen, dass ich von den Amateuren gekommen bin. In Testspielen hat er in der 60. Minute acht Spieler eingewechselt – und mich in der 61. Minute. Irgendwann sind dann ein paar erfahrene Spieler zu ihm hingegangen und haben gesagt: "Trainer, merken Sie nicht, dass der wie ein Wahnsinniger trainiert." Danach habe ich dann gespielt. Coordes hat mir mal eine Geldstrafe von 1000 Mark aufgebrummt, weil ich nach einer Auswechselung mit dem Kopf geschüttelt habe. Das war viel Geld für mich, also bin ich zu ihm in die Kabine und habe ihm gesagt, dass ich nur auf mich sauer war. Da musste ich nichts zahlen. Und Neururer hat anfangs total auf mich gesetzt, aber irgendwann war ich bei ihm völlig durch und weiß bis heute nicht, warum.

In Braunschweig hießen die Trainer unter anderem Benno Möhlmann und Michael Lorkowski.
Unter Lorkowski waren wir mega-erfolgreich. Trotz 3. Liga war das eine tolle Zeit für die Eintracht. "Lorko" hat einmal vor einem Spiel gesagt: "Gleiche Aufstellung wie zuletzt, wir gehen vorne drauf." Das war alles, kein Wort mehr. Manchmal ist Fußball ganz einfach.

Ihr Tipp für Freitag?
Lieber nicht. Es wird eine unfassbare Atmosphäre und extrem laut mit vielen Emotionen. Und ich hoffe, dass es noch die nächsten zehn Jahre in der 1. Liga Derbys zwischen 96 und Eintracht gibt.

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Von Jörg Grußendorf und Heiko Rehberg

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