Nordderby

Fanfreundschaft zwischen Hannover und Hamburg

Hannover/Hamburg. Wie gut eine Freundschaft ist, merkt man oft erst, wenn es einem schlechtgeht. So ist es auch bei den 96-Anhängern und den Fans des Hamburger SV. Als es vor zweieinhalb Jahren den „Roten“, die tief im Abstiegskampf steckten, richtig schlechtging, bekamen sie außer der famosen Unterstützung aus den eigenen Reihen auch Zuspruch von den Fans des HSV. Im April 2010, beim 96-Gastspiel in der Hansestadt, entrollten die Hamburger ein riesiges Banner. Es reichte in der Nordkurve von einer Eckfahne bis zur anderen und zu lesen war darauf: „96, Du wirst niemals untergehn.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Christian Brehm erinnert sich an diesen Tag noch genau. „Ich konnte die Aufschrift gar nicht lesen, weil ich im HSV-Block stand“, sagt der Vorsitzende des hannoverschen Fan-Dachverbandes „Rote Kurve“. Nachdem er aber davon erfahren hatte, sei er überwältigt gewesen. „Das war grandios.“ Als sich 96 schließlich in Bochum den Klassenerhalt gesichert hatte, sangen HSV-Fans im Bremer Weserstadion: „Oh 96 olé, Du wirst niemals untergehn.“

Seit wann die Freundschaft zwischen den Fan-Gruppierungen beider Klubs existiert, vermag Brehm nicht zu sagen; er selbst hat schon in den frühen neunziger Jahren das gute Miteinander von Hamburgern und Hannoveranern erlebt. Sicher ist: Seit 96 wieder in der Bundesliga spielt, ist das Derby des einen HSV gegen den anderen für die Anhänger der beiden Vereine ein Saisonhöhepunkt. „Die Stimmung - ob nun in Hannover oder in Hamburg - ist immer phantastisch, egal, wie das Spiel ausgeht“, sagt Miloud Riege aus Laatzen. Der 14-jährige Dauerkartenbesitzer war schon mehrmals in Hamburg. Er freut sich auch deshalb auf das heutige Spiel, weil die Fans so gut miteinander auskommen. „Dass sie in Hamburg auch unsere Vereinshymne spielen, ist schon toll“, sagt der Schüler. Dafür singen er und viele andere 96-Fans auch gerne mit, wenn Lotto King Karl die HSV-Hymne „Hamburg, meine Perle“ anstimmt.

Auch aufseiten der Hamburger freut man sich immer über den Besuch aus Niedersachsen. „Wenn die Hannoveraner kommen, wissen wir schon vorher, dass das ein stressfreier Tag wird“, sagt der Fan-Beauftragte des HSV, Thorsten Eikmeier. Es sei schön zu beobachten, wie 96- und HSV-Fans schon vor dem Spiel am S-Bahnhof Stellingen oder am Fanhaus des HSV miteinander klönen oder sich fürs Spiel einsingen. Sein hannoverscher Kollege Johannes Seidel sieht das ähnlich: „Wir fühlen uns in Hamburg immer besonders willkommen.“ Dass so ein Spiel heutzutage völlig problemlos über die Bühne gehen kann, findet auch HSV-Anhänger Ulfert Kniffka gut. „Fanfreundschaften sind auf jeden Fall besser als Ärger“, meint der 41-Jährige.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Im Stadion sorgen die Fans beider Seiten bei jedem Derby für Stimmung. Wenn eine Seite anfängt „Wen lieben wir?“ zu rufen, kommt mit „Den HSV!“ prompt die Antwort. „Diese wechselseitigen HSV-Gesänge sind schon allein den Stadionbesuch wert“, sagt der Hannoveraner Brehm. Das funktioniere auch deshalb so gut, weil beide Klubs den Namen HSV tragen.

Mehr aus Sport regional

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen