Sportchef im Interview

Haben Sie Angst, dass Havelse beim Abstieg leergekauft wird, Herr Limbach?

Matthias Limbach, Sportchef des TSV Havelse, blickt zuversichtlich in die Zukunft – unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

Matthias Limbach, Sportchef des TSV Havelse, blickt zuversichtlich in die Zukunft – unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

Matthias Limbach, statt mit großer Lockerheit ging Ihr TSV Havelse am Wochenende lethargisch ins Abstiegsendspiel gegen Verl. Wie sehr tut das 1:3 noch weh?

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Eigentlich hatten die Verler Druck und einen Rucksack auf. Aber den haben wir für sie geschleppt, so sah es zumindest aus. Das tut schon sehr weh, weil ich bis dahin eine große Überzeugung hatte, dass wir den Klassenerhalt in der 3. Liga schaffen werden. Die Niederlage war schon einschneidend, ein Schlag ins Kontor. Aber natürlich stemmen wir uns dagegen, bis der Abstieg rechnerisch feststeht.

Planen Sie nach der Pleite gegen Verl jetzt aktiv für die 4. Liga oder zweigleisig?

Wir sind realistisch genug, das Augenmerk auf eine schlagkräftige Truppe für eine gute Viertliga-Saison zu legen. Ohne dabei die Hoffnung vollständig aufzugeben, das will ich betonen. Wir können auch schnell wieder umschwenken. Ehrlich gesagt: Wenn nach dem letzten Spieltag am 14. Mai feststehen sollte, dass wir in der 3. Liga bleiben, hätten wir immer noch einen Monat mehr Zeit als vergangenes Jahr. Da bin ich entspannt (lacht). Wir haben finanziell unsere Hausaufgaben gemacht und sind handlungsfähig – egal, in welcher Liga.

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Das gilt womöglich nicht für alle Drittligisten. Es gibt Gerüchte, dass nicht alle Klubs sicher die Lizenz bekommen. Hören Sie aktuell Ähnliches?

Ja, so was hört man immer wieder mal. Darauf können wir uns natürlich nicht verlassen, aber wenn es passiert, wären wir bereit. Fakt ist: Wenn man finanziell hoch pokert und Saisonziele wie den Aufstieg verpasst, dann kann die 3. Liga ein Millionengrab sein. Ob das jeder Klub immer stemmen kann, werden wir sehen. Wir haben jedenfalls sehr sparsam gehaushaltet. Man wünscht es keinem, aber insgeheim hofft man natürlich, dass ein Platz frei ist.

Leistungsträger von Torwart Norman Quindt bis Stürmer Fynn Lakenmacher waren auch am Tabellenende im Fokus. Machen Sie sich Sorgen, dass Havelse leergekauft werden würde?

Es ist doch erst mal schön, dass sich die Jungs ins Rampenlicht spielen konnten. Am Ende ist es dann immer eine Einzelfallfrage. Sicher würde der eine oder andere gehen. Jungs wie Leon Damer oder Norman Quindt wollten ja gerade beweisen, dass sie einen Platz im Profifußball verdient haben. Wenn da das passende Angebot kommt, kann ich mir gut vorstellen, dass sie es annehmen. Aber dann freue ich mich eher für die Jungs, statt dass wir uns als TSV Havelse ärgern. Ob alle, die die Möglichkeit haben, dann auch gehen, ist eine ganz andere Sache. Nehmen wir unseren Kapitän Tobi Fölster als Beispiel: Der hätte es verdient, weiter 3. Liga zu spielen. Aber der spielt seit Jahren in Havelse, hat hier einen festen Job. Da könnte ich mir gut vorstellen, dass er trotzdem bleibt.

Gab es schon Gespräche mit potenziellen Zugängen?

Lose. Weil das Spieler sind, die unserer Meinung nach zu Havelse passen, egal, in welcher Liga.

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Lassen Sie uns mal träumen: Wie wär’s mit Hendrik Weydandt?

(lacht laut) Henne ist ein überragender Typ. Wenn er Lust hat, beim TSV Havelse zu spielen, fahre ich sofort zu ihm und wir sprechen drüber. Aber da haben wir doch gar keine Ansprüche! Er ist ein etablierter Bundesliga-Stürmer, auch wenn es aktuell nicht so läuft. Einen Verein in der 3. Liga findet er im Handumdrehen, wenn er das möchte.

Wie sieht’s mit Trainergesprächen aus? Der Vertrag von Rüdiger Ziehl gilt nur für die 3. Liga.

Ich habe bis zum Wochenende fest mit dem Klassenerhalt gerechnet – und damit, dass Rüdiger Trainer bleibt. Wir werden darüber reden, ob er auch bei Abstieg weiter Lust hätte auf das Projekt. Er hat unter sehr schwierigen Bedingungen viel aus der Mannschaft herausgekitzelt. Gleichzeitig hat er aber die Klasse und den Anspruch, einen Profifußballverein zu trainieren. Das kann ich verstehen. Bei uns würde sich auch einiges ändern – allein schon beim Budget von zweieinhalb, 3 Millionen Euro auf 300 000 bis 400 000 Euro pro Saison. Aber Rüdiger ist unser Trainer und damit mein erster Ansprechpartner.

Das heimische Wilhelm-Langrehr-Stadion war den Statuten nach zu klein, um dort Drittliga-Spiele auszutragen. Es ist zu hören, dass Ihr Klub mittel- bis langfristig gern ein neues, größeres Stadion bauen möchte. Was ist dran?

Das ist bei Abstieg einer der wenigen Gründe zur Freude: Dass wir wieder zu Hause spielen können – in einem schönen kleinen Stadion, statt einem großen leeren. Aber wenn sich ein Verein weiterentwickeln will, dann muss er auch am Umfeld arbeiten. Natürlich würden wir das perspektivisch gern auf Drittliga-Niveau heben – auch mit einer drittligatauglichen Spielstätte direkt in Havelse oder Garbsen. Mit einem richtigen Heimvorteil hätten wir in dieser Saison sicher auch mehr Punkte geholt. Außerdem hat uns der Umzug in die Arena wirtschaftlichen Handlungsspielraum gekostet. Miete, Betriebskosten, der vereinbarte Rasentausch – alles in allem war das die Hälfte unseres Gesamtbudgets. Davon hätten wir ein paar Spieler bezahlen können …

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Von Jonas Szemkus

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