Rollhockey-Bundesligist

Neustart in goldene Zeiten? Die Frauen von Bison Calenberg wollen wieder Meister werden

Eldagsen. Es ist ein riesiger Schwall an Erinnerungen, die beim SC Bi­son Calenberg in diesen Tagen wachgerufen werden. Ein Wie­der­er­le­ben früherer Zeiten, als sich die Rollhockeyteams des Klubs zur deutschen Elite zählen durften. Nach ihrer Gründung 1982 feierten die Bisons schnell die ersten Erfolge auf Bundesebene, ehe es am Deister um die Jahrtausendwende ruhiger wurde. Doch in diesem Jahr greifen sie wieder nach den Sternen. Die Calenberger Frauen haben gerade das Finale um die deutsche Meisterschaft er­reicht, und ihre beiden Trainer Milan Brandt und Leif Johansson kämpfen in der 2. Liga mit den Männern beim Final Four zu Hause in Eldagsen im Juni um den Aufstieg. "Wir wollen wieder dahin kommen, wo wir schon einmal gewesen sind", sagt SC-Chef Klaus Johansson.

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Der 71-Jährige, Leifs Vater, ist ein Mann der ersten Vereinsstunde, Johansson kann viel erzählen über das, was einmal war. Etwa, wie die Frauen zwischen 1986 und 1996, seinerzeit noch als SCC Eldagsen, sieben deutsche Meisterschaften gewannen und kurz nach der Fusion mit dem SV Bison Springe zum heutigen SC Bison Calenberg noch ein achtes Mal (1998) triumphierten. Im deutschen Pokalwettbewerb kamen noch vier weitere Titel hinzu, alles in einem rasanten Tempo, über das man ruhig staunen darf, wenn man sich vor Augen hält, wie es angefangen hat. Bei ihren ersten Übungseinheiten zockten die Bisons noch auf dem Parkplatz des Springer Krankenhauses, mit zu Schnäppchenpreisen erstandenen Rollschuhen vom Discounter und zwei Hockeytoren, die ursprünglich Kleinkindern als Laufställe gedient hatten.

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In der jetzt rund 120 Mitglieder umfassenden Sparte, die in dieser Saison ihr 40-jähriges Bestehen feiert, war allerdings nicht nur Erfindungsreichtum nötig, sondern auch eine Menge Durchhaltevermögen. Denn die Ge­schich­te des Vereins, der außerdem Fußball und Jiu-Jitsu anbietet, lässt sich in zwei Epochen einteilen, eine Zeit vor und eine Zeit nach dem 14. Juli 2011. Das war der Tag, an dem die Bison-Sporthalle in Springe durch ein verheerendes Feuer zerstört wurde. „Dabei haben wir auch unser gesamtes Equipment verloren“, blickt Klaus Johansson zurück. Ein „schlimmer Moment“ sei das gewesen. Aufgeben kam je­doch nicht infrage. „Wir hatten das Glück, dass der Zusammenhalt enorm war“, sagt der Vereinsboss und berichtet davon, dass die SC-Teams mitunter acht Stunden unterwegs waren, um in Hallen anderer Städte für zwei Stunden trainieren zu können: „Das hat uns wieder stark gemacht.“

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In der Sporthalle an der Hindenburgallee in Eldagsen haben die Bisons danach ein neues Zuhause gefunden, wo die SC-Frauen in der Best-of-three-Serie gegen den Wuppertaler Klub RSC Cronenberg, die am 23. April zu­nächst mit einer Auswärtspartie beginnt, nun Meister werden wollen. Von 2016 bis 2018 hatten sie bereits dreimal in Folge im Finale ge­stan­den, waren der inzwischen aufgelösten ERG Iserlohn aber jeweils un­ter­le­gen. „Da waren wir immer der Außenseiter, jetzt sind wir der Favorit“, sagt Johansson, „ich glaube fest daran, dass wir es diesmal schaffen.“

Zum Kader der Bisons gehören fünf Nationalspielerinnen

Vieles spricht jedenfalls dafür. Die Calenbergerinnen sind souverän durch die Vorrunde und das Halbfinale (5:0 und 5:2 gegen Remscheid) marschiert – mit Torhüterin Anna-Lena Behrens, Britt Stina Brandt, Clara No­wot­ka, Anna Hartje und Kim Alina Henckels gehören fünf Nationalspielerinnen zum Ka­der. Und dann ist da noch Judit Burgaya Ventura. Die Spanierin, Doktorandin an der MHH, gewann 2019 mit dem Patí Voltegrà (Katalonien) den Europapokal, seit dieser Saison schießt sie ein Tor nach dem anderen für den SCB. In den bisherigen 13 Pflichtspielen hat die 24-Jährige bereits 33-mal ge­trof­fen.

Im Finale gegen den deutschen Frauen-Rekordmeister aus Cronenberg sieht Jo­hans­son für seinen SCB, der 1994 in São Paulo den Weltpokal holte, außerdem die große Chance, ein wenig aus einer Nische herauszutreten. Dafür sorgen zu können, dass das Rollhockey nicht länger ein Mauerblümchendasein fristet. „Es ärgert mich, wenn wir bei dem ganzen Aufwand trotzdem im­mer nur als Randsportart gesehen werden“, sagt er. „Es wäre schön, wenn wir zum Beispiel für unsere Ju­gend­li­chen eine Außenanlage in Eldagsen bauen oder wieder zu Spielen in Europa reisen könnten. Dafür brauchen wir Unterstützung, und ein Titelgewinn würde ganz andere Möglichkeiten eröffnen“, glaubt er.

Der Zeitpunkt, die Voraussetzungen zu verbessern, wäre auch für ihn persönlich ideal. Johansson hat beschlossen, den Vorsitz beim SC Bison in diesem Sommer abzugeben.

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Von Dirk Herrmann

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