Olympia ist vorbei – endlich

IOC-Präsident Thomas Bach und Xi Jinping winken während der Olympiaabschlussfeier.

Endlich ist der Spuk vorbei. Die 24. Olympischen Winterspiele sind Geschichte. Nachtrauern wird ihnen kaum jemand. Zu sehr gab die Pandemie in Verbindung mit Chinas rigider Null-Covid-Politik das Korsett vor, zu sehr überlagerten die Berichte beispielsweise über Menschenrechtsverletzungen von Seiten des Gastgeberlandes das sportliche Geschehen.

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Schade für die Athletinnen und Athleten, die unter schwierigsten Bedingungen innerhalb der olympischen Corona-Blase Topleistungen vor überwiegend menschenleeren Rängen ablieferten.

Umso zynischer ist es, dass es nach diesen in vielerlei Hinsicht eiskalten Pandemiespielen trotzdem zwei große Profiteure gibt. So hat Chinas Präsident Xi Jinping bewiesen, dass sein Land alles organisieren kann, was es möchte – selbst unter schwierigsten, moralisch fragwürdigen Bedingungen. Motto für Pekings politische Spiele: Kosten spielen keine Rolle. Nachhaltigkeit ist egal, Naturschutz auch.

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Mit offenem Protest gegen die Unterdrückung der Uiguren, gegen die Interventionen in Hongkong, gegen die Aggressivität gegenüber Taiwan, gegen den Umgang mit Tibet wurde der Ausrichter zudem nicht konfrontiert. Vielleicht hat sich nach der Androhung von Sanktionen durch das chinesische Organisationskomitee auch einfach niemand getraut.

Für China selbst sind diese Winterspiele somit ein innenpolitisches Zeichen der Stärke. Was der Rest der Welt über die vergangenen gut zwei Wochen denkt, all das internationale Unbehagen über die chinesische Propagandashow, ist für die Machthaber somit im Grunde egal.

Profiteur Nummer zwei ist Thomas Bach, der umstrittene Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Er hat es nicht nur geschafft, dass zum zweiten Mal Olympische Spiele unter Corona-Bedingungen stattgefunden haben. Er hat damit vor allem dafür gesorgt, dass die Fernseheinnahmen geflossen sind und unter den Verbänden der olympischen Sportarten aufgeteilt werden können. Die Dankbarkeit großer Teile der Sportwelt wird ihm damit sicher sein. Hauptsache, die Kasse stimmt.

Das Unbehagen, das angesichts von Bildern des IOC-Bosses Seite an Seite mit dem chinesischen Machthaber Xi aufkommt, wird da schnell vergessen. Ebenso, dass Bach im Dopingfall der bedauernswerten Eiskunstläuferin Kamila Walijewa zwar mit erhobenem Zeigefinger ein paar markige Worte in Richtung der Russen absendete, sich zu wirklichen Konsequenzen, die die 15 Jahre alte Athletin hätten schützen müssen, jedoch nicht durchringen konnte.

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Für den IOC-Präsidenten gilt: Hauptsache geschafft. Ab jetzt darf er all diejenigen, die zurecht das Macht- und Profitstreben beim IOC, den Gigantismus, den Schulterschluss mit fragwürdigen Systemen, ja, die Entwicklung der olympischen Idee als Ganzes kritisieren, auf Paris 2024 hinweisen. Dort sollen in zweieinhalb Jahren die ersten klimaneutralen Spiele ausgetragen werden.

Und sollte dieses Ziel nur ansatzweise als erfüllt verkauft werden können, dürfte Bach in seinem letzten Amtsjahr nicht zögern, diesen Verdienst als persönlichen Erfolg für sein Vermächtnis zu verbuchen. Außerdem lässt die französische Hauptstadt, wenn bis dahin eine Kooperation mit dem Coronavirus möglich ist, als Kulisse einiges erwarten. Was werden das für Bilder, wenn der olympische Marathon – wie aktuell geplant – am selben Tag, an dem die besten Langstreckenläuferinnen und -läufer der Welt auf die Strecke gehen, auch von Amateuren in Angriff genommen werden kann!

Große Teile der Sportfans dürfte allein die Vorstellung von Sommerspielen im Schatten des Eiffelturms mit der olympischen Idee versöhnen. Und wer erinnert sich dann noch an synchrones Winken von Bach und Xi im Corona-Winter 2022?

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