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Von 96 über Schalke bis Elversberg

Podcast: Kultcoach Peter Neururer analysiert die 2. Liga – und sagt, wer in der Relegation aufsteigt

Zweitligakenner: Peter Neururer (links) ist TV-Experte bei Sport1, war im Januar auch in Hannover beim 96-Heimspiel gegen Kaiserslautern dabei. Mit 96-Profiboss Martin Kind (Mitte) ist er bis heute freundschaftlich verbunden.

Zweitligakenner: Peter Neururer (links) ist TV-Experte bei Sport1, war im Januar auch in Hannover beim 96-Heimspiel gegen Kaiserslautern dabei. Mit 96-Profiboss Martin Kind (Mitte) ist er bis heute freundschaftlich verbunden.

Hannover. Im Trainer-Lebenslauf von Peter Neururer stehen mehr als 600 Spiele als Proficoach – bei Schalke 04 und Hannover 96 zum Beispiel, beim 1. FC Köln, dem VfL Bochum und anderen namhaften Vereinen. Das letzte Engagement endete 2014 (Bochum), aber der 68-Jährige ist trotzdem nah dran am Fußballgeschäft. Zum Beispiel als Zweitliga-Experte beim TV-Sender Sport 1 – „allerdings bin ich nicht unbedingt einer vom diplomatischen Dienst“, scherzt Neururer. „Mit Neutralität habe ich manchmal meine Probleme.“

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Aber mit Klartext hat er keine! Für unseren Podcast „Telefon Kopenhagen“ und die Spezial-Zweitliga-Folge analysiert der Kultcoach deshalb die gerade beendete Saison und blickt auch schon mal auf die neue 2. Liga mit noch mehr großen Namen.

Mit Schalke – und Hertha? Die 2. Liga wird noch besser

Am meisten Mitgefühl hat Neururer natürlich für seinen Herzensclub Schalke. Nach einer Katastrophen-Hinrunde reichte es trotz einer guten zweiten Saisonhälfte nicht für den Klassenerhalt. Aber knapp war’s. „Neun Punkte am Ende einer Hinserie zu haben – da kannst du machen, was du willst. Aber die Entwicklung war gut“, sagt Neururer. Denn: „Dieser Abstieg ist von Thomas Reis überragend moderiert worden. Er hat die Zuschauer mitgenommen, die Mannschaft und das Umfeld.“ Und immerhin wurde der Abstiegstag nicht noch schlimmer für die „Knappen“: „Man stelle sich vor, du steigst ab und Borussia Dortmund wird Meister. Das wäre grauenvoll gewesen“, betont Neururer und witzelt: „Ich habe mir sogar Gedanken gemacht, für das Jahr dann ins Ausland zu gehen.“ Um die Frotzeleien bis zu einem möglichen Wiederaufstieg nicht ertragen zu müssen.

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Neben Schalke muss außerdem der gescheiterte „Big City Club“ Hertha BSC runter. Zwei Absteiger mit Strahlkraft, wenn die Berliner die Lizenz erhalten. Neururers Knallhart-Analyse: „Das war eine von Nicht-Fachleuten wild zusammengewürfelte Mannschaft. Da passte hinten und vorne gar nichts zusammen. Das ist das Resultat von Misswirtschaft über Jahre.“

Von Heidenheim bis Elversberg: Neururer freut sich über die Erfolge kleinerer Clubs

Neue Erstligisten sind dafür – Stand vor der Relegation – Zweitliga-Meister Darmstadt 98 und der 1. FC Heidenheim. Kleine(re) Clubs, aber dafür auch mal andere Namen. Das freut den Kultcoach: „In Heidenheim ist ein Gebilde gewachsen, das ist in sich stabil.“ Und dass „Darmstadt 98 mit dieser Mannschaft in die Bundesliga aufsteigt, ist unvorstellbar großartig“. Aber eines sei trotzdem klar: „Jeder Aufsteiger spielt automatisch nur um ein Ziel: die Liga zu halten.“

Für die Relegationsspiele zur 1. Bundesliga sieht der Kultcoach den VfB Stuttgart in der besseren Lage als Gegner Hamburg, den Drittplatzierten der 2. Liga. „Der HSV war in Sandhausen schon gefühlter Aufsteiger“, doch dann siegte Heidenheim noch in der Nachspielzeit. „Das musst du erst mal wegstecken. Und der VfB ist spielerisch so stark, sie gehen als Favorit ins Rennen“, findet Neururer.

Die noch größere Überraschung kommt ohnehin aus der 3. in die 2. Liga: Drittliga-Meister Elversberg brachte mit kleinen Namen große Leistungen. „Da ziehe ich meinen Hut, einfach sensationell“, lobt Neururer. „Es ist kaum zu glauben, dass so ein Verein so nach oben geschossen wird. Das spricht für Arbeit – im Managementbereich, im Sponsoring und es spricht auch für die Arbeit des Trainers.“ Der Club sei zwar kein Publikumsmagnet für die 2. Liga – „aber von der Sache her, vom Fußball her ist Elversberg sicherlich eine Bereicherung“, findet der Kultcoach.

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Das ist „Telefon Kopenhagen“

Hannover 96 hat viele be­son­de­re Fußballmomente erlebt – vom Europawunder in Sevilla bis zum Aufstieg in Sandhausen. Wir lassen die historischen Au­gen­bli­cke in Audioform aufleben. In unserem Fußball-Podcast „Telefon Ko­pen­ha­gen“ spricht Sport­re­dak­teur Jo­nas Szemkus mit Helden von damals und Stars von heute über ihr emotionalstes Spiel für 96. Neue Folgen gibt es montags – hören können Sie die bequem, wann und wo es Ihnen passt. Das gilt für die Folge mit Peter Neururer genauso wie für vorherige – zum Beispiel mit Gerald Asamoah, Niclas Füllkrug und Steven Cherundolo. „Telefon Kopenhagen“ finden Sie überall dort, wo es Podcasts gibt – zum Beispiel bei Spotify, Apple Podcasts und Deezer. Viel Spaß beim Reinhören.

Klartext über die Aufreger der Saison – von Doping bis Videoschiri

Außerdem spricht Neururer im Zweitliga-Spezial unseres Podcasts „Telefon Kopenhagen“ über die größten Aufreger der Zweitligasaison. Dass HSV-Verteidiger Mario Vuskovic bewusst Dopingmittel genommen hat, kann sich der Experte zum Beispiel nicht vorstellen: „So dumm kann keiner sein“, glaubt Neururer, der aus den 80er-Jahren aber von anderen Zuständen berichtet.

Und auch über den Wackel-Videoschiri aus dem Kölner Keller hat Neururer eine klare Meinung: „Es ist unglaublich und grauenvoll, was dieser VAR veranstaltet.“ Der Kultcoach hat aber eine Idee, wie das etwas besser laufen könnte. Dabei geht um Handspiele, Tätlichkeiten – und Respekt für kleine Ungerechtigkeiten.

Passionierter Sportler: Peter Neururer golft 2016 in Gelsenkirchen, das Hobby betreibt er weiterhin mit Leidenschaft. Aber ganz ohne Fußballbusiness kann und will der ehemalige Bundesligatrainer trotzdem nicht.

Passionierter Sportler: Peter Neururer golft 2016 in Gelsenkirchen, das Hobby betreibt er weiterhin mit Leidenschaft. Aber ganz ohne Fußballbusiness kann und will der ehemalige Bundesligatrainer trotzdem nicht.

Der „Feuerwehrmann“ denkt noch gerne an Hannover und 96

In Hannover war der 68-Jährige gleich doppelt Trainer – von 1994 bis 1995 und von 2005 bis 2006. „Ich habe 96 in sehr guter Erinnerung“, betont Neururer. „Wenn du zweimal bei einem Verein warst und ihn zwei Mal in Extremsituationen erleben darfst, bleibt die Verbindung emotionaler Art.“ Fast wäre es 2015 sogar ein drittes Mal passiert. Damals, als Neururer mit einem Porsche vorm Courtyard parkte. Das Bild ist in Erinnerung geblieben, darüber kann der Kultcoach mittlerweile lachen. Und: „Es ist ja gut gegangen – 96 hat die Liga mit Michael Frontzeck gehalten.“

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Neururer guckt ebenfalls zufrieden auf seine Trainerkarriere zurück. Daran ändert übrigens auch die häufige Rolle als „Feuerwehrmann“ für bedrohte Clubs nichts: „Ob man mich als Feuerwehrmann bezeichnet oder nicht, interessiert mich gar nicht. Wenn du in irgendeiner Schublade steckst, dann kannst du machen, was du willst, da kommst du nicht raus“, sagt Neururer: „Ich blicke auf 619 Pflichtspiele als Cheftrainer zurück, auch international – da kann nicht alles falsch gewesen sein.“

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