Als Co-Trainer

Robby Echelmeyer beim Afrika-Cup: Ein Burgwedeler schreibt mit Gambia Geschichte

Selfie zweier Stürmer: Der Burgwedeler Robby Echelmeyer (links) hat Bayerns Eric Maxim Choupo-Moting für ein gemeinsames Foto gewinnen können.

Selfie zweier Stürmer: Der Burgwedeler Robby Echelmeyer (links) hat Bayerns Eric Maxim Choupo-Moting für ein gemeinsames Foto gewinnen können.

Burgwedel. Von der Welt hat Robby Echelmeyer schon viel gesehen – und die Rede ist nicht von Urlauben. Der Stürmer des Kreisligisten FC Burgwedel lebte bereits in Südafrika, Kanada, Irland, Spanien, Argentinien, Ecuador und Namibia. Zivildienst, Studium und Jobs machten ihn zum Globetrotter – nur die Station Südafrika hatte einen familiären Hintergrund. Länderpunkte in Kamerun hat der 39-Jährige nun auch gesammelt: Als Co-Trainer der Nationalmannschaft zog Echelmeyer mit Gambia beim Afrika-Cup sensationell ins Viertelfinale ein, und das bei der ersten Teilnahme des westafrikanischen Landes.

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Doch wie kommt der Zwei-Meter-Hüne, der sein Geld sonst in Hannover als Fahrlehrer und Journalist verdient, in den Staff des Afrika-Cup-Teilnehmers? Die Jahre 2010 bis 2017 verbrachte Echelmeyer in Namibia als Redakteur der deutschsprachigen Allgemeinen Zeitung. Die namibische Nationalmannschaft wurde damals vom Belgier Tom Saintfiet trainiert – es entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den beiden. „Tom hatte in den nächsten Jahren viele Stationen als Nationalcoach in Afrika, Trinidad und Tobago oder auf Malta, wollte mich immer in seinem Team haben. In Gambia hat es geklappt“, sagt der Burgwedeler. Er ist im Besitz einer Trainer-C-Lizenz des afrikanischen Kontinentalverbandes CAF. Da diese für den Posten des Co-Trainers nicht ausreicht, wird Echelmeyer offiziell als Technischer Assistent geführt.

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Zum ersten Mal in seiner Geschichte hatte sich Gambia für den Afrika-Cup qualifiziert. Mit dem Trainingslager in Doha und dem Turnier in Kamerun sollte der gebürtige Frankfurter sechs Wochen von Familie und Job getrennt sein – auch über den Jahreswechsel, da der Wettbewerb vom 9. Januar bis 6. Februar angesetzt war. „Meine Frau hat mich zu 100 Prozent unterstützt. Sie weiß, welch großen Platz der Fußball in meinem Herzen hat und sah das als Riesenchance“, sagt Echelmeyer. Seine zwei kleinen Töchter vermissten ihren Vater irgendwann stark, „doch bei Videocalls konnten wir uns ja sehen, das war eine gute Sache“. Die Fahrschule Müller, in der Echelmeyer tätig ist, wird von einem Freund betrieben, der großer Fußballfan ist. „Geil, mach das“ waren die Worte seines Chefs Michael Müller, als Echelmeyer um Freistellung für das Abenteuer Afrika-Cup bat.

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Sie kennen und schätzen sich schon lange: Robby Echelmeyer (links) und Tom Saintfiet, Gambias Nationaltrainer.

Sie kennen und schätzen sich schon lange: Robby Echelmeyer (links) und Tom Saintfiet, Gambias Nationaltrainer.

In der letzten Woche des Trainingslagers in Doha infizierte sich Echelmeyer mit Corona, wodurch er quarantänebedingt nicht nur den Empfang beim Staatspräsidenten mit dem Überreichen der Staatsflagge vor der Abreise zum Turnier verpasste, sondern auch das erste Gruppenspiel gegen Mauretanien. „Im Trainingslager ging Corona bei uns trotz der Bubble ziemlich rum, rechtzeitig zum Turnier haben wir es aber in den Griff bekommen“, sagt Echelmeyer.

Als 150. der Fifa-Weltrangliste waren „die Skorpione“, wie Gambias Nationalelf genannt wird, angetreten – nie zuvor hatte ein Afrika-Cup-Teilnehmer eine schlechtere Platzierung. Das Überstehen der Gruppenphase, ungeschlagen und mit einem 1:0-Sieg gegen den Mitfavoriten Tunesien, war eine Sensation. Als Saintfiets taktische Kniffe sogar den Achtelfinalerfolg über Guinea ermöglichten, gab es in Gambia schon lange kein Halten mehr. „Dort herrschte absoluter Ausnahmezustand, jedes Spiel war ein Straßenfeger“, berichtet Echelmeyer. Das 1:1 in der Vorrunde gegen Mali, als der Ausgleich in der Nachspielzeit erzielt wurde, sei in den Straßen Gambias wie ein WM-Sieg gefeiert worden. „Die Euphoriewelle erfasste nicht nur uns, sondern das ganze Land“, sagt der Sohn eines Deutschen und einer Südafrikanerin. Erst in der Runde der letzten acht war gegen den Gastgeber Endstation.

Teamgeist und Herzblut gibt es bei den „Skorpionen“ nicht nur bei der Hymne vor dem Spiel.

Teamgeist und Herzblut gibt es bei den „Skorpionen“ nicht nur bei der Hymne vor dem Spiel.

In Kamerun erlebte Echelmeyer mit seinem Team aber auch die Schattenseiten des Kontinents. Gambias Vorrundenspiele fanden im Südwesten des Landes in Limbé statt, wo Bürgerkrieg herrscht. Das Team wurde durchgängig von schwer bewaffneten Soldaten in Sturmhauben eskortiert. „Um unseren Trainingsplatz herum standen bis zu 60 Soldaten mit Maschinengewehren, über dem Feld kreiste ein Hubschrauber“, schildert er die Sicherheitsmaßnahmen. In Buea, dem Ort zwischen Trainingsplatz und Hotel, kam es in diesen Tagen zu einer Schießerei zwischen Rebellen und der Armee, mehrere Tote und Schwerverletzte waren die Folge.

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Auch die Massenpanik vor dem Spiel Kamerun gegen die Komoren, der acht Menschen zum Opfer fielen, beendete die Partystimmung nach dem Achtelfinalsieg gegen Guinea abrupt. „Das war alles eine krasse Achterbahn der Gefühle“, sagt der 39-Jährige.

Unter Slomka in der U19 von 96 auf Torejagd

In weitaus besserer Erinnerung werden dem Angreifer, der unter Mirko Slomka in der A-Jugend von Hannover 96 sowie in der Premier League in Namibia für den Ramblers FC und SK Windhoek gekickt hat, aber der „unglaubliche Teamgeist“ bei Gambia, die Gänsehaut bei den Hymnen vor 40 000 Zuschauern im Viertelfinale gegen Kamerun, die laute Musik im Mannschaftsbus und die Tänze in den Kabinen nach den Spielen bleiben. Der Rückflug nach Gambia verzögerte sich von einem Sonntagabend immer wieder bis Dienstagnacht, dennoch harrten Hunderte Fans in Gambias Hauptstadt Banjul tagelang am Flughafen aus und bereiteten ihren Helden um 3 Uhr morgens einen rauschenden Empfang.

Das macht natürlich Lust auf mehr. „Tom und ich arbeiten daran, dass ich ihn hauptberuflich als Co begleite“, sagt Echelmeyer, der schon Ende Februar weitere Trainerlizenzen in Angriff nimmt.

Von David Lidón

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