Über den Teich nach Altwarmbüchen

Schwimmer Dominik Abdou möchte bald zurück in die USA

Zu Wasser: Dominik Abdou vom SC Altwarmbüchen durchpflügt während des Frühtrainings das Becken im Hallenbad Isernhagen.

Zu Wasser: Dominik Abdou vom SC Altwarmbüchen durchpflügt während des Frühtrainings das Becken im Hallenbad Isernhagen.

Am Freitag konnte Dominik Abdou feiern. Der erfolgreiche Schwimmer des SC Altwarmbüchen ist 18 geworden. Sich mal einen lauen Tag zu machen – ganz stilecht mit Beine hochlegen, entspannen und sündigen – ist trotzdem nicht drin gewesen. Das Training läuft schließlich weiter. Acht- bis neunmal pro Woche springt er im Durchschnitt ins Wasser. Meistens im Sportleistungszentrum Hannover bei den Übungseinheiten des Landeskaders, manchmal zum Frühtraining vor der Schule auch im Hallenbad Isernhagen im Ortsteil Altwarmbüchen.

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Selbst kurz der Volljährigkeit ist da keine Zeit zum Nichtstun für Abdou geblieben, der in Isernhagen K.B. wohnt und in Altwarmbüchen die 12. Klasse des Gymnasiums besucht. Nicht auf die Humboldtschule in Linden-Süd, die spezielle Sportprofile in mannigfaltigen Disziplinen anbietet, zu wechseln, sei seinerzeit eine bewusste Entscheidung gewesen: „Mir war es immer wichtig, neben meinem Sport trotzdem noch ein normales Leben zu führen. Und wann und wo sehe ich meine Freunde denn sonst, außer in der Schule?“ Seine Freundin Luisa wohnt in Wilhelmshaven – nebenbei will also auch noch eine Fernbeziehung organisiert und aufrechterhalten werden.

Doch große Entfernungen schrecken Abdou ohnehin nicht. „Wir sind eine sehr internationale Familie“, sagt er. Die Mutter aus Polen, der Vater ein Franzose, mancher Ast des Familienstammbaums rankt bis ins afrikanische Dschibuti. Dominik besitzt neben der deutschen auch die französische Staatsangehörigkeit. Da Abdou senior bei einem weltweit agierenden Reifen- und Automobilzulieferer arbeitet, verschlug es die Familie schon in so manches Land. Bevor er mit seinen Eltern und mittlerweile auch seiner kleinen Schwester Sophie, die ebenfalls das Schwimmen für sich entdeckt hat, in Isernhagen sesshaft wurde, lebte Abdou in Portugal und den USA. Das erste Mal sprang er dann auch in St. Louis in den Pool. „Obwohl ich anfangs schon sehr großen Respekt vor Wasser hatte“, sagt er in Erinnerung an ein Ereignis aus der Portugal-Zeit und lacht.

Nachdem die Familie zurück in Deutschland respektive der Region Hannover war, meldeten seine Eltern den Sohn beim SCA an, für den er in Misburg schließlich auch bei seinem ersten Wettbewerb schwimmen sollte. Die Trainerinnen Tanita und Laysa-Alessa Hoppe, die mittlerweile Fankhänel heißt, erkannten früh das Talent, das ihnen da zugelaufen war. Doch auch hier musste sanft nachgeholfen werden. Denn als die Wettbewerbspremiere anstand, wollte der kleine Dominik erst nicht so recht. Seine Mutter habe ihn ermutigt, den Sprung zu wagen, „und am Ende habe ich mich dann sogar schon geärgert, dass es keine Medaille geworden ist“, sagt Abdou und schmunzelt.

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Bronze ist wertvoller als Gold

Doch diesbezüglich sollte er noch aufholen – mittlerweile hat er eine stattliche Edelmetallsammlung beisammen. Die für ihn wertvollste Auszeichnung? Welche Goldmedaille war denn die schönste? Doch Abdou greift ohne zu zögern – welch Überraschung – zu einem bronzenen Anhänger. „Die hier“, sagt er entschlossen. „Auf der Rückseite steht sogar noch die Zeit.“ 56 Sekunden und 33 Hundertstel, die dem Isernhagener so viel bedeuten. Bei der deutschen Jahrgangsmeisterschaft in Berlin wurde er damit 2018 nach starkem Endspurt Dritter der 2004er über 100 Meter Freistil. „Mein größter Erfolg“, sagt er stolz.

Überhaupt die kleineren Distanzen: „Ich bin eher der Sprint-Mittelstrecken-Schwimmer“, sagt Abdou. Kraul, Rücken, Schmetterling – da ist er nicht so wählerisch. Hauptsache, nicht mehr als 200 Meter sind zu absolvieren. Kein langer Atem also? Von wegen. Zumindest auf zwei Rädern weiß Abdou auch auf den langen Strecken zu überzeugen. Mit seinem Kumpel und Nachbarn Frederik Jansen unternahm er im letzten Jahr eine Ferientour – von der Haustür bis nach Salzburg. Pro Tag acht Stunden auf dem Rad, mit zurückgelegten 100 bis 120 Kilometern im Schnitt. „Eine Woche zum Entspannen“, sagt Abdou. Nun ja ...

Zu seinem langfristigen Ziel befragt, denkt der eloquente Jungerwachsene ein Jahr weiter. Nach dem Abitur 2023 strebt er ein Sportstipendium in den USA an. Bei der gewünschten Fachrichtung soll es aber raus aus dem Becken gehen. „Lieber was Technisches oder Computerwissenschaften“, sagt Abdou. „Für einen zukunftssicheren Job.“

Doch bevor es soweit ist, will er in diesem Sommer erst mal wieder mit Frederik auf die Piste gehen. Gewissermaßen als Fortsetzung des letztjährigen Trips. Diesmal bringt sie der Zug zunächst nach Österreich, von dort geht es dann angetrieben von der eigenen Muskelkraft in Richtung Genua ans Ligurische Meer. Für die Badehose wird in der Satteltasche sicher noch Platz sein.

Von Ole Rottmann

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