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HELFER IN SCHWEREN STUNDEN

Wer muss Auskunft über die Bestattung geben?

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Bei einer Beerdigung sind nicht immer alle Familienmitglieder erwünscht. Foto: Sebastian Willnow/dpa-mag

Auch bei Streit sind Hinterbliebene verpflichtet, Familie zu informieren

Ehepartner und Kinder haben grundsätzlich ein Recht darauf, an der Bestattung Verstorbener teilzunehmen. Das gilt unter Umständen auch für weitere nahestehende Verwandte.

Hinterbliebene, die eine Bestattung organisieren, müssen daher Auskunft erteilen - selbst wenn sie die Teilnahme der betreffenden Personen an der Bestattung eigentlich nicht wünschen. Darauf macht die Verbraucherinitiative Aeternitas aufmerksam. Der Auskunftsanspruch gilt in der Regel nur dann nicht, wenn die Teilnahme den Interessen oder Wünschen Verstorbener entgegensteht.

Durchgesetzt werden kann der Anspruch zur Not auch mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung, wie ein jetzt veröffentlichtes Rechtsgutachten von Aeternitas zeigt. Regelmäßig bejahen Gerichte diese Ansprüche. So hat beispielsweise das Amtsgericht Zeitz eine Ehefrau dazu verurteilt, ihrer Tochter Ort und Zeit der Bestattung des verstorbenen Vaters mitzuteilen (Az.: 4 C 289/19).

Das Problem: In der Praxis ist es oft schwierig, einen berechtigten Anspruch auf Auskunft schnell durchzusetzen. Die Gerichte entschieden zwar in der Regel zügig. Allerdings muss die Entscheidung den Beteiligten dann noch zugestellt werden. Mitunter kommt eine einstweilige Verfügung also zu spät.

Betroffene können alternativ versuchen, sich an die Friedhofsverwaltung der jeweiligen Stadt zu wenden - sofern diese bekannt ist. Laut Aeternitas erteilen diese die gewünschte Auskunft meist. Die Friedhofsverwaltung verletzt durch das Herausgeben der Information auch keine datenschutzrechtlichen Vorschriften. Die Auskunft wird dem Gutachten zufolge mitunter im besonderen Interesse der Verstorbenen oder der übrigen Hinterbliebenen verweigert. In familiären Streitfällen dürfen sich die Verwaltungen allerdings nicht auf diese sogenannte Auskunftssperre berufen. Sind keine schutzwürdigen Belange der Verstorbenen gefährdet und steht der Wille der Verstorbenen dem nicht entgegen, muss die Friedhofsverwaltung die geforderten Informationen gegenüber nahen Verwandten herausgeben.

Anders ist die Rechtslage laut Aeternitas bei privaten Bestattungsunternehmen, die ihren Auftraggebern Verschwiegenheit zugesagt haben. Sie begingen mit der Herausgabe von Ort und Zeit der geplanten Bestattung eine Pflichtverletzung. In diesen Fällen gibt es keine Möglichkeit, das Bestattungsunternehmen zur Angabe von Ort und Zeit der geplanten Bestattung zu verpflichten. dpa


Rat für Menschen mit Handicap

Geistig und körperlich beeinträchtigte Kinder, Jugendliche und Erwachsene benötigen den Raum und die Rituale im Alltag, um mit der Situation des Verlustes im Einklang zu sein. Sie brauchen die Erkenntnis, dass der Vorgang des Ablebens für sie begreiflich wird. Zuvor sind dazu viele Gespräche notwendig. Sie sind auf Beachtung angewiesen. Im Falle einer Isolation könnte sich eine Verhaltensauffälligkeit mit einer gestörten Kommunikation entwickeln. Während der Trauerphasen kommt ein verstärktes Schuldgefühl sowie Schuldzuweisungen an die Umwelt hinzu. Bei Menschen mit geistiger Beeinträchtigung bedarf es der Sensibilität, der Möglichkeit Ausdruck zu verleihen, das Gefühls- und Trauerleben ebenfalls auf der nonverbalen Ebene stattfinden zu lassen, da das Sprechvermögen eingeschränkt ist. Währenddessen kommunizieren Autisten Trauer nüchtern ohne Emotion. Bei Beeinträchtigungen gehören Formen der Isolation häufig zur Norm. Das betreute, pflegerische Wohnen sichert die Existenz, jedoch wird das geistige und emotionale Zentrum oft von Ohnmacht gezeichnet. Körperliche Beeinträchtigungen können sich so verstärken. Ips/MP