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Querschnittslähmung: Wann muss die Kasse ein Handbike zahlen?

Muss die KRANKENKASSE für ein bestimmtes Hilfsmittel aufkommen oder nicht?

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KOSTEN: Welche Erweiterungen für den Rollstuhl die Krankenkasse übernehmen muss, ist von vielen Faktoren abhängig. Symbolfoto: SHVETS production / Pexes

Querschnittsgelähmte Menschen haben untergewissen Voraussetzungen gegenüber ihrer Krankenkasse Anspruch auf ein Handbike. Maßgeblich dafür ist etwa, ob sie bei der Montage und Nutzung anderer angebotener Hilfsmittel auf fremde Hilfe angewiesen sind. Das geht aus einem Urteil des Hessischen Landessozialgerichts hervor, auf dasder Deutsche Anwaltverein (DAV) hinweist (Az.: L 1 KR 65/20)

Der Fall: Ein 1958 geborener Mann mit Querschnittslähmung (C 6/7 mit Tetraplegie) beantragte bei seiner Krankenkasse ein Handbike mit Elektromotor. Dabei handelt es sich um eine Zughilfe, die sich am Rollstuhl anbringen lässt. Mit einer Handkurbel wird sie in Bewegung gesetzt. Der verbaute Elektromotor unterstützt das Kubeln.

Der Mann legte eine ärztliche Verordnung und krankengymnastische Befunde vor. Seine Begründung für den Antrag: Ohne das Handbike köme er weder Bordsteinkanten überwinden noch Gefällstrecken befahren und so kaum am öffentlichen Leben teilnehmen. Es fördere darüber hinaus Beweglichkeit und reduziere Verspannungen in Schultern und AImen. Die Krankenkasse lehnte den Antrag ab.

Sie hatte ihm einen günstigeren Elektrorollstuhl angeboten. Der sollte rund 5000 Euro kosten, während das Handbike mit rund 8600 Euro zu Buche schlug. Dagegen argumentierte der Mann: Das Handbike könne er eigenständig an seinen Faltrollstuhl ankoppeln. Um den angebotenen Elektrorollstuhl nutzen zu können, sei er hingegen auf eine Hilfskraft angewiesen. Die müsse ihn beim Umsetzen unterstützen.

Das Gericht gab dem Mann auch aus diesen Gründen Recht. Darüber hinaus stellte es fest: Er habe keine Greifkraft in den Händen, um etwa für das Befahren von Bordsteinkanten den Rollstuhlent   sprechend zu kippen, oder um auf Gefallstrecken abzubremsen. Mit dem Handbike sei es ihm hingegen möglich, etwa Bordsteine hochzukommen. Es geht im Kem darum, dass auch behinderten Menschen das Grundbedürfnis nach Mobilität ermöglicht werden muss. Dabei sollen sie möglichst selbstbestimmt und selbstständig bleiben können. Die Krankenkasse musste dem Mann das beantragte Handbike zahlen. Quelle: dpa