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TSV HANNOVER-BURGDORF

Die Burgdorfer Recken wollen weit nach oben klettern

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Obere Reihe von links: Vlad Kulesh, Martin Hanne, Ilija Brozovic, Filip Kuzmanovski, Marian Michalczik, Evgeni Pevnov, Branko Vujovic. Mittlere Reihe von links: Physio Johannes Bode, Athletiktrainer Timm Kostrzewa, Cheftrainer Christian Prokop, Dario Quenstedt, Maskottchen Hektor, Domenico Ebner, Co-Trainer Heidmar Felixson, Sportlicher Leiter Sven-Sören Christophersen, Betreuer Guido Sander. Untere Reihe von links: Vincent Büchner, Renars Uscins, Jonathan Edvardsson, Justus Fischer, Veit Mävers, Bastian Roscheck, Marius Steinhauser und Max Gerbl. Fotos: Debbie Jayne Kinsey 

Die TSV Hannover-Burgdorf ist gerüstet für den Auftakt in der besten Liga der Welt

Belit Onay, Hannovers Oberbürgermeister, hat die Handball-Recken der TSV Hannover-Burgdorf neulich etwas in Verlegenheit gebracht. Bei der Saisoneröffnungsfeier redete er schon eine mögliche Feier auf dem Rathausbalkon herbei. Irgendwann mal. Pokal, Meisterschaft - davon war zwar nicht konkret die Rede, aber Onay traf den Nerv der geladenen Partner und Sponsoren der Recken, die sich natürlich nach erfolgreicheren Zeiten sehnen.

Nach dem überragenden vierten Platz (der besten in der TSV-Geschichte) in der wegen der Corona-Pandemie abgebrochenen Saison 2019/2020 folgten zwei ernüchternde Jahre. Zunächst Platz elf noch mit dem damaligen Trainer Carlos Ortega. Nach dem spontanen Abgang des Spaniers zum FC Barcelona musste Christian Prokop einen feststehenden Kader übernehmen. Die Recken kamen nie richtig in Schwung. Tiefpunkt war das grausame 16:38 gegen die HSG Wetzlar im September, die höchste Niederlage der TSV-Bundeliga-Geschichte. Guten Phasen folgten Strecken der Enttäuschung, die Recken reihten sich nur knapp oberhalb der Abstiegsplätze ein. Nachdem die größten Verletzungssorgen überstanden waren, löste sich ein wenig der Knoten. Am Ende reichte es zu Platz 13. Schon während der Saison war klar: Ein großer Umbruch muss her.

"Wir wollen die ZAG-Arena füllen und emotionalen und agierenden Handball spielen."
Christian Prokop, Trainer der TSV Hannover-Burgdorf

Der ,,Wunschkader" hat eine hohe Qualität

Prokop durfte sich mit Sportchef Sven-Sören Christophersen und mithilfe der Sponsoren seinen ,,Wunschkader" zusammenstellen. Sieben neue Spieler sind gekommen. Die Abgänge von Johan Hansen (Rechtsaußen) nach Flensburg und Ivan Martinovic (rechter Rückraum) nach Melsungen standen länger fest. Die Recken trennten sich zudem von Torwart Urban Lesjak, Rechtsaußen Jannes Krone, dem rechten Rückraumspieler Nejc Cehte sowie dem linken Rückraumspieler und langjährigen Kapitän Fabian Böhm. 

Die TSV verpflichtete Torwart Dario Quenstedt vom THW Kiel, die Rechtsaußen Marius Steinhauser (den neuen Kapitän) aus Flensburg und Max Gerbl von den Kadetten Schaffhausen, Rückraumspieler Marian Michalczik aus Berlin, Renars Uscins für den rechten Rückraum vom SC Magdeburg, dazu für dieselbe Position den Montenegriner Branko Vujovic vom polnischen Champions-League-Finalisten Kielce. Die Namen dieses Sextetts ließ die Konkurrenz schon aufhorchen. Weil Martin Hanne im linken Rückraum noch ein Weilchen ausfällt und auch der lange verletzte Michalczik noch nicht bei 100 Prozent ist, nahmen die Recken die Gelegenheit war, auch Vlad Kulesh aus Kielce zu verpflichten. Der Weißrusse ist mit seinen 2,07 Meter Körpergröße eine Spezialwaffe im linken Rückraum.

Werden es die glorreichen Recken-Sieben? 

Die Neuen bringen jedenfalls mindestens dieselbe Qualität ihrer Vorgänger mit, mitunter sogar mehr. Und es ist ein Signal an die Liga, dass mit den Recken wieder zu rechnen ist. Die Konkurrenz und die Experten des Landes finden es jedenfalls spannend, was in Hannover passiert. Manche sehen die TSV schon auf dem Weg ins internationale Geschäft. Doch die beste Liga der Welt ist eine Klassengesellschaft. Nur vier Teams kommen für den Titel infrage. Meister Magdeburg, Rekordchampion Kiel, Flensburg und Berlin. 

Dahinter streiten sich die Rhein-Neckar Löwen, Melsungen und Göppingen um die restlichen internationalen Plätze. Diese Teams verfügen auch über einen höheren Etat als Hannover, das mit geschätzt fünf bis sechs Millionen Euro in die Saison geht. Realistisch ist eine Platzierung im breiten Mittelfeld, Platz sieben bis 14. ,,Wir haben den Anspruch, den besten Platz dieser Reihe auszumachen", sagt Prokop, meint damit also indirekt Rang sieben. Offizielles Ziel bleibt: So weit wie möglich zu klettern, auf jeden Fall zurück in die obere Tabellenhälfte. Prokop schwört statt großer Töne auf ,,konstant gute Arbeit", mit den Recken wolle er wieder die ZAG-Arena ,,füllen und emotionalen und agierenden Handball spielen". Es wäre die Basis für gute Folgejahre. Dann dürfen die Fans und OB Onay auch von einer Rathausbalkonsause träumen.