Nachteile überwiegen

BU-Versicherung und Privatrente: Warum Verbraucherschützer vor Koppelprodukten warnen

Auch in einer Partnerschaft ohne Trauschein gibt es die Möglichkeit, Unterhalt und Altersvorsorge im Falle einer Trennung vertraglich zu regeln.

Der Abschluss von Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit und für private Altersvorsorge will gut überlegt sein.

München. Constantin Papaspyratos warnt. „Vergnügungssteuerpflichtig ist das nicht, was jetzt kommt“, gesteht der Chefökonom des Bundes der Versicherten (BdV). Die folgenden Zahlenkolonnen und Berechnungen auf Basis variierender Annahmen geben ihm recht. Mit Hartmut Walz, Professor der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen, hat der BdV einen so komplizierten wie wichtigen Versicherungsbereich unter die Lupe genommen. Das sind private Altersvorsorge und Berufsunfähigkeit (BU), die statistisch jeden vierten Deutschen einmal ereilt. Versicherungen bieten beides gern im Paket an. „Strukturvertriebe verkaufen das wie geschnitten Brot“, sagt Walz. Geworben werde dabei mit Steuervorteilen. Aber Walz und der BdV warnen und empfehlen anderes.

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„Eine selbstständige BU-Versicherung mit Fondssparplan ist die vorteilhaftere Alternative“, sagt Walz. Er und Papaspyratos haben nachgerechnet. Im Rahmen einer Studie verglichen wurden zwei alternative Koppelprodukte und voneinander getrennte Anlagen in eine BU-Police sowie einen ETF-Aktiensparplan. So etwas wirklich vergleichbar zu machen ist nicht einfach. Bei den Koppelprodukten wurden zum Beispiel solche gewählt, die auf identische Standard-ETFs setzen. Bei den getrennten Anlagen wurde unterstellt, dass die ETF-Ersparnisse in der Rentenphase in eine monatlich auszahlende und sofort beginnende Privatrente gegen Einmalbeitrag fließen, weil auch die Koppelprodukte monatliche Rentenzahlungen beinhalten.

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„Das wäre nicht die beste Lösung“, betont Walz mit Blick auf die sofort beginnende Privatrente. Unter Renditegesichtspunkten würde er für die ETF-Ersparnisse eine andere Anlageform wählen. „Aber wir wollten Äpfel mit Äpfeln vergleichen“, erklärt er das Vorgehen. Koppelprodukte schneiden jedoch in der Studie auch so schlechter ab. Das zeigt ein Vergleich erzielbarer Gesamtrenten inklusive Überschüssen und nach allen Steuereffekten. Angenommen wurde eine monatliche Einzahlung von 300 Euro über 40 Jahre hinweg für BU-Schutz und Zusatzrente zusammen sowie identische BU-Rente im Fall von Berufsunfähigkeit.

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Bei jährlich 6 Prozent Wertsteigerung der jeweiligen ETF-Anlagen vor Inflation ergab sich bei getrenntem BU-Schutz für eine gut verdienende Musterkundin mit Spitzensteuersatz eine Altersrente von 1386 Euro. Für die Koppelprodukte waren es in dem einen Fall 1252 Euro, im anderen gar nur 841 Euro. Für eine weniger gut verdienende Musterkundin mit geringerem Steuersatz waren die Unterschiede noch deutlicher. Die entkoppelte Variante schafft 1399 Euro, die beiden Koppelvarianten kommen nur auf 848 und 1062 Euro.

Koppelprodukte waren in allen nachgerechneten Varianten ungünstiger

Bei den Koppelprodukten habe man Angebote mit großer Marktrelevanz gewählt, aber alles auch noch für Tarife alternativer Anbieter durchgerechnet und verglichen, erklärt Papaspyratos. „Die Relationen waren immer ähnlich, wir konnten keine großen Unterschiede ermitteln“, stellt der BdV-Experte klar. Die entkoppelte Variante sei immer die wirtschaftlich für den Verbraucher günstigere gewesen. Am Markt dominieren aber eindeutig Koppelprodukte, wenn es um private Altersvorsorge und BU geht, wissen er und Walz.

Der Ludwigshafener Versicherungsprofessor erklärt das psychologisch. „Der Spatz von heute wird höher bewertet als die Taube von morgen“, sagt er. Sofort sichtbare Steuereffekte im Fall von Koppelprodukten würden überschätzt gegenüber erst Jahrzehnte später sichtbaren Renditenachteilen aufgrund hoher Kosten und Provisionen, soll das heißen. „Von Koppelprodukten profitieren letztlich nur Anbieter und Großvertriebe“, assistiert Papaspyratos. Die seien nicht nur an seiner Hochschule, sondern auch an anderen sehr aktiv und erfolgreich dabei, Jungakademikerinnen und Jungakademiker mit entsprechenden Koppelangeboten zu versorgen, rügt Walz.

Aber es kursieren auch Studien, die Koppelprodukte nach Berücksichtigung aller Aspekte im Vorteil sehen. Der Ludwigshafener kennt sie. Aber er vertraut ihnen nicht. Viele seiner Standeskollegen, die solche Studien verantwortet haben, hätten das im Auftrag der Versicherungswirtschaft gemacht und würden dafür gut bezahlt, kritisiert er. „Die Versicherungslobby ist gut organisiert“, sagt Walz. Aber nur in wenigen Ausnahmefällen sei ein Koppelprodukt wirklich das bessere.

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