Folgen der EU-Sanktionen

Bundesregierung erwartet 10 Prozent BIP-Einbruch in Russland

Arbeiter entfernen den Schriftzug an einer russischen McDonald’s-Filiale. Das Unternehmen hat sich nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine aus Russland zurückgezogen.

Berlin. Die als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine von der EU und ihren Partnerländern beschlossenen Sanktionen zeigen offenbar Wirkung. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) rechnet damit, dass das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 10 Prozent einbrechen wird. Bei der Inflation erwartet das BMWK eine Rate von 17 Prozent.

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Beide Zahlen gehen aus einer internen Analyse des BMWK hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Die Beamten von Wirtschaftsminister Robert Habeck haben dafür Daten des Statistischen Bundesamtes sowie der Forschungsinstitute Consensus Economics und Oxford Economics ausgewertet.

Putin: „Wirtschaftlicher Blitzkrieg des Westens gescheitert“

Bei einer Rede auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg hat sich der russische Präsident Wladimir Putin zu westlichen Sanktionen geäußert.

„Die wirtschaftlichen Aussichten Russlands haben sich nach dem Kriegsausbruch rapide verschlechtert. Grund hierfür sind insbesondere die von der EU in Abstimmung mit ihren Partnerländern beschlossenen Sanktionen“, heißt es in der Analyse. „Zwar nimmt Russland weiterhin viel Geld durch Energielieferungen ein, aber es kann sich von diesem Geld am Weltmarkt immer weniger kaufen“, so der Text weiter.

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Infolge der Sanktionen seien die deutschen Ausfuhren nach Russland im April 2022 um 64,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau eingebrochen. Insgesamt seien Russlands Importe um gut ein Drittel zurückgegangen, weshalb das Land nun mit einem „Mangel an Vorleistungsgütern, Hightech-Produkten und zentralen Inputs im Produktionsprozess“ konfrontiert sei, so das BMWK.

Investitionen brechen um 34 Prozent ein

Insgesamt gehe die Industrieproduktion um 8 Prozent zurück. Während der private Konsum angesichts des Kaufkraftverlustes der russischen Bevölkerung um 11 Prozent sinke, führten der Swift-Ausschluss und die gestiegene Unsicherheit über weitere Sanktionen zu einem Einbruch der Investitionen mit Russland als Zielland um 34 Prozent.

Allerdings verdoppelt sich der Leistungsbilanzüberschuss (Exporte minus Importe) nach Prognose des BMWK von 7 auf 14 Prozent des BIP. „Denn den hohen Energieeinnahmen stehen kaum noch Ausgaben für Importe gegenüber“, so die Analyse. Zudem finanziere sich aus den gestiegenen Staatseinnahmen ein hoher Staatskonsum, der um 5 Prozent steige. „Der Überschuss und die hohen Staatsausgaben können die negativen Effekte in den beschriebenen Bereichen jedoch nicht kompensieren, sodass das russische BIP in der Summe deutlich sinkt“, schreiben Habecks Experten.

Nach einer ebenfalls vom BMWK ausgewerteten repräsentative Umfrage des Moskauer Stolypin-Wirtschaftsinstituts machen sich die Folgen der Sanktionen darüber hinaus zunehmend auch durch eine schlechte Stimmungslage in der russischen Wirtschaft bemerkbar: Während zwei Drittel der Unternehmer von einem Rückgang ihres Geschäfts berichten, geben 87 Prozent an, die westlichen Sanktionen jedenfalls zu spüren.

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