Rückzug kann Jahre dauern

Deutsche Unternehmen: „Russland-Comeback ist überhaupt nicht in Sicht“

Unsichere Zukunft: Das Volkswagen-Werk im russischen Kaluga könnte Teil der Wirtschaftssanktionen gegen Russland werden.

Volkswagen hat Anfang März entschieden, die Produktion von Fahrzeugen in Russland bis auf weiteres einzustellen und den Export von Fahrzeugen zu stoppen.

Viele deutsche Unternehmen werden in absehbarer Zeit nicht nach Russland zurückkehren. „Ein baldiges Russland-Comeback ist überhaupt nicht in Sicht“, erklärte Michael Harms, Geschäftsführer beim Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. „Die Unternehmen fahren gerade alle auf Sicht“, sagte er im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) und viele würden gerade erst den Markt verlassen. „Der Rückzug aus Russland ist juristisch sehr komplex und kann Monate, wenn nicht Jahre dauern.“

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Das bestätigen auch viele Unternehmen, wie Henkel und die Deutsche Bank. Beide hatten angekündigt, sich aus Russland vollständig zurückzuziehen. „Die Umsetzung ist im Gange“, teilte Henkel auf Nachfrage mit und auch die Deutsche Bank erklärte, sie sei noch dabei, das verbleibende Geschäft „herunterzufahren“.

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Nach Beginn des russischen Krieges haben viele Unternehmen angekündigt, sich aus Russland vollständig zurückzuziehen oder die Geschäfte zunächst ruhen zu lassen. „Denn wenn man vollständig den russischen Markt verlässt, ist es später schwer zurückzukommen“, erläutert Harms die Entscheidung, dass sich manche Firmen eine Rückkehroption offen lassen.

Der Volkswagen-Konzern schließt eine Wiederaufnahme seines Russland-Geschäft nicht explizit aus. VW hatte im März die Produktion in Russland eingestellt und den Export von Fahrzeugen gestoppt. Für die Zukunft gebe es noch „keine weiteren Entscheidungen des Konzernvorstandes“, sagte ein Konzernsprecher dem RND. Die bei VW für das Russland-Geschäft zuständige Tochter Škoda verwies auf die große Unsicherheit für Unternehmen. Wann die Produktion in den russischen Werken wiederaufgenommen werde, sei noch völlig offen. Auch Siemens lässt offen, ob das Unternehmen einmal in Zukunft wieder in Russland geschäftlich tätig sein wird.

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Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln sieht im Marktrückzug deutscher Unternehmen Parallelen zum Brexit. „Bereits nach dem Brexitreferendum haben wir gesehen, dass die Unternehmen Großbritannien verlassen und sich andere Märkte gesucht haben“, sagte er im Gespräch mit dem RND. Einen ähnlichen Effekt erwarte er jetzt auch bei Russland. „Deutsche Unternehmen erschließen sich andere Absatzmärkte, statt zurück nach Russland zu kommen.“

Viele Unternehmen bleiben aber im Umkreis Russlands aktiv, beobachtet Harms, und machen weiter Geschäfte in der Eurasischen Wirtschaftsunion. Im Fokus stehe dabei besonders Kasachstan. „Über Kasachstan lassen sich Produkte, die nicht von Sanktionen betroffen sind, einfacher nach Russland verkaufen“, so der Experte.

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Die Einbußen im direkten Russland-Geschäft sind laut Harms und Matthes für deutsche Unternehmen aber verkraftbar. Viel härter seien die Unternehmen von den globalen Lieferkettenproblemen und Preissteigerungen infolge des Krieges betroffen. Die Importpreise waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im April 2022 um 31,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Eine höhere Veränderung hatte es zuletzt im September 1974 während der Ölkrise gegeben.

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