Kommentar

Deutschland in der Hand des Despoten

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einer Übung der russischen Marine im Januar 2020 im Schwarzen Meer.

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einer Übung der russischen Marine im Januar 2020 im Schwarzen Meer.

Berlin. Wenn es eine Lehre gibt aus dem russischen Überfall auf die Ukraine und aus dem folgenden Wirtschafts­krieg, dann diese: Wir sollten Wladimir Putin beim Wort nehmen. Mehr als einmal hat der russische Präsident genau das getan, womit er vorher gedroht hatte.

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Gazprom senkt Lieferung durch Nord Stream 1 auf 20 Prozent

Es hatte sich angekündigt: Russland drosselt die Gaslieferungen über Nord Stream 1 weiter. Dabei war die Pipeline gerade erst wieder in Betrieb gegangen.

In der vergangenen Woche hatte Deutschland noch gerätselt, was es mit dieser ominösen zweiten Gasturbine auf sich habe, die Putin überraschend ins Gespräch gebracht hatte. Turbine eins war nach zähem Ringen endlich zurück aus Kanada, ein Ende der elenden Diskussion erschien greifbar.

Doch der Kremlherrscher hat gar kein Interesse daran, das Katz-und-Maus-Spiel mit dem Westen zu stoppen. Und die Turbinen liefern ihm ein praktisch unerschöpfliches Reservoir an neuen Vorwänden, um vertraglich festgelegte Liefermengen beim Gas schuldig zu bleiben – so wie jetzt.

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Zuletzt fehlten angeblich Dokumente für das instand gesetzte Aggregat aus Kanada, dann war eine Lieferung per Flugzeug der falsche Weg, und es sollte sich niemand wundern, wenn irgendwann auch noch die Turbinen drei und vier aus dem Ärmel gezogen werden.

Die Situation ist entwürdigend

Industrie und Verbraucher in Deutschland müssen sich darauf einstellen, dass Russland ihnen nicht dabei helfen wird, durch diesen und den nächsten Winter zu kommen. Und dennoch wäre es falsch, jetzt dem naheliegenden Reflex nachzugeben und unsererseits die Geschäftsbeziehungen zu kappen. Denn es stimmt ja, dass jeder einzelne Kubikmeter bei der Befüllung der Speicher hilft. Ob der aus Norwegen, den Emiraten oder Russland stammt, ist im kommenden Winter unerheblich.

Entwürdigend ist die Situation gleichwohl. Ein wirtschaftlich mächtiges Industrieland wie Deutschland und eine Demokratie macht sich von den Launen eines Despoten abhängig. Wir starren auf ihn wie das Kaninchen auf die sprichwörtliche Schlange.

Doch was nützt es? Die Fehler, die zu der Misere geführt haben, wurden in der Vergangenheit gemacht. Wir müssen sie nun korrigieren, und unsere Lektion lernen. Auch, wenn es schmerzt.

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