Milde Temperaturen, gesunkene Nachfrage

Deutsche Gasspeicher sind voll: Sinken jetzt die Preise?

Die Sonne geht hinter technischen Anlagen des Erdgasspeichers Katharina in  Sachsen-Anhalt, Bernburg, auf.

Die Sonne geht hinter technischen Anlagen des Erdgasspeichers Katharina in Sachsen-Anhalt, Bernburg, auf.

Berlin/Köln. Volle Gasspeicher und leicht sinkende Großhandelspreise: Hat sich die Gaslage zum (verspäteten) Beginn der Heizperiode entspannt? Wird jetzt alles doch nicht so schlimm wie noch im Sommer befürchtet? Fest steht: Die deutschen Speicher sind mittlerweile zu deutlich über 99 Prozent gefüllt. Die gespeicherte Gasmenge reicht theoretisch für zwei Wintermonate. Theoretisch, weil neben den Gasentnahmen aus den Speichern weiterhin Gas in das deutsche Ferngasnetz fließt, etwa aus Norwegen und demnächst voraussichtlich auch über die ersten Flüssigerdgas-Terminals an den deutschen Küsten.

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Überangebot von Gas

„Tatsächlich wirken sich die aktuell hohen Speicherfüllstände in ganz Europa, die im Verhältnis milde Witterung sowie auch eine gesunkene Nachfrage seitens der industriellen Verbraucher kurz- und mittelfristig auf die aufgerufenen Preise aus“, erklärt Lennart Richter vom Branchenverband Zukunft Gas. Daher bestehe aktuell ein Überangebot an Flüssigerdgas (LNG) in Europa. „Schiffe können teils bereits nicht mehr entladen werden.“ Richter warnt jedoch: „Insgesamt kann sich die Situation schnell wieder ändern, wenn die Temperaturen anhaltend sinken.“

Laut Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen Energy Brainpool gehen Händlerinnen und Händler weiterhin von einem sehr teuren Winter mit Großhandelspreisen zwischen 10 und 15 Cent je Kilowattstunde aus. „Da die Speicher voll sind und der Verbrauch noch nicht hoch, weiß der Markt ganz kurzfristig ironischerweise nicht, wohin mit dem Gas. Gleichzeitig ist allen klar, dass es bald kalt und knapp wird.“

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Zum Vergleich: Am Donnerstagnachmittag lag der Preis für im Dezember zu lieferndes Erdgas am Handelsplatz TTF bei 12,6 Cent je Kilowattstunde. Februar-Erdgas kostete gleichzeitig 13,4 Cent je Kilowattstunde. Das ist weiterhin um ein Vielfaches höher als früher: 2019, vor Beginn der Corona-Krise, lag der Importpreis an den deutschen Grenzen im Jahresschnitt bei 1,5 Cent je Kilowattstunde. 2021, als im Herbst die Preise schon deutlich anzogen, bei 2,5 Cent.

Im Großhandel sind die Gaspreise derzeit so niedrig wie zuletzt im Juni, für kurzfristige Lieferungen am Folgetag liegen sie sogar noch deutlich darunter. Die Experten gehen jedoch davon aus, dass sich dadurch an den Preisen für Haushaltskunden kaum etwas ändern wird. „Versorgungsunternehmen decken sich üblicherweise mit lang- und mittelfristigen Lieferverträgen zu vorher festgelegten Preisen ein“, sagt Zukunft Gas-Geschäftsführer Timm Kehler. Nur ein bestimmter Anteil sowie kurzfristig fehlende Mengen würden kurzfristig am Spotmarkt gekauft.

Keinen Einfluss auf Verbraucherpreise

„Die aktuelle, kurzfristige Entspannung an den Gasmärkten, die sich auch sehr schnell ins Gegenteil umkehren kann, hat wenig Einfluss auf die Verbraucherpreise“, sagt er. Erst wenn die Preise über Monate hinweg ein geringes Niveau zeigten, werde dies auf den Gasrechnungen der Haushaltskunden zu sehen sein.

Die erwarteten zusätzlichen Gasmengen, die noch diesen Winter über die neuen LNG-Terminals nach Deutschland fließen sollen, haben nach Einschätzung von Energie-Ökonom Andreas Fischer vom Institut der Deutschen Wirtschaft einen preisdämpfenden Effekt. „Ob es durch diese Importe eine zusätzliche spürbare Entlastung der Preise gibt, wird auch davon abhängen, wie sich der Bedarf in den Wintermonaten entwickelt, der stark von der Temperaturentwicklung abhängt“, sagt er. Und schränkt gleichzeitig ein: „Selbst bei einer vollständigen Auslastung der ersten drei geplanten schwimmenden LNG-Terminals könnte damit voraussichtlich nur in etwa ein Viertel der russischen Lieferungen nach Deutschland aus den vergangenen Jahren ersetzt werden.“ Dies bedeute eine zusätzliche Entlastung, könne die ausbleibenden Lieferungen aus Russland aber nicht kompensieren.

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Eine Gasmangellage kann nach Ansicht der Gaswirtschaft trotzdem vermieden werden: „Dank des entschlossenen Krisenmanagements der Regierung sieht es aktuell nicht schlecht aus“, meint Kehler. Mit einer guten Speicherbefüllung, dem schnellen Bau der LNG-Terminals und den bislang erzielte Einsparungen sei man in einer guten Ausgangslage. „Am Ende wird es stark von der Kälte des Winters und der weiteren Disziplin bei der Absenkung des Gasverbrauchs abhängen.“

RND/dpa

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