Teures Gas als Stresstest

Energiekrise wirkt sich auf Firmen aus: Arbeitsplatzabbau im großen Stil droht

Eine Schweißerin fügt Metallelemente durch Punktschweißen zusammen. (Symbolbild)

Eine Schweißerin fügt Metallelemente durch Punktschweißen zusammen. (Symbolbild)

Frankfurt am Main. Die Alarmglocken schrillen mit voller Lautstärke. Unter den Einkaufsmanagern und Einkaufsmanagerinnen geht die Stimmung tief in den Keller. Investitionen werden verschoben. Insbesondere für kleine Unternehmen wird es immer schwieriger, Geld von der Bank zu bekommen. Sogar ein Arbeitsplatzabbau im großen Stil droht.

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Zunehmend mehr Firmen reagieren auf die Energiekrise mit Jobabbau und der Aufgabe ganzer Geschäftsfelder. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Münchner Ifo-Instituts im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Jedes vierte Unternehmen gab an, dass es Arbeitsplätze abbauen will. Im April waren es bei einer vergleichbaren Studie nur 14 Prozent gewesen. Die gestiegenen Zahlen haben auch damit zu tun, dass 17 Prozent der Firmen nun angaben, ganze Geschäftsfelder wegen der hohen Energiekosten aufgeben zu wollen.

Produktionsstopps und Verlagerungen ins Ausland

Darüber hinaus denken zahlreiche Managerinnen und Manager über Produktionsstopps nach, vielfach werden auch Verlagerungen von Fertigungsanlagen ins Ausland durchgespielt. Und mehr als die Hälfte der Befragten stellt sich darauf ein, Investitionen zu verschieben.

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Wie stark diese Tendenzen dann tatsächlich durchschlagen, ist noch nicht abzusehen. So hat sich bislang der Arbeitsmarkt als sehr robust gezeigt. Paul Smith, Finanzdienstleister S&P Global, erinnert daran, dass Personalabteilungen kürzlich sogar noch bereit waren – trotz Kostenexplosionen – freie Stellen neu zu besetzen. Aber immerhin hat die Bundesagentur für Arbeit kürzlich gemeldet, dass das Interesse und der Beratungsbedarf beim Kurzarbeitergeld in jüngster Zeit wieder spürbar gestiegen sei. Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen und Politik, jedenfalls warnt bereits vor einer „schleichenden Verlagerung von industrieller Wertschöpfung“. Dies werde langfristig zu einer unumkehrbaren Deindustrialisierung und zu Wohlstandsverlusten führen.

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Kurzfristig wird immer deutlicher, dass es mit der Wirtschaft in Deutschland schneller als vielfach erwartet nach unten geht. Der vielbeachtete Einkaufsmanagerindex des Finanzdienstleister S&P Global ist gerade mit rund 44 Punkten auf den niedrigsten Stand seit der Zeit des ersten Corona-Lockdowns zurückgegangen. Die Einschätzungen der Einkaufsmanager und Einkaufsmanagerinnen in der Privatwirtschaft gelten als verlässlicher Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung, da diese entscheiden müssen, welche und wie viele Vorprodukte und Materialien die Unternehmen einkaufen. Expertinnen und Experten hatten einen weniger starken Rückgang erwartet.

Schwäche auf breiter Front

Die Zahlen zeigten, dass sich die Talfahrt der deutschen Wirtschaft beschleunigt habe, so S&P-Experte Smith. Angesichts gesteigerter Schrumpfungsraten in der Industrie und bei Dienstleistern sowie rapide sinkender Neuaufträge zeige sich die Schwäche „auf breiter Front“. Die hohen Energiekosten verschärften die Situation zusätzlich, da sie den Inflationsdruck anheizten und sich in Unternehmen zugleich direkt auf die Produktion auswirkten.

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Ins Bild passt, dass es für die Firmen, die noch investieren wollen, schwieriger wird, an frisches Geld zu kommen. Knapp ein Viertel der Managerinnen und Manager, die gerade über Kredite verhandeln, berichten von wachsender Zurückhaltung bei den Bankerinnen und Bankern. So das Ifo-Institut in einer aktuellen Umfrage. „Die aktuell ungünstige Lage lässt die Banken vorsichtiger werden“, erläutert Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Für manche könne das Überleben ohne neue Kredite schwierig werden. Das gilt insbesondere für Soloselbstständige und Kleinstunternehmen: Jeder zweite Kreditsuchende berichte von Problemen bei der Geldbeschaffung. Dabei handelt es sich vielfach um Gesellschaften, die auf keine anderen Finanzierungsformen wie etwa Anleihen zurückgreifen können.

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