Studie zur Kreislaufwirtschaft

Alle wollen recyceln – doch bei der Umsetzung hapert es

Elektrogeräte sind auf dem Wertstoffhof Vaihingen der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) in einem Sammelcontainer untergebracht.

Elektrogeräte sind auf dem Wertstoffhof Vaihingen der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) in einem Sammelcontainer untergebracht.

Frankfurt am Main. Beschäftigte und Manager in der Industrie finden Recycling, Sharing, Reparieren und die möglichst lange Nutzung von Geräten gut. Wenn es aber ums Umsetzen von Konzepten für eine Kreislaufwirtschaft geht, sind Verunsicherung und Ratlosigkeit groß. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

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Auf dem COP27-Klimagipfel im ägyptischen Scharm el Scheich wird jeden Tag darum gerungen, wie der Ausstoß der Treibhausgase begrenzt werden kann. Die Umstellung auf klimafreundliche Energieträger steht im Vordergrund. Doch für Wissenschaftler ist längst klar, dass das nicht reicht. Enorm wichtig ist auch, den Ressourcenverbrauch massiv zu senken. Hier hapert es noch an allen Ecken und Enden. Der Circularity Gap Report, der weltweit den Grad der Kreislaufwirtschaft misst, geht davon aus, dass mehr als 90 Prozent der verarbeiteten Rohstoffe im Müll landen.

Große Mehrheit befürwortet Kreislaufwirtschaft

Aber immerhin sieht unter den Beschäftigten der hiesigen Industrie eine überwältigende Mehrheit in der zirkulären Wirtschaft eine wünschenswerte Zukunft. Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage, die vom Meinungsforschungsinstitut Civey durchgeführt wurde. So bejahten 88 Prozent der Befragten folgende Frage: „Wünschen Sie sich eine Wirtschaft, bei der Produkte möglichst bis zur maximalen Nutzungsdauer verwendet werden, anstatt nach kurzer Zeit entsorgt?“

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Zur Kreislaufwirtschaft gehört auch, den Einsatz von Geräten zu optimieren, indem sie von möglichst vielen Menschen so häufig wie möglich genutzt werden. Etwa Fahrzeuge – vom Tretroller bis zum Großtransporter. Und auch von den Ideen der „Sharing-Economy“ ist eine Mehrheit (57 Prozent) der Befragten überzeugt. Noch stärker ist die Zustimmung zum Teilen, Mieten und Leasen bei Entscheidern und Selbstständigen ausgeprägt. Rund 60 Prozent gehen davon aus, dass diese Geschäftsfelder in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

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Ein zweites Leben für Geräte aller Art

Eindeutig ist auch das Bild, wenn es um den Umgang mit Abfall geht. 51 Prozent der Führungskräfte stimmen uneingeschränkt der These zu, dass Müllvermeidung, Verwertung und Recycling für die Unternehmen wettbewerbsrelevante Themen sind. Weitere 13 Prozent sehen hier zumindest teilweise eine wachsende Bedeutung für die Unternehmen. Bei den Beschäftigten fallen die Zustimmungswerte etwas niedriger aus.

Für Armando Garcia Schmidt, Experte für Kreislaufwirtschaft in der Bertelsmann Stiftung, steht fest: „Es muss möglichst rasch zu einer echten Ressourcenwende kommen.“ Die Konzepte der Circular Economy böten die Chance, dass die Wirtschaft zur Triebkraft dieser Wende werde. „Nachhaltigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und eine hohe Resilienz kommen hier zusammen“, sagte Garcia Schmidt dem RND.

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Allerdings gibt es auch Defizite. Etwa beim Thema Ökodesign. Es geht darum, schon bei der Gestaltung von Produkten einzuplanen, dass sie repariert und nachgerüstet werden können. Oder dass sie nach einer ersten Nutzungsphase aufgearbeitet und in neuer Funktion eingesetzt werden – etwa wenn Batterien für Elektroautos, die an Leistung verloren haben, noch als stationäre Speicher für Sonnenstrom in den Keller gestellt werden. „Diese Herausforderung steht vielfach noch nicht auf dem Sorgehorizont der Entwicklungsabteilungen“, heißt es in der Studie. Nur knapp 23 Prozent der Erwerbstätigen gehen davon aus, dass sich für ihren Arbeitgeber neue Wertschöpfungspotenziale ergeben, wenn er verkaufte Produkte zurücknimmt und wiederaufarbeitet.

Befragt wurden 2500 Beschäftigte in Industrie, Produktion und Verarbeitung. Hinzu kamen repräsentative Stichproben unter Entscheidern und Selbstständigen. In dieser Gruppe sehen immerhin gut 30 Prozent geschäftliche Möglichkeiten im Refurbishing (was auf Deutsch Aufmöbeln bedeutet).

Wer soll die Impulse geben?

Wenn es konkret ums Umsetzen geht, ist vielfach Ratlosigkeit erkennbar. Fast die Hälfte antwortet auf die Frage nach einem Impulsgeber für mehr Ressourceneffizienz entweder mit „weiß nicht“ oder macht deutlich, dass keine von sechs Antwortoptionen dies gewährleisten kann. Darüber hinaus fanden fünf der vorgeschlagenen Optionen Zustimmungswerte um die 20 Prozent. Vorne lagen „höhere Nachfrage nach nachhaltigen Produkten“ und „starke Steigerung der Rohstoffpreise“. Eine Beschränkung des Rohstoffverbrauchs durch den Staat – beispielsweise mittels Ordnungsrecht – halten nur 7 Prozent für sinnvoll.

Für Christian Schilcher von der Bertelsmann Stiftung ist klar: „Ohne Mut und Gestaltungswillen werden Prozesse der zirkulären Wertschöpfung nur langsam und wenig spürbar an Bedeutung gewinnen.“ Es brauche jetzt entschlossenes Handeln. Doch auch die Politik müsse den richtigen Rahmen setzen. In der laufenden Legislaturperiode will die Ampelkoalition eine Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie auf den Weg bringen. „Sie sollte ambitioniert sein“, fordern die Autoren der Studie.

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