Entlastung erst ab dem Frühjahr erwartet

Nicht nur Gas: Speiseöl und Milch treiben die Inflation in die Höhe

Lebensmittel liegen in einem Einkaufswagen in einem Supermarkt.

Lebensmittel liegen in einem Einkaufswagen in einem Supermarkt.

Frankfurt am Main. Es war nicht nur die teure Energie. Es waren mehr denn je auch die steigenden Nahrungsmittelpreise, die die Inflation auf einen neuen Höchststand im vereinigten Deutschland getrieben haben. 10,4 Prozent haben die Fachleute des Statistischen Bundesamtes (Destatis) für Oktober im Vergleich zum Vorjahresmonat gemessen. Und die Perspektiven für die nächsten Monate sehen ähnlich düster aus.

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In der aktuellen Destatis-Rangliste mit den höchsten Aufschlägen rangiert die Rubrik „Sonnenblumenöl, Rapsöl oder Ähnliches“ weit vorne, und zwar noch vor dem Erdgas. Das Plus zum Vorjahr macht 80,8 Prozent aus. Preise für Speiseöle hatten schon in den Wochen unmittelbar nach dem Beginn des Ukrainekrieges für Schlagzeilen gesorgt. Die Lage entspannte sich zwischenzeitlich. Doch jetzt rollt eine zweite Welle. Was ebenfalls mit dem Krieg zusammenhängt.

Rapsöl für den Tank

Die EU will sich demnächst weitgehend von Erdöl- und Dieselimporten aus Russland unabhängig machen. Das hat nicht nur die Preise für den Selbstzünder-Kraftstoff erhöht. Auch die Notierungen für Raps profitierten von „einer sehr dynamischen Nachfrage der Biokraftstoffindustrie in Europa“, schreibt der Informationsdienst Agrar heute.

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Der Agro-Kraftstoff bietet sich zusehends als preiswerte Beimischung zum fossilen Diesel an. Ein weiterer Faktor seien geringe Überhangbestände an Raps in Europa.

Schon Anfang September schnellten die Preise in die Höhe, und sie haben sich auf diesem Niveau gehalten. Raps wurde am Freitag für um die 640 Euro pro Tonne an der Pariser Agrarbörse gehandelt. Vor einem Jahr war das schwarze Getreide für rund 100 Euro weniger zu haben. Bei all dem spielt auch eine Rolle, dass der Euroraps derzeit international sehr begehrt ist, da er trotz der jüngsten Aufschläge auf dem globalen Markt noch relativ billig ist. Begünstigend kommt hinzu, dass sich der Dollar zum Euro zuletzt etwas schwächer präsentierte, was die finanziellen Spielräume der europäischen Exporteure verbessert.

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Die Europäer füllen überdies eine Lücke, die die US-Agrarindustrie aufgrund ungünstiger Umstände unfreiwillig aufgemacht hat. Wegen niedriger Wasserstände auf dem Mississippi sei die Exportfähigkeit der US-Farmer bei Soja und anderem Getreide eingeschränkt, sagte Greg Heckman, Geschäftsführer des Getreidehändlers Bunge, der Nachrichtenagentur Reuters. Mehr europäische Exporte der Ölsaaten verringern das Angebot auch hierzulande und treiben die Preise in die Höhe. Beim Sonnenblumenöl kommt hinzu, dass die Ukraine als einer der einst weltweit größten Exporteure weitgehend ausfällt.

In der Destatis-Rangliste mit der stärksten Teuerung sind zudem Milch und eine Reihe von Molkereiprodukten verzeichnet. Hier kommt zum Tragen, dass deutsche Bauern derzeit die höchsten Rohmilchpreise innerhalb der EU erzielen. Der Milchindustrieverband geht davon aus, dass in diesem Jahr am Ende ein Durchschnittspreis von mehr als 50 Cent pro Kilogramm zu Buche schlägt – wegen eines begrenzten Angebots. „Agrar heute“ berichtet, dass vor allem im Süden die Anlieferungen spürbar zurückgegangen seien. Immer mehr Auflagen und hohe Kosten seien die Ursachen dafür. Zusätzliche Anforderungen ans Tierwohl kämen hinzu. Auf die deutschen Verbraucher könnten weitere Preissteigerungen zukommen.

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Entspannung könnte mit der Gaspreisbremse kommen

Destatis betont denn auch, dass der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln fast doppelt so hoch wie die Gesamtteuerung ausgefallen sei. Der Auftrieb habe sich hier seit Jahresbeginn sukzessive verstärkt.

Die Teuerung bei der Energie lag nach den Berechnungen der Wiesbadener Statistiker im Oktober insgesamt bei 43 Prozent gegenüber dem Niveau von 2021. Die von der Ampelkoalition abgesenkte Umsatzsteuer für Erdgas und Fernwärme (von 19 auf 7 Prozent) habe die Preisanstiege nur abmildern können. Die Behörde weist beim Erdgas (inklusive Betriebskosten) für Oktober ein Plus von knapp 80 Prozent zum Vorjahr aus.

Für Sebastian Dullien, Direktor des gewerkschaftsnahen Forschungsinstituts IMK, ist diese Entwicklung keine Überraschung: „Bei den Energiepreisen schlägt zunehmend durch, dass die Versorger die gestiegenen Gaspreise an die Privathaushalte weitergeben“, sagte Dullien dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Inflation in Deutschland steigt im Oktober auf 10,4 Prozent

Die Inflation in Deutschland hat im Oktober die Marke von 10 Prozent überschritten. Die Verbraucherpreise legten gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich zu.

Der Wirtschaftswissenschaftler rechnet für November mit einer weiter hohen Inflationsrate oberhalb der 10 Prozent. Die Übernahme der Abschlagszahlung auf Erdgas dürfte dann im Dezember zu einem vorübergehenden Rückgang unter 10 Prozent führen, danach werde die Inflation wieder über diese Marke springen.

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Nachhaltige Entlastungen für die Verbrauchenden seien erst ab dem Frühjahr 2023 mit dem Inkrafttreten der zweiten Stufe der Gaspreisbremse zu erwarten, die die Kosten der Privathaushalte für 80 Prozent des geschätzten Verbrauchs auf 12 Cent heruntersubventioniert. „Die Chancen sind gut, dass damit ab März zweistellige Inflationsraten für Deutschland endgültig der Vergangenheit angehören“, so Dullien. Für 2023 sei dann mit deutlich niedrigeren Inflationsraten als in diesem Jahr zu rechnen.

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