Zukunftstechnologie auf Sparflamme

Kaum künstliche Intelligenz in Deutschland: Zwei von drei Firmen sehen keinen Bedarf

Hochleistungsrechner können riesige Mengen von Daten verarbeiten – das ist die Voraussetzung, um auf dem Forschungsgebiet der Künstlichen Intelligenz überhaupt mithalten zu können.

Hochleistungsrechner können riesige Mengen von Daten verarbeiten – das ist die Voraussetzung, um auf dem Forschungsgebiet der künstlichen Intelligenz überhaupt mithalten zu können.

München. Das in Deutschland ohnehin nur zarte Pflänzchen der künstlichen Intelligenz (KI) droht zu verdorren. „Viele Unternehmen sind aktuell gezwungen, in einen Krisenmodus zu schalten“, bedauert Achim Berg. Er ist Chef des deutschen Digitalverbands Bitkom, der gerade eine Studie zur KI-Nutzung in der heimischen Wirtschaft gemacht hat. Ihre Ergebnisse haben selbst den Digitalexperten negativ überrascht. „Nur 9 Prozent setzen KI im eigenen Betrieb ein“, referiert Berg das Kernergebnis. Vor einem Jahr waren es 8 Prozent. Auch dieser geringe Fortschritt droht aber nun vollends zu versanden. Nur noch jedes vierte Unternehmen plane mit KI, vor einem Jahr sind es noch 30 Prozent gewesen. Für fast zwei von drei Betrieben ist die Zukunftstechnologie gar kein Thema mehr.

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Berg stimmt das besorgt. Die Technologie entwickle sich derzeit rasant und halte in immer mehr Unternehmensbereiche Einzug, wobei auch deutsche Anbieter führend mit dabei seien. „Rückstand haben wir in der Anwendung“, stellt der Bitkom-Chef klar. Das räumen deutsche Firmen auch selbstkritisch ein. Über acht von zehn sehen sich in einer repräsentativen Umfrage bei KI als Nachzügler oder fürchten, den Anschluss schon vollends verloren zu haben. Als international bei Weitem führend bei KI-Anwendungen zum Prozessmanagement, im Marketing oder in Einkauf und Buchhaltung sehen sie dagegen US-Firmen und Konkurrenten in China an.

Dabei hat sich die Einschätzung der deutschen Position im Vergleich zu einer Vorgängerstudie 2021 sogar verschlechtert. Berg hält die kritische Selbstanklage für weitgehend gerechtfertigt, schätzt global aber chinesische Firmen noch vor denen in den USA. Deutschland sieht auch er weit zurück, wenn auch nicht als hoffnungslosen Fall.

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„Größtes Hindernis ist der Mangel an KI-Experten und Rechtsunsicherheit im Umgang mit Daten“, betont Berg und unterstützt damit entsprechende Klagen der Firmen. „Daten sind für KI wie das Wasser für einen Schwimmer“, erklärt der Experte. Ohne Analyse möglichst großer Datenbestände sei die beste KI trockengelegt. Die EU diskutiere aber immer noch über einen entsprechenden Rechtsrahmen für KI, während Firmen in China und den USA die Technologie KI längst umfassend einsetzen würden.

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Wer in Krisen an Innovationen spart, geht als Verlierer aus ihnen hervor

„Das Know-how wäre in Deutschland da“, betont Berg und verweist auf KI-Vorzeigefirmen wie Celonis, dem mit knapp 13 Milliarden Euro mittlerweile wertvollsten deutschen Start-up-Unternehmen. Auch deutsche Chatbot-Firmen, deren KI autark Kundenanfragen oder Reklamationen bearbeitet, sind international gefragt, während in Deutschland Zurückhaltung herrscht. Wer in Krisen, wie der jetzt von Inflation und Energiepreisen ausgelösten, bei Innovationen spart, komme nur noch schwer aus ihr hervor, warnt Berg. Das habe in Pandemiezeiten die Digitalisierung gezeigt. Wer auf sie gesetzt und investiert hat, sei jetzt ein Gewinner.

KI dagegen drohe nun in Deutschland auf der Strecke zu bleiben. Nur 6 Prozent aller befragten Firmen hätten angegeben, dieses Jahr in KI zu investieren. Berg appelliert an die Politik, endlich Rechtssicherheit für KI-Anwendungen zu schaffen, um damit wenigstens eines der beiden Haupthindernisse zu beseitigen. Nicht so schnell könne es dagegen gelingen, per Ausbildung und Zuwanderung den Experteninnen- und Expertenmangel zu beseitigen, räumt er ein.

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