Fracht im Wert von 2 Milliarden Dollar

30 Tanker mit Flüssiggas stauen sich vor der europäischen Küste

Hoffnungsträger LNG: Ein Tanker wird in Katar mit Flüssiggas befüllt.

Ein Tanker wird in Katar mit Flüssiggas befüllt (Archivfoto).

Wegen des russischen Gaslieferstopps haben zahlreiche europäische Länder ihre Erdgasspeicher in den vergangenen Monaten nahezu komplett gefüllt – in Deutschland betrug der Füllstand zuletzt 99,71 Prozent, EU-weit 95,39 Prozent. Das bleibt nicht folgenlos: Mehr als 30 Tanker mit Flüssigerdgas (LNG) liegen zurzeit vor der europäischen Küste und warten darauf, dass die Nachfrage und damit die Preise wieder steigen. Allein in den vergangenen zwei Monaten habe sich die Zahl der Schiffe verdoppelt, berichtete zuletzt die „Financial Times“ unter Berufung auf das Schifffahrtsanalyse-Unternehmen Vortexa.

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Die Tanker transportierten demnach LNG im Wert von 2 Milliarden US-Dollar. Weitere 30 Schiffe überquerten zudem derzeit den Atlantik und würden sich voraussichtlich vor dem Winter in die Warteschlange einreihen, heißt es weiter.

„Tatsächlich wirken sich die aktuell hohen Speicherfüllstände in ganz Europa, die im Verhältnis milde Witterung sowie auch eine gesunkene Nachfrage seitens der industriellen Verbraucher kurz- und mittelfristig auf die aufgerufenen Preise aus“, so Lennart Richter vom Branchenverband Zukunft Gas. Daher bestehe aktuell ein Überangebot an Flüssigerdgas in Europa. „Schiffe können teils bereits nicht mehr entladen werden.“ Richter warnt jedoch: „Insgesamt kann sich die Situation schnell wieder ändern, wenn die Temperaturen anhaltend sinken.“

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Flüssiggas: Schlechte Klimabilanz?

Zudem fehle es an Terminals, um das Flüssiggas anzulanden, an Regasifizierungsanlagen, die das Flüssiggas aus den Schiffen zu Gas aufbereiten und an Pipelines, mit denen das Gas in die Speicher und zu den Kunden und Kundinnen gebracht werden könnte. „Das Grundproblem ist eine mangelnde Integration der europäischen Energiemärkte“, sagte der CDU-Energiepolitiker Christian Ehler dem „Handelsblatt“. „Wir müssen mehr investieren.“

Auf ein weiteres Problem beim LNG weist Tore Guldbrandsøy vom norwegischen Energieforschungsunternehmen Rystad Energy hin: Das Flüssigerdgas habe eine weitaus schlechtere Klimabilanz als konventionelles Erdgas, da es zunächst eingefroren und dann per Schiff transportiert werden müsse, sagte er dem norwegischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk NRK. Das führe zu zehnmal höheren Emissionen als über Pipelines aus Norwegen transportiertes Gas und etwa dreimal so viel wie aus Russland geliefertes Gas. „Wir erwarten, dass die CO₂-Emissionen im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 um 15 Millionen Tonnen steigen werden. Im Folgejahr könnten sie um weitere 20 Millionen Tonnen CO₂ steigen, wenn das gesamte russische Gas durch LNG aus den USA und anderen LNG-produzierenden Ländern ersetzt wird“, so Guldbrandsøy.

Russland liefert seit dem 1. September kein Gas mehr nach Deutschland. Derzeit erhält die Bundesrepublik Gas über Pipelines aus Norwegen, Belgien, den Niederlanden und Frankreich. Zum Jahreswechsel sollen an der deutschen Nord- und Ostseeküste drei Terminals zur Anlandung von verflüssigtem Erdgas (LNG) in Betrieb genommen werden.

RND/seb, mit dpa

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