BP leidet weiter unter Corona – und sucht nach Alternativen zum Öl

Der britische Ölkonzern BP hat angesichts einer mauen Ölnachfrage in der Corona-Krise rote Zahlen eingefahren.

Der britische Ölkonzern BP hat angesichts einer mauen Ölnachfrage in der Corona-Krise rote Zahlen eingefahren.

Chef eines Ölmultis zu sein ist derzeit kein angenehmer Job. BP-Boss Bernard Looney bemühte sich am Dienstag, dennoch einen optimistischen und zupackenden Eindruck zu hinterlassen. „Unsere Priorität ist jetzt trotz einer herausfordernden Lage das Umsetzen“, sagte der Manager bei der Präsentation der aktuellen Geschäftszahlen. Herausfordernd sind für den britischen Konzern vor allem die aktuell niedrigen Preise für Sprit. Mit dem Umsetzen ist der Großumbau des mehr als 100 Jahre alten Unternehmens in einen integrierten Energieanbieter gemeint.

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Zu BP gehört auch Aral, der hiesige Marktführer im Tankstellengeschäft. An den knapp 2400 Stationen wurden am Dienstag Diesel und Benzin extrem günstig angeboten. Nach den Daten des Verbraucherportals Clever Tanken rutschte der bundesdeutsche Durchschnittspreis für den Kraftstoff der Selbstzünder knapp unter die Marke von einem Euro. Super E10 war für 1,19 Euro zu haben. Die Gewinnspannen im Raffineriegeschäft – also dem Verarbeiten des Rohöls und dem Verkauf der daraus erzeugten Produkte – hätten im dritten Quartal auf historischen Tiefstwerten gelegen, so BP. In der Zwischenbilanz machte sich das in einem Verlust von 450 Millionen Dollar (381 Millionen Euro) für die drei Monate von Juli bis September bemerkbar. Nur durch die Höherbewertung von Ölreserven konnte der Konzern einen kleinen Gewinn von 86 Millionen Dollar vorweisen. Das wirkt so, als hätte Looney viel darangesetzt, den Anlegern eine schwarze Zahl zu zeigen. Was diese dann auch immerhin mit einer kleinen Kurssteigerung für die BP-Aktie goutierten.

Corona sorgt in der ganzen Ölbranche für Einbrüche

In der Vorjahreszeit war aber noch ein Profit von 2,25 Milliarden Dollar zusammengekommen. Die Covid-Pandemie hat nicht nur bei BP, sondern in der gesamten Ölbranche zum tiefsten Einschnitt seit Jahrzehnten geführt. Mit der Folge, dass die Briten im zweiten Quartal, während des globalen Lockdowns, einen Rekordverlust von 16,8 Milliarden Dollar verbuchen mussten – weil die Werte vieler Vermögens­gegenstände nach unten korrigiert werden mussten. Und die nähere Zukunft sieht nicht unbedingt rosiger aus. Der Ausblick für die Raffineriemargen bleibe herausfordernd, in Anbetracht von vollen Rohöllagern und einer Abschwächung der Nachfrage­erholung wegen der erneuten Ausbreitung des Covid-Virus, heißt es im Zwischenbericht.

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Durch die neuen Einschränkungen in vielen Ländern wird zumindest in den nächsten Wochen weniger Kraftstoff für Flieger und Fahrzeuge gebraucht – wer dennoch auf seinen Pkw angewiesen ist, wird sich in naher Zukunft wohl über günstige Spritpreise freuen dürfen. Auch von Managern anderer Ölriesen, die in den nächsten Tagen Geschäftszahlen vorlegen wollen, waren schon Klagelieder zu hören: Die Raffineriemargen seien absolut schrecklich, sagte gerade Patrick Pouyanné, Chef der französischen Total. Die Performance im Handel mit Treibstoffen und Heizöl habe im dritten Quartal unter dem Durchschnitt gelegen, so der Shell-Konzern.

BP will 2050 klimaneutral sein

Wohl und Wehe der Konzerne hängt vom Ölpreis ab. Und da sind die Unsicherheiten groß. Im BP-Ausblick für das nächste Jahr wird zwar darauf hingewiesen, dass die Internationale Energieagentur eine Ausweitung der Nachfrage um sechs Millionen Fass (159 Liter) pro Tag auf dann etwa 96 Millionen Fass erwartet, allerdings unter der Voraussetzung, dass die Wirtschaft wieder aufdreht. Eine wichtige Rolle werde ferner die Opec+ spielen. Das Ölkartell nebst Russland hat die Förderung gekürzt, aber einige Mitglieder haben mehr Öl offeriert, als sie eigentlich sollen. Die Not ist in vielen Ländern groß, deshalb wird auch über eine neuerliche Ausweitung der Förderung verhandelt, was die Preise aber ins Rutschen bringen könnte, zumal Libyen gerade wieder seine Förderkapazitäten erhöht hat.

Looney will trotz all dieser Fährnisse den Umbau des Konzerns weiter vorantreiben. So sei geplant, die Sparte Petrochemie noch in diesem Jahr loszuschlagen, was 5 Milliarden Dollar in die Kasse spülen soll. Insgesamt sind bis zum Jahr 2025 Verkäufe von Konzernteilen im Wert von 25 Milliarden Dollar geplant. Parallel dazu soll schon bald gemeinsam mit dem norwegischen Staatskonzern Equinor damit begonnen werden, Windräder vor der US-Ostküste zu errichten. BP will der schottischen Polizei 1000 Ladepunkte für E-Autos hinstellen. Und unter anderem sollen Rechenzentren des IT-Riesen Microsoft von BP mit erneuerbarem Strom versorgt werden. Schließlich plant der Konzern, seine Investitionen in klimafreundliche Projekte in den nächsten zehn Jahren zu verzehnfachen. Gleichzeitig soll die Gewinnung von Energie aus fossilen Quellen bis 2030 um 40 Prozent reduziert werden. Und 2050 soll das Unternehmen klimaneutral sein.

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Tankstellen sollen zu Mobilitäts­stationen umgebaut werden

Und was wird dann mit den knapp 2400 hiesigen Aral-Tankstellen? Die sollen zu Mobilitäts­stationen umgebaut werden. So ist vorgesehen, dort ultraschnelle Ladestationen zu installieren. Auch E-Scooter oder Carsharing-Fahrzeuge könnten dort künftig bereitstehen, so Looney kürzlich in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. Minisupermärkte spielten in dem Konzept zudem eine entscheidende Rolle. Der große Vorteil der Aral-Tankstellen: Sie sind in den Städten an Standorten mit hohem Verkehrsaufkommen positioniert und eignen sich deshalb auch für diverse neue Mobilitätsangebote.

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