E-Bikes: Wie Audi, BMW, Porsche und Seat Imagepflege auf zwei Rädern betreiben

In Kooperation mit Storck und Greyp hat die Porsche-Tochter Porsche Digital die E-Bike-Marke Cyklær entwickelt.

Seat ist im Volkswagenkonzern so etwas wie die Marke für den sportlichen Fahrer, der es durchaus auch etwas unkonventioneller mag. Und dass die Spanier ein Händchen haben für entsprechendes Design, das beweisen sie nicht nur mit ihren Automodellen, sondern nun auch mit dem Seat Mo E-Scooter 125. Ob der Elektroroller tatsächlich von den Seat-Autos „optisch Designelemente aufnimmt“, wie es im firmeneigenen Marketing-Sprech heißt, sei dahingestellt. Dass der Mo E-Scooter 125 aber blendend und zudem als echtes Cleverle dasteht, ist unbestritten.

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„Akkus auch von kleineren Zweirädern sind, wenn sie höhere Reichweiten ermöglichen sollen, schwer und meist nicht entnehmbar, Seat aber hat eine tolle, benutzerfreundliche Lösung gefunden“, sagt Professor Werner Hagstotz. Zwar wiege der Akku des Seat-Scooters stolze 41 Kilo, „ausklappbare Rollen und ein Teleskopgriff am Akku aber sorgen dafür, dass er sich wie ein Trolly handhaben lässt“, so Hagstotz, der mit seinem Marktforschungsinstitut seit zwanzig Jahren auch für etliche große Motorrad- und Automobilhersteller arbeitet.

Elektromobilitätexperte: Markt der Elektrozweiräder für den urbanen Bereich boomt

Längst bieten auch viele andere Autohersteller, unter anderem Mercedes, Peugeot oder Jeep elektrifizierte Zweiräder vom Fahrrad über den Roller bis zum Scooter an. Das ganz große Geld dürfte mit den meist in Kleinserien aufgelegten Fahrzeugen angesichts der Konkurrenz durch die etablierten Marken der Zweiradindustrie wohl nicht zu verdienen sein. „Das aber ist wohl auch nicht die Absicht“, vermutet Constantin Hack. „Der Markt der Elektrozweiräder für den urbanen Bereich boomt, da wäre es doch merkwürdig, wenn sich die Autohersteller jetzt, wo man den Schritt zur E-Mobilität endlich vollzogen und das Knowhow hat, nicht darum kümmern und ein solches Instrument der Kundenbindung einfach links liegen lassen würden“, so der Experte für Elektromobilität beim Auto Club Europa (ACE).

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Josef Reitberger pflichtet Hack bei. „Die Autohersteller sind heute nicht nur mit der Energiewende beschäftigt, sondern auch mit der notwendigen Mobilitätswende.“ Der Chefredakteur des Onlineportals „efahrer.com“ sieht das Engagement auf dem Zweiradsektor „als Signal dafür, dass man verstanden hat, worauf es heute ankommt.“ Und das lässt sich zusammenfassen unter „Kundenbindung plus Imagepflege durch ein grünes Image“, wie Hagstotz formuliert. Reitberger wiederum erinnert daran, „dass Hersteller, wie etwa Opel oder Peugeot, im späten 19. Jahrhundert als Fahrradhersteller begonnen oder zumindest zunächst Fahrräder und erst später Autos produziert haben.“

Cyklær: Neue E-Bike-Marke von Porsche-Digital, Storck und Greyp entwickelt

Auf eine solche Tradition kann Porsche nicht zurückblicken. Nichtsdestotrotz ist man in Sachen Elektrofahrrad gut aufgestellt. So hat sich die Porsche-Tochter Porsche Digital mit Storck und Greyp zwei Hersteller hochwertiger und hochpreisiger (Elektro-)Fahrräder und mit Fazua zudem einen Hersteller von Elektromotoren für Fahrräder ins Boot geholt. Resultat dieser Kooperation ist mit Cyklær eine völlig neue E-Bike-Marke, deren Räder rund 7000 Euro kosten.

„Das Cyklær-Fahrrad ist unser erster Schritt in einen vielversprechenden und schnell wachsenden Markt“, so Florian Rothfuss. Man werde künftig weitere digitale Angebote rund um das Fahrraderlebnis anbieten und zu einer Plattform zusammenführen. Denn „unser Ziel ist es, das Radfahren insgesamt vernetzter, sicherer und komfortabler zu gestalten“, so der Leiter Customer Innovation von Porsche Digital kürzlich.

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Allein, was manch einer vermissen könnte, ist der Porsche-Schriftzug auf dem Rahmen. Wer für viel Geld ein Porsche-Fahrrad kauft, der will, dass man dies auch als solches erkennt“, so Hack. Zum Glück kann auch dem besonders imagebewussten Porsche-(Fahrrad-)Fahrer geholfen werden.

Schon seit Anfang des Jahres bietet Porsche auch unter eigenem Markennamen E-Bikes an. Das Design stammt von einer weiteren Porsche-Tochter, der Porsche Lizenz- und Handelsgesellschaft mbH & Co. KG, und soll, so die Marketingexperten von Porsche, die Formensprache des Taycan sprechen. Auch wenn hier wohl ebenfalls der Wunsch Vater des Gedankens war, so sind die Bikes dank einer weiteren Kooperation, hier mit dem deutschen Highend-E-Bike-Hersteller Rotwild, über jeden Zweifel erhaben.

Experte: „BMW ist in den boomenden Markt für Cargo-Bikes eingestiegen“

„Mindestens 10.000 kostet ein solches Porsche-Bike“, weiß Reitberger, der in diesem besonderen Fall durchaus glaubt, dass hier Gewinn gemacht wird. „Ich halte diese Räder sogar für eine Gelddruckmaschine“, so der Journalist, „denn, etwas übertrieben gesagt, muss man lediglich den Porsche-Schriftzug auf den Rahmen pappen, und schon hat man dank der E-Bike-Kompetenz von Rotwild ein sehr hochwertiges E-Bike unter eigenem Namen“.

Überzeugender als das Engagement von Porsche, das eher auf den Freizeitsektor abzielt, findet Hagstotz allerdings den Schritt, den BMW gegangen ist. „BMW ist in den boomenden Markt für Cargo-Bikes, für Lastenräder, eingestiegen, auf dem jetzt nicht nur Zweiräder-, sondern auch drei oder gar vierrädrige Fahrzeuge ins Spiel kommen“. So sei das Concept Dynamic Cargo-Bike „eine superspannende Sache“, so Hagstotz. Auch BMW setzt hier auf einen bekannten Fahrradhersteller, auf Cube.

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Man wolle mit dem Concept Dynamic Cargo-Bike das klassische Cargo-Bike revolutionieren, schreibt das Fahrradmagazin „Downtown“. Eine Revolution, die über den Einsatz eines dritten Rades deutlich hinausgeht. „Es handelt sich hier um ein Dreirad mit Neigetechnik. Das heißt, dass man, wie mit einem Motorrad, Kurven in Schräglage durchfahren kann. Das bringt nicht nur Fahrspaß, sondern auch mehr Sicherheit“, erklärt der Marketingexperte.

Concept Dynamic Cargo-Bike: Lastenrad soll Ende 2022 verfügbar sein

Noch handelt es sich, der Name sagt es schon, beim Concept Dynamic Cargo-Bike aber um einen Prototyp, eine Studie. Ende 2022 solle das verkaufsfertige Lastenrad dann „ab einem Preis von etwa 6000 Euro für den Endkunden verfügbar sein“, wie „Downtown“ berichtet. Was Studien per se betrifft, ist Hack allerdings eher ernüchtert. „Aus einer Studie kann eine ewig währende Veranstaltung werden, das heißt, zur Serienreife kommt es dann nie.“ Audi habe vor einigen Jahren den e-tron-Scooter vorgestellt, eine Kombination aus E-Scooter und Skateboard, „die mich als Skatebordfahrer sehr angesprochen hat.“ Wegen der Elektro-Kleinstfahrzeug-Verordnung aber, die eine Haltestange vorsieht, sei dieses Skateboard zunächst nicht zulassungsfähig gewesen.

Audi habe diese Stange nachträglich zwar integriert und für 2020 die Marktreife angekündigt, „nun aber steht bereits 2022 vor der Tür, und auf dem Markt ist es um dieses Projekt still geworden“, so der Fachmann des ACE. Dabei halte man beim ACE den e-tron-Scooter für das interessanteste Konzept bei den Scootern. „So ein Fahrzeug bräuchte nach unserer Einschätzung noch nicht einmal ein ‚Audi-Image‘ – es stünde für sich allein“, sagt Hack, der bedauert, „dass aus dieser Idee nichts wurde“.

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