Wegen EU-Regelung: Umweltaktivisten und Airlines kämpfen gemeinsam gegen leere Flugzeuge

Ein Airbus A321-200 der Lufthansa wird auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens vor dem Start mit einem Frostschutzmittel besprüht.

Selbst in normalen Zeiten ist das Fliegen wegen der dabei verursachten Emissionen umstritten. Insofern ist es klimapolitisch absurd, was sich an wichtigen europäischen Drehkreuzen abspielt: Fluggesellschaften müssen Tausende Maschinen starten lassen, obwohl dies in Zeiten der Pandemie nicht einmal wirtschaftlich sinnvoll ist. Grund dafür ist eine Vorgabe aus Brüssel.

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Seit Beginn der Corona-Krise hat die Branche zu kämpfen. Wegen der hoch ansteckenden Omikron-Variante ist die Nachfrage nach Flugreisen erneut eingebrochen. Weil die Beförderung von Passagieren auf vielen trotzdem bedienten Routen zur Nebensache geworden ist, gibt es im Streit um die Landeslots-Regelung eine ungewöhnliche Verteilung der Rollen: Umweltaktivisten und große Airlines machen gemeinsam Druck auf die Europäische Union, die sich sonst gerne als ein globaler Vorreiter beim Klimaschutz gibt.

„Die EU befindet sich wirklich in einem Klima-Notfallmodus“, schrieb die Aktivistin Greta Thunberg diese Woche sarkastisch auf Twitter und verlinkte einen Bericht, in dem es um unnötige Flüge von Brussels Airlines ging. Die zum Lufthansa-Konzern gehörende Fluggesellschafthatte erklärt, dass sie diesen Winter etwa 3000 Flüge durchführen müsse, die primär zur Wahrung von Netzwerkrechten dienen würden, wenn die EU keine Ausnahmeregelung vorlege.

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Lufthansa im Winter mit 18.000 „unnötigen“ Flügen

Die Lufthansa selbst hat angegeben, sie werde diesen Winter insgesamt 18.000 „unnötige“ Flüge anbieten müssen, nur um die für das Gesamtangebot wichtigen Landeslots nicht zu verlieren. Dabei ist der Flugplan für die kommenden Monate ohnehin schon stark ausgedünnt. Denn nach einem kurzen Anstieg der Passagierzahlen rund um die Weihnachtszeit dürfte es wegen der weltweiten Ausbreitung der Omikron-Variante noch einige Zeit dauern, bis die Nachfrage nach Flügen wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht.

Start- und Landerechte für wichtige Routen gelten in der Luftfahrtbranche als ein äußerst kostbares Gut. Und um ihre Ansprüche darauf zu behalten, müssen Fluggesellschaften auf diesen Routen die möglichen Slots zu einem hohen Prozentsatz auch tatsächlich bedienen. Deswegen werden Flüge zu beliebten Zielen oft auch dann aufrechterhalten, wenn sie den Unternehmen Verluste bescheren.

Dies war schon vor Beginn der Pandemie gängige Praxis – trotz massiver Kritik wegen der damit verbundenen Umweltverschmutzung. Der durch Reisebeschränkungen und andere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verursachte Einbruch der Fluggastzahlen hat die Praxis jedoch ins Absurde geführt.

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Airlines kritisieren Leerflug-Praxis

Normalerweise müssen Airlines mindestens 80 Prozent der ihnen zugeteilten Slots nutzen, um ihre Rechte zu wahren. Die EU hatte die Grenze auf 50 Prozent heruntergesetzt, um während der Pandemie die Zahl der leeren oder halbleeren Maschinen im europäischen Luftraum zu reduzieren. In den USA wurde eine ähnliche Anpassung vorgenommen. Im Dezember, als die Corona-Zahlen zunächst rückläufig waren, bestätigte die EU-Kommission zwar die 50-Prozent-Regelung, kündigte aber für Ende März eine Erhöhung auf 64 Prozent an.

Große europäische Fluggesellschaften wie Lufthansa, Air France und KLM fordern angesichts der Ausnahmesituation aber zusätzliche Flexibilität, gerade im Hinblick auf die Vorgaben bezüglich der Start- und Landerechte. „Ohne diese krisenbezogene Flexibilität sind Airlines gezwungen, mit fast leeren Flugzeugen zu fliegen, nur um ihre Slots zu sichern“, hieß es in einem Lufthansa-Statement. Auch die niederländische KLM beklagte, dass sie sonst vor der schwierigen Entscheidung stünde, entweder mit halbleeren Maschinen zu fliegen oder wegen Stornierungen ihre Slots zu verlieren.

Verkehrsminister der Staaten wollen EU-Regel ändern

Auch die EU steht damit allerdings vor einer schwierigen Entscheidung. Auf der einen Seite muss sie dafür sorgen, dass im Kampf um die begehrten Slots ein fairer Wettbewerb gewahrt bleibt: Wenn die großen Fluggesellschaften ihr Angebot zurückschrauben, sollten unter normalen Umständen andere Marktteilnehmer eine Chance bekommen, Verbindungen zu übernehmen. Auf der anderen Seite gilt es, die klimaschädlichen Flüge so weit wie nur möglich zu begrenzen, wenn sie nicht einmal gebraucht werden.

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Die EU-Verkehrskommissarin Adina Valean räumte im Dezember zwar ein, dass die Bedrohung durch Omikron für die Reisebranche ein großes Problem sei. Eine Anpassung der Regelungen stellte sie aber bis Donnerstag nicht in Aussicht. Der belgische Verkehrsminister Georges Gilkinet hat Valean deswegen scharf kritisiert und seine Amtskollegen aus anderen EU-Staaten aufgefordert, sich seiner Initiative anzuschließen und den Druck zu erhöhen. „Die enorme Verschmutzung, die durch diese Flüge verursacht wird, läuft den Klimazielen der EU völlig zuwider“, schrieb Gilkinet in einem Brief, der der Nachrichtenagentur AP vorliegt.

RND/AP

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