Fonds oder Police: Was ist die sicherere Anlage fürs Alter?

Lebensversicherungen sind nicht mehr so attraktiv wie früher.

Lebensversicherungen sind nicht mehr so attraktiv wie früher.

Die Versicherer versuchen, ihr wichtigstes Produkt mit neuen Policen zu retten: Weil es immer schwerer wird, den Kunden gleichzeitig Sicherheit und Rendite zu bieten, schrumpfen in neuen Tarifen die Garantien. Immer öfter ist nicht einmal die volle Rückzahlung des eingezahlten Spargelds sicher – in der Hoffnung, dass sich mit mehr Risiko höhere Erträge für die Kunden erwirtschaften lassen.

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Wer zur Vorsorge spart, muss am Ende mindestens rausbekommen, was er einmal einbezahlt hat.

Hermann-Josef Tenhagen,

Chefredakteur Finanztip

Die Meinungen darüber gehen allerdings auseinander. Hermann-Josef Tenhagen und Guido Bader stehen an verschiedenen Enden des Spektrums. Tenhagen ist als Chefredakteur des gemeinnützigen Portals Finanztip anerkannter Verbraucherschützer und sieht die kapitalbildende Lebensversicherung modernen Zuschnitts kritisch. Bader steht der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) vor, dem Berufsverband der Finanz- und Versicherungsmathematiker. Er findet es richtig, wenn die Assekuranz ihren Vorsorgesparern immer weniger garantiert. Tenhagen widerspricht: „Im Alter ist Sicherheit gefragt, wer zur Vorsorge spart, muss am Ende mindestens rausbekommen, was er einmal einbezahlt hat.“

Allianz findet Nachahmer

Selbst ein solches Versprechen von null Prozent Rendite ist nicht mehr selbstverständlich. 2020 hat die Allianz Lebenspolicen eingeführt, bei denen die Rückzahlung nur noch für 60 bis 90 Prozent der eingezahlten Beiträge garantiert wird. So muss nur dieser Teil der Beiträge entsprechend sicher angelegt werden. Für den Rest kann mehr riskiert werden – mit höheren Ertragschancen. In der Branche hat das bereits Nachahmer gefunden. Allerdings wird mit diesen Verträgen das Anlagerisiko auf die Kunden verlagert, die Lebensversicherung verliert ein Alleinstellungsmerkmal.

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Bader ist sich dessen bewusst, sieht wegen Null- und Negativzinsen am Kapitalmarkt aber keine Alternative. Nicht nur bei Lebenspolicen, auch bei Riester-Renten oder betrieblicher Altersvorsorge müsse die Politik jetzt garantiereduzierte Angebote erlauben.

Tenhagen versteht das Dilemma, hält aber immer weniger Garantien für einen Irrweg. „Wenn ich jeden Monat 30 Jahre lang Geld unter mein Kopfkissen lege, habe ich am Ende 100 Prozent Beitragsgarantie“, erklärt er. Mit Garantien unter 100 Prozent habe die Assekuranz deshalb ein Grundsatzproblem. „Das funktioniert nicht“, sagt Tenhagen.

Kritik an hohen Kosten

Er sieht einen anderen Hebel, um bessere Ergebnisse zu erzielen: Die Kosten für den Abschluss einer Po­lice, die von den Sparern bezahlt werden müssen, seien zu hoch. Bei Verträgen, die oft über Jahrzehnte laufen, könnten jährlich 0,2 Prozentpunkte mehr oder weniger Kosten einen großen Unterschied machen. Ein Prozent Kosten pro Jahr hält er für ausreichend. „Aber das schaffen die wenigsten, die Kosten sind branchenweit zu hoch.“

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Zu Recht seien börsengehandelte Indexfonds (ETF) mit ihren geringen Kosten auf dem Weg, das Standardprodukt für Altersvorsorge zu werden. Wer damit 15 Jahre lang anlege, habe selbst bei schlechtem Verlauf ein bis 2 Prozent Gewinn pro Jahr gemacht, sagt Tenhagen. Garantien gibt es hier allerdings erst recht nicht.

Ob die Rechnung aufgeht, wissen wir in 20 oder 30 Jahren.

Guido Bader,

Vorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung

Bader räumt ein, dass in der Assekuranz die Kosten von üppig bis fair kalkuliert würden, plädiert aber dennoch für die Lebensversicherung mit reduzierter Garantie. Das erlaube es, Teile der Beiträge in renditestarken Realwerten wie Immobilien, Aktien oder Infrastrukturprojekten anzulegen, um einen spürbaren Zugewinn zu erwirtschaften. „Ob die Rechnung aufgeht, wissen wir erst in 20 oder 30 Jahren.“

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