Opel Rocks-e: der kleine Citystromer für junge Leute

Gegenläufig öffnende Türen, buntes Plastik, Panoramadach: Die Designer haben viel Mühe investiert, um das Billigvehikel optisch aufzuwerten.

Frankfurt. Sie werden vom Otto-Versand angeboten (Modell eLazzy Premium, 8999 Euro zuzüglich 29,95 Euro Versandkosten), können in einigen Baumärkten gekauft oder bei Ebay ersteigert werden: Winzige zweisitzige Elektroautos, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h auf jeder Landstraße zum Verkehrshindernis werden. Jetzt hat Opel dieses Segment um ein weiteres Kleinod bereichert: Der Rocks-e ist ein Auto, das aufgrund der Definition gar kein Auto ist. Daran ändern weder die vier Räder noch das Lenkrad, der Motor oder die Bremsen etwas. Als sogenanntes Leichtkraftfahrzeug ist der Mini-Opel von Steuer und TÜV befreit. Und 15-Jährige mit dem Führerschein der Klasse AM dürfen sich damit bereits in den öffentlichen Straßenverkehr stürzen. Die Folgen sind schwer einzuschätzen.

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Die Klasse der Leichtkraftfahrzeuge ist fast so alt wie die Bundesrepublik. Sie entstand, als die Automobilindustrie gerade an Fahrt aufnahm, viele Menschen damals noch auf Motorrädern und Rollern unterwegs waren und den Wunsch verspürten, bei Regen ein schützendes Dach über dem Kopf zu haben. Kabinenroller wie der Messerschmitt KR 200 sind längst Automobilgeschichte, ein durchschlagender Erfolg waren sie nie. Die Winzlinge sind seitdem irgendwie immer da, ohne dass man sie im Verkehr tatsächlich wahrnimmt. Sie dienen vor allem Menschen, die nicht mehr ganz so mobil sind, zur Bewältigung ihres Alltags auf der Kurzstrecke und sorgen dort, wo sie auftauchen, für manche Schrecksekunde.

Stylisch, sauber und günstig in Städten unterwegs

Anfang vergangenen Jahres überraschte dann Citroën die Autowelt mit dem Ami – einem Leichtkraftfahrzeug. Die Franzosen hatten die Idee der eigentlich uncoolen Kiste aufgegriffen und daraus ein Lifestylevehikel gebaut, dem Geist der Zeit entsprechend voll elektrisch. Der Gedanke dahinter ist ebenso einfach wie bestechend: In den Städten werden künftig kleine stylische Einheiten gebraucht, die einen sauber und günstig von A nach B bringen. Wenn die dann noch von Jugendlichen gefahren werden dürfen, kann der Hersteller schon sehr früh mit der Kundenbindung beginnen. Und jetzt also der Opel Rocks-e.

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Weil Citroën und Opel beide zum Stellantis-Konzern gehören, wurden dort offensichtlich die Weichen umgestellt. Denn ursprünglich sollte der Ami auch in Deutschland auf den Markt kommen. Der Plan ist vom Tisch. Jetzt soll der Opel Rocks-e den hiesigen Markt beackern. Und wieder ist der Gedanke dahinter einfach: Warum soll sich ein französischer Hersteller hierzulande mühen, wenn einem eine traditionsreiche deutsche Marke zur Verfügung steht? Schließlich mussten nur ein paar optische Retuschen vorgenommen und ein paar Markenlogos ausgetauscht werden, und schon wurde aus dem Citroën Ami der Opel Rocks-e – die technische Basis ist identisch.

Das Innere des Opel Rocks-e wirkt auf den ersten Blick wie ein normales Auto. Auf den zweiten fehlen jedoch Ausstattungen wie eine Klima- oder eine Audioanlage.

Das Innere des Opel Rocks-e wirkt auf den ersten Blick wie ein normales Auto. Auf den zweiten fehlen jedoch Ausstattungen wie eine Klima- oder eine Audioanlage.

Weniger Auto gleich weniger Sicherheit

Ein kurzer Blick darauf genügt, um zu verstehen, warum bereits 2013 die Unfallforschung der Versicherer Leichtkraftfahrzeuge als „gefährlich“ eingestuft hatte: Die Karosserie besteht aus Kunststoff auf einem Gitterrohrrahmen. Alles überflüssige Gewicht wurde aus dem Vehikel rausgeschmissen – inklusive so wichtiger Sicherheitssysteme wie ABS oder ESP. Wenigstens Sicherheitsgurte und Airbags sind an Bord. „Man darf den Rocks-e nicht mit einem Auto vergleichen“, sagt ein Opel-Sprecher. Vielmehr müsse man sich dem Thema von unten nähern: „Er ist ein Brückenelement für E‑Bike- oder Rollerfahrer.“ Und da sei er nun einmal viel sicherer.

Weiter gibt es eine schwachbrüstige Heizung, aber weder eine Klima- noch eine Audioanlage. Ein Kollege bringt es so auf den Punkt: „Wer Musik hören will, muss selber singen.“ Das Motörchen stellt eine Dauerleistung von acht PS bereit, im Boost sind es kurzfristig stramme zwölf PS. Die reichen für flinke erste Meter an der Ampel, bei Tempo 45 geht dem Rocks-e die Puste aus. Bis dahin soll dank der tiefliegenden Batterie ein gokartähnliches Fahrgefühl entstehen. Übersetzt heißt das: Überall dort, wo in den Städten Tempo 30 ausgewiesen wird, kann man mit dem Mini-Opel geblitzt werden. Jenseits einer Stadtgrenze ist man dann wieder ein Verkehrshindernis. Da im Bestfall 75 Kilometer Reichweite drin sind, ist mit dem kleinen Citystromer sogar ein kurzer Überlandtrip möglich. Ist die Batterie leer, kann sie in 3,5 Stunden an der Haushaltssteckdose wieder auf 100 Prozent gebracht werden.

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Rocks-e als Partymobil?

Die Erwartungen sind bei Opel hoch: „Wir wollen mit dem Fahrzeug junge Leute an die Marke heranführen“, sagt der Sprecher. Weil die noch nicht über so viel Geld verfügen, soll die monatliche Finanzierung des 7999 Euro teuren Rocks-e auf dem Niveau eines ÖPNV-Tickets liegen. Damit ist tatsächlich zu befürchten, dass die Städte demnächst mit dem Vehikel geflutet werden. „Denn schließlich“, sagt der Sprecher, „sind junge Leute mit dem Rocks-e künftig vor der Disco König oder Königin.“

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