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Finanzbranche

Ende der Strafzinsen rückt näher: Erste Banken erhöhen Freibeträge – Hannover zögert

Hannoversche Kreditinstitute zögern aber noch. Die Branche wartet darauf, dass die Europäische Zentralbank den negativen Einlagenzins wieder abschafft.

Hannoversche Kreditinstitute zögern aber noch. Die Branche wartet darauf, dass die Europäische Zentralbank den negativen Einlagenzins wieder abschafft.

Hannover.Bei Sparerinnen und Sparern wächst die Hoffnung auf ein Ende der Strafzinsen für Geld bei der Bank. Viele Branchenkenner erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bis zum Jahresende den negativen Einlagensatz abschaffen wird, an den die sogenannten Verwahrentgelte von Banken und Sparkassen gekoppelt sind. Er liegt derzeit bei minus 0,5 Prozent. Nachdem im ersten Quartal 2021 bundesweit noch 110 Geldhäuser Strafzinsen eingeführt hatten, waren es nach Angaben des Vergleichsportals Biallo in den ersten drei Monaten dieses Jahres nur noch knapp drei Dutzend.

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Einzelne Kreditinstitute wollen die Entscheidung der Notenbanker nicht mehr abwarten. So hat die Oldenburgische Landesbank (OLB) ihre Freibeträge bereits deutlich erhöht. Seit Kurzem dürfen Sparerinnen und Sparer 500.000 statt bisher 100.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto parken, ohne dass sie dafür ein Verwahrentgelt entrichten müssen. Bei den Girokonten hat die OLB die Freigrenzen von 500.000 Euro auf – je nach Kontomodell – 2,5 bis 5 Millionen Euro angehoben. „Gegen den Trend in der Finanzbranche sind unsere Kunden wie auch potenzielle Neukunden bei uns mit ihren Einlagen sehr willkommen“, sagt Vorstandsmitglied Aytac Aydin.

Banken warten auf die EZB-Entscheidung

Als die EZB zu Jahresbeginn erstmals eine Abkehr von ihrer derzeitigen Zinspolitik andeutete, erklärten etliche Banken und Sparkassen, dass auch sie ihre Strafzinsen senken, sobald die Zentralbanker ihren negativen Einlagenzins zurückfahren – quasi in Vorleistung gehen will die große Mehrheit der Institute jedoch nicht. Eine Ausnahme ist – neben der OLB – bisher auch die Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz, die ihren Freibetrag auf dem Tagesgeld- und Girokonto auf 100.000 Euro verzehnfacht hat.

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Die OLB treibt kein Edelmut, sondern Kalkül. Mit der Anhebung der Freibeträge will man in Oldenburg das zunehmende Kreditgeschäft mit höheren Einlagen untermauern. Im vergangenen Jahr hat sich das Kreditvolumen der Oldenburgischen Landesbank um 1,5 auf 17  Milliarden Euro erhöht. Die Kundeneinlagen stiegen nur um 1,1 auf 14,1 Milliarden Euro. Bei der VR Bank Kur- und Rheinpfalz sieht das Bild ähnlich aus: Das Kreditvolumen legte um 10 Prozent auf 4,7  Milliarden Euro zu, während die Kundeneinlagen nur um knapp 2 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro stiegen.

„Wir beobachten den Markt täglich“

Auch bei der Hannoverschen Volksbank sind die Kredite zuletzt stärker gewachsen als die Einlagen – an den Negativzinsen hält das Institut aber fest. Sie fallen für Stammkunden ab Einlagen von 250.000 Euro an, bei Neukunden sind es 100.000 Euro. "Wir beobachten den Markt täglich und würden uns freuen, wenn wir die Verwahrentgelte einstellen könnten", sagt ein Sprecher des Geldinstituts. Noch sei es für die Volksbank jedoch günstiger, "sich am Markt zu refinanzieren".

Gemeint ist damit unter anderem die Möglichkeit, dass Banken von der EZB negativ verzinste Darlehen in Anspruch nehmen können. Mit anderen Worten: Sie bekommen Geld dafür, dass sie sich Geld leihen. Die EZB will damit die Konjunktur ankurbeln. Nur wenn die Institute selbst Einlagen bei der EZB parken, müssen auch sie Strafzinsen zahlen. Auch die Sparkasse Hannover will an ihren Verwahrentgelten festhalten, die ab 50.000 Euro für Neukunden und ab 100.000 Euro für Stammkunden fällig werden. „Wir bleiben bei der Kopplung an den Referenzzins der EZB“, sagt ein Sprecher der Sparkasse.

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