Studie zur Autobranche

“Größter Einbruch seit 20 Jahren“: Auf VW und Co. kommen schwere Zeiten zu

Ein Kunde in China schaut sich bei einem BMW-Händler verschiedene Modelle an.

Ein Kunde in China schaut sich bei einem BMW-Händler verschiedene Modelle an.

Hannover. Die Autobranche muss sich auf schwere Zeiten einstellen: In diesem Jahr könnten die Neuwagenkäufe weltweit um 4 Millionen auf knapp 80 Millionen Fahrzeuge sinken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des CAR-Institutes der Universität Duisburg-Essen. „Derzeit erleben wir den größten Einbruch des Weltautomarkts seit mehr als 20 Jahren“, sagte der Leiter Ferdinand Dudenhöffer am Mittwoch: „So erheblich war der Rückgang selbst in der Weltfinanzkrise 2008 und 2009 nicht.“

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Die Gründe für die Misere seien vielfältig, heißt es in der Studie. Vor allem der Handelsstreit zwischen den USA und China hemme die Nachfrage, aber auch die Drohung der Regierung in Washington mit Strafzöllen gegen europäische Hersteller trage zu der Flaute bei. Hinzu kämen Wirtschaftskrisen in wichtigen Abnehmerländern in Südamerika oder in der Türkei. "Unberechenbarkeit ist Gift für die Autoindustrie", sagte Dudenhöffer.

China macht der Branche Sorgen

Entsprechend schleppend läuft der Verkauf: Volkswagen hat von seiner Kernmarke um Golf und Passat nach fünf Monaten rund um den Globus nur 2,46 Millionen Autos ausgeliefert – ein Minus von 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Daimler verzeichnete bei seiner Stammmarke Mercedes-Benz einen gleich großen Einbruch, Audi konnte fast 6 Prozent weniger Autos absetzen.

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Vor allem China macht der Branche Sorgen. Bei der Marke VW steht die Volksrepublik für fast die Hälfte der Auslieferungen – im Mai betrug das Minus dort 7 Prozent. In den ersten vier Monaten sind die Fahrzeugverkäufe in der Volksrepublik insgesamt um 15 Prozent eingebrochen. Damit schrumpfte der Neuwagenmarkt dort im zwölften Monat in Folge. Obwohl die Regierung versuche, dem negativen Trend mit unterschiedlichen Anreizen entgegenzuwirken, müsse die Branche aufs Jahr gerechnet einen Absatzeinbruch von mehr als 10 Prozent in China einkalkulieren, meint Dudenhöffer.

Doch auch anderenorts sei die Lage fragil, heißt es in der Studie. Von den 15 größten Automärkten konnte in den ersten vier Monaten 2019 lediglich Brasilien mit einem Plus von 9 Prozent einen Zuwachs bei Neuwagenkäufen verbuchen. Mit einem Rückgang von 47 Prozent zeige sich der Automarkt in der Türkei in einem besonders desolaten Zustand, aber auch ein Land mit einem großen Nachholbedarf wie Indien leide unter der schwierigeren Weltkonjunktur – dort lag das Minus bei 5 Prozent.

Rabatte für Neuwagen sind gesunken

Dudenhöffer malt die Zukunft der Branche in düsteren Farben: Sollte US-Präsident Donald Trump seine Drohung wahr machen und den Handelskrieg mit China mit zusätzlichen Strafzöllen im Umfang von 300 Milliarden Dollar weiter verschärfen, bestehe die Gefahr einer „Weltautokrise“. Da die Autokonzerne zeitgleich Milliarden in Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren, digitale Vernetzung und clevere Mobilitätslösungen investieren müssen, sei die Zeit der üppigen Margen in der Branche endgültig vorbei.

Als Reaktion darauf haben die Hersteller zuletzt ihre Preisnachlässe für Neuwagen hierzulande reduziert. Im Mai hätten die Rabatte in diesem Jahr erstmals unter dem Niveau des Vormonats gelegen, heißt es beim CAR-Institut. „Die Autobauer testen die Zahlungsbereitschaft der Kunden in der Abkühlphase der Konjunktur“, sagte Dudenhöffer.

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