Die Gaskrise und ihre Folgen

Uniper: Wen retten wir da eigentlich?

Olaf Lies (l-r, SPD), Umweltminister in Niedersachsen, Marten Gäde (SPD), Landtagskandidat für den Wahlkreis Wilhelmshaven, Klaus-Dieter Maubach, Vorstandsvorsitzender von Uniper, und Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident in Niedersachsen, unterhalten sich auf einem Schiff vor der Baustelle für das geplante LNG-Terminal.

Olaf Lies (l-r, SPD), Umweltminister in Niedersachsen, Marten Gäde (SPD), Landtagskandidat für den Wahlkreis Wilhelmshaven, Klaus-Dieter Maubach, Vorstandsvorsitzender von Uniper, und Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident in Niedersachsen, unterhalten sich auf einem Schiff vor der Baustelle für das geplante LNG-Terminal.

Frankfurt am Main. Uniper? Wer oder was ist das? Und wie spricht man den Namen überhaupt korrekt aus? Bis vor wenigen Wochen war der Energiekonzern nur Energie- und Börsenexperten ein Begriff. Inzwischen hat es das Düsseldorfer Unternehmen bis in die Hauptnachrichten geschafft. Am Mittwoch hat Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach für das erste Halbjahr einen Verlust unterm Strich von 12,3 Milliarden Euro gemeldet.

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Hier ein paar weitere Basisdaten zu der Firma mit rund 11.000 Beschäftigen: Sie ist in mehr als 40 Ländern aktiv. Die Uniper-Aktie ist seit Jahresbeginn um 80 Prozent eingebrochen. Der aktuelle Marktwert an der Börse liegt bei noch rund 2,6 Milliarden Euro. Die Firma ist im Energiehandel aktiv und gilt als einer der weltweit größten Stromerzeuger. Schlagartig bekannt wurde sie, als Maubach Anfang Juli die Bundesregierung um staatliche Hilfe ersuchte. Denn durch das Geschäft mit russischem Erdgas war Uniper an den Rand der Pleite geraten.

Teurer Ersatz für russisches Gas

Gazprom reduzierte seine Lieferungen massiv. Um ihrerseits die Verträge mit Stadtwerken und Industrieunternehmen zu erfüllen, mussten die Gashändler den Brenn- und Rohstoff ersatzweise zu extrem hohen Preisen an der Börse einkaufen, aber entsprechend der bestehenden Liefervereinbarungen zu deutlich niedrigeren Preisen weitergeben. Das ist der maßgebliche Faktor für die immensen Verluste. Hinzu kommt unter anderem, dass auch das Engagement für die Ostseepipeline Nord Stream 2 heftig ins Kontor schlägt. Da die Rohrleitung mutmaßlich überhaupt nicht mehr in Betrieb genommen wird, mussten Wertminderungen von 2,7 Milliarden Euro verbucht werden.

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Wie es so weit kommen konnte? Das erschließt sich aus der kurzen Geschichte des Unternehmens. Was heute Uniper ist, war früher ein Teil des Energieriesen mit einem ebenfalls eigentümlichen Namen: Eon – der lehnt sich an antike Bezeichnungen für Ewigkeit und oberste Gottheiten an. Eon sollte unter dem Patronat des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder zu einem „Global Player“ aufgebaut werden.

Enorm wichtig war dabei die Russland-Connection. Nicht nur der Betrieb von Kohle- und Gaskraftwerken gehörte dazu. Das ganz große Geschäft war der Handel mit billigem Erdgas aus Sibirien.

Heizung runter, dicken Pulli an – mit Energiesparen soll Putin geärgert werden (Symbolbild).

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Die Resterampe des Eon-Konzerns

Mit Eon währte es nicht ewig, denn der Konzern verschlief die Energiewende. Erst 2016 krempelten die Bosse die Strategie um und gründeten eine zunächst konzerninterne Gesellschaft, in der die Aktivitäten gebündelt wurden, die nicht mehr gern gesehen waren: konventionelle Kraftwerke, AKWs im Ausland und unter anderem der Handel mit dem fossilen Gas. Analysten sprachen seinerzeit von einer Bad Bank für Eon und von einer unternehmerischen Resterampe.

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Marketingleute dachten sich für diese Einheit gleichwohl trotzig die Bezeichnung „Uniper“ aus, was als Kurzform für „Unique Performance“ – also einzigartige Leitungsfähigkeit – stehen soll. Wobei der Name so ähnlich wie das englische Wort für Wacholder (Juniper) ausgesprochen wird.

Später stieg der Fortum-Konzern, der vom finnischen Staat kontrolliert wird, mit einer Mehrheitsbeteiligung ein - eben wegen der Emsigkeit in Russland. Just diese starke Fokussierung hat die Leistungsfähigkeit von Uniper nun aber so stark gemindert, dass die Bundesregierung das Unternehmen Ende Juli vor dem Kollaps retten musste mit einem „Stabilisierungspaket“, das ein Volumen von insgesamt 15 Milliarden Euro hat. Unter anderem ist der deutsche Staat inzwischen zu einem Vorzugspreis mit 30 Prozent bei Uniper eingestiegen, Fortum hält aber nach wie vor die Mehrheit der Anteile.

Maubach betonte am Mittwoch: „Uniper leistet seit Monaten einen essentiellen Beitrag zur Stabilisierung der Gasversorgung in Deutschland – um den Preis von Milliardenverlusten, die uns durch die weggebrochenen Liefermengen aus Russland entstehen.“ Vom 1. Oktober an wird sich die Lage bessern. Dann erhält Uniper Geld aus der neuen Gasumlage (2,4 Cent pro Kilowattstunde), die die Kunden zahlen müssen. So ergibt sich die interessante Konstellation, dass die Bürger die neue Abgabe unter anderem für ein Unternehmen zahlen, das ihnen zu großen Teilen selbst gehört.

Indes dürften die staatlichen Stützungsaktionen noch einige Zeit fortgesetzt werden. Uniper-Finanzchefin Tiina Tuomela kündigte am Mittwoch an, dass das Unternehmen die Verlustzone frühestens 2024 verlassen werde.

Für Analysten ist klar, was der Vorstand nun vordringlich zu tun hat: Er muss sich um alternative Quellen für die Erdgasversorgung kümmern. Uniper setzt jetzt auf verflüssigtes Erdgas (LNG), das per Schiff nach Deutschland gebracht werden soll. Dafür sollen Anlandeterminals zunächst in Wilhelmshaven und Brunsbüttel errichtet werden.

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Umweltorganisation fordert Strategiewende

Für die Aktivisten der Umweltorganisation Urgewald geht das in die falsche Richtung. Die Bundesregierung und Fortum müssten nun von Uniper eine Kehrtwende verlangen, die der Klimakrise Rechnung trage. Sollten bei Uniper dafür die Mittel, das Know-how oder der Wille fehlen, „darf die Frage nach der Daseinsberechtigung des Unternehmens kein Tabu sein“, so Sebastian Rötters von Urgewald. Dass nun auf LNG gesetzt wird, ist für ihn ein Irrweg, weil die Abhängigkeit vom fossilen Gas zementiert werde. Ein radikaler Strategiewechsel müsse die Gegenleistung für die Rettung sein. Uniper erzeugt nur knapp 13 Prozent seines Stroms aus regenerativen Quellen, mehr als die Hälfte wird mit Gas und knapp ein Viertel mit Kohle und etwa 10 Prozent mit Kernenergie erzeugt.

Urgewald fordert aber auch eine Aufarbeitung der Russland- und Gasstrategie. Während in der Vergangenheit die Aktionäre von Gewinnen im Geschäft mit dem billigen Gas profitiert hätten, würden nun die Gaskunden per Umlage zwangsweise an der „künstlichen Beatmung“ des Unternehmens beteiligt. Ausgerechnet die Stromerzeugung in Russland war im ersten Halbjahr ein Lichtblick im Zwischenbericht. Uniper betreibt in Putins Reich Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 9000 Megawatt, das entspricht ungefähr acht Kernkraftwerken.

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