Deutscher Industrie- und Handelskammertag

DIHK-Report: Interesse an Unternehmensgründungen auf historischem Tiefstand

Neueröffnung im Corona-Lockdown: Hüseyin Kurt (Mitte) und sein Team haben im März „Kurts Food Corner“ in Mölln eröffnet. Dort verkaufen sie unter anderem hochwertige Burger aus frischem Fleisch und Brot.

Neueröffnung im Corona-Lockdown: Vor allem in der Gastronomie und dem Handel wagten weniger Gründer den Schritt in die Selbstständigkeit.

Berlin. Das Interesse an Unternehmensgründungen hat in Deutschland im vergangenen Jahr spürbar nachgelassen. Vor allem in klassischen Gründerbranchen wie der Gastronomie und dem Einzelhandel interessieren sich immer weniger Menschen für den Schritt in die Selbstständigkeit, berichtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seinem „Report Unternehmensgründungen“, der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

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Um 10 Prozent ist die Zahl potenzieller Gründerinnen und Gründer gesunken, die sich bei den Industrie- und Handelskammern (IHKs) in persönlichen Gesprächen über eine Existenzgründung informiert hatten. Mit 159.682 persönlichen Gesprächen erreichte das Gründungsinteresse in Industrie, Handel und den Dienstleistungsbranchen ein historisches Tief in der seit dem Jahr 2002 geführten Statistik. In den IHK-Gründungsberatungen, denen zumeist bereits ein ausformuliertes Geschäftskonzept zugrunde liegt, betrug der Rückgang sogar 13 Prozent.

„Wir sehen eine Reihe von besorgniserregenden Entwicklungen“, sagte DIHK-Präsident Peter Adrian dem RND. „Erneut sind viele Gründungen zurückgestellt worden. Vor allem in den Bereichen, die das Unternehmertum in den Regionen prägen, beobachten wir eine deutliche Zurückhaltung“, so Adrian weiter. Besonders im Einzelhandel und der Gastronomie seien die Unsicherheiten nach den langen Lockdownphasen infolge der Corona-Pandemie groß, beklagte der DIHK-Präsident. „Es droht viel unternehmerischer Geist verloren zu gehen“, warnte er. „Denn es sind vor allem auch die zahlreichen Geschäfte, Restaurants und die vielen kleineren und mittelgroßen Unternehmen, die Eigenverantwortung und Unternehmertum vor Ort erlebbar machen.“

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Der 33-jährige Oliver Noelting sitzt im hannoverschen Stadtwald Eilenriede auf einem Baumstamm.

Rente vor 50: Wie sich ein 33‑Jähriger durch eisernes Sparen seinen Lebenstraum erfüllen will

Für Oliver Noelting aus Hannover ist Sparen das Lebensmotto. Als sogenannter Frugalist lebt er genügsam und versucht, Dinge möglichst selbst herzustellen und zu reparieren. Sein Ziel: möglichst viel Einkommen zurückzulegen, um früh in Rente zu gehen.

Die Zahl potenzieller Unternehmensgründer sinkt

Erschwerend hinzu kommen dem DIHK-Report zufolge langfristige Trends, die sich auf das Gründungsinteresse in den Regionen auswirken: Es gibt immer weniger Personen in den besonders gründungsaktiven jüngeren Jahrgängen. Aufgrund des Mangels an Fachkräften hat sich im Gegenzug das Angebot an lukrativen Beschäftigungsverhältnissen erhöht. Adrian: „Der Anteil der Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen nimmt seit Jahren kontinuierlich ab. Leider gibt es auch viele Hürden, die grundsätzlich an einer Existenzgründung interessierte Menschen schon im Vorfeld abschrecken.“

Zwei positive Entwicklungen sieht der DIHK allerdings auch. So wuchs laut Gründungsreport das Interesse an Nebenerwerbsgründungen gegen den Trend: 4 Prozent mehr Gründerinnen und Gründer wollten sich in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ein zweites berufliches und finanzielles Standbein aufbauen. Und auch bei größeren Betrieben legte die Zahl der Gründungen zu.

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Beides sei eine „sehr erfreuliche Nachricht“, sagte Adrian. „Gerade in unsicheren und herausfordernden Zeiten ist es unternehmerischer Geist, der auch in schwierigem Umfeld Chancen sieht. Aus einem solchen positiven Spirit entstehen Innovationen, die unsere Wirtschaft nach vorne bringen“, betonte er. „Das macht Hoffnung, dass unser Land trotz der aktuellen Unwägbarkeiten in Folge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine auf innovative und mutige unternehmerische Persönlichkeiten bauen kann.“

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An die Politik appelliert der DIHK-Präsident, die Erwartungen der Gründerinnen und Gründer ernst zu nehmen. Dazu gehörten weniger Bürokratie, einfache und schnelle Prozesse sowie ein besserer Zugang zur Gründungsfinanzierung. „Das sind entscheidende Stellschrauben für eine Erfolgsstory bei den Unternehmensgründungen. Der aktuelle DIHK-Report liefert konkrete Hinweise, wie das Umfeld für Gründerinnen und Gründer verbessert werden kann.“

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