Umstrittene Rabatt-Apps

Verbraucherschützer skeptisch: Was bedeutet das Aus für Payback bei Rewe und Penny?

Bei Bonusprogrammen wie Payback kann es sich lohnen, die Punkte beim Einkauf verrechnen zu lassen, statt sie in den Prämienshops einzulösen.

Hat Payback bald ausgedient?

Punkte sammeln, Rabatt erhalten – kein Bonusprogramm ist in Deutschland so verbreitet wie Payback. Doch nun steht fest, dass einer der größten deutschen Einzelhändler Payback den Rücken zukehrt: Die Rewe-Gruppe geht ab 2025 neue Wege, Geschäfte von Rewe und Penny sollen ein eigenes Rabattsystem bekommen. Daran führt aus Sicht von Fachleuten kein Weg vorbei, obgleich Verbraucherschützer von der Entwicklung nicht begeistert sind.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Offiziell bestätigt Rewe die Trennung immer noch nicht, doch entsprechende Medienberichte dementierte ein Sprecher am Dienstag ebenfalls nicht. Er erklärte, der Vertrag mit Payback sei bis Ende 2024 verlängert worden. „Wir beobachten die internationale Entwicklung – zum Beispiel wie bei Unternehmen wie Tesco – und prüfen unsere weiteren Optionen“, sagte er aber zugleich. Ansonsten gab er sich wortkarg, die britische Supermarktkette Tesco war aber eine der Ersten mit einem eigenen, digitalen Bonusprogramm.

Auch Payback bestreitet die Trennungsgerüchte nicht: „Wir werden unsere Partnerschaft in den nächsten beiden Jahren mit vollem Engagement fortführen. Den Nachfolger werden wir zu gegebener Zeit bekannt geben“, sagte eine Sprecherin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Kundinnen und Kunden könnten mit Payback-Karten von Rewe und Penny auch nach 2024 bei insgesamt 680 anderen Partnern Punkte sammeln, bei den beiden Supermarktketten gesammelte Punkte würden nicht frühzeitig verfallen, betonte sie.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ab 2025 kein Payback bei Rewe

Damit steht fest, dass an den Kassen von Rewe und Discounttochter Penny ab 2025 nicht mehr nach der Paybackkarte gefragt wird. Für Payback ist das ein Problem: Die Rewe-Gruppe steht für gut 20 Prozent der Umsätze im hiesigen Lebensmittelhandel. Rewe und Penny sollen 17 der insgesamt 31 Millionen Paybackkarten in Deutschland ausgegeben haben. Der Schlüsselpartner zahlte laut Lebensmittelzeitung jährlich 150 Millionen Euro an Payback.

Und auch die Zukunftsaussichten für das Unternehmen, das zu American Express gehört, sind in Deutschland nicht rosig: Zwar konnte Payback zuletzt neue, prominente Partner wie Decathlon und Amazon gewinnen. Doch im lukrativen Lebensmittelhandel geht der Trend weg von Payback: Lidl und Kaufland etwa haben mittlerweile eigene Rabattsysteme, Edeka kooperiert mit Deutschland-Card. „Ich bin sicher, dass andere Partner den Abschied von Payback ebenfalls erwägen, wenn nicht sogar folgen werden“, meint der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

3D cartoon hand holding smartphone with bill payment, business finance and online shopping concept, 3D render illustration

Der Anfang vom Ende des Bargelds?

Die Elektronikmarktkette Gravis erlaubt künftig nur noch Karten- oder Smartphonezahlung in ihren Filialen. Ein Ausnahmefall? Oder doch der Anfang vom Ende des Bargelds? Konkurrenten und Verbände haben dazu eine eindeutige Meinung.

Rewe folgt dem Trend

Ihm zufolge sind insbesondere eigene, digitale Rabattsysteme für Handelsketten interessant, weil solche Bonus-Apps mehr Daten über das Einkaufsverhalten liefern können: „Heutzutage müssen Kunden identifizierbar sein, dm und Lidl machen das vor“, meint Heinemann – und erklärt, dass Payback das schon aus juristischen Gründen nicht leisten könne: „Der Gesetzgeber ist extrem streng, wenn es um die Weitergabe von Kundendaten von einem zum anderen Unternehmen geht.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Auch die Rewe-Gruppe plant, so berichtet es die Lebensmittelzeitung, nun ein eigenes Bonussystem. Details will der Handelsriese nicht verraten, Branchenkenner gehen davon aus, dass die Verträge mit American Express Rewe noch zu Stillschweigen verpflichten. Als Vorbild könnte demnach die App von Lidl dienen: Die macht auch personalisierte Angebote – wofür die Anbieter zwangsläufig möglichst viel über ihre einzelnen Kundinnen und Kunden wissen müssen.

Verbraucherschützer bei Bonus-Apps skeptisch

Verbraucherschützer machen derartige Bonus-Apps indes skeptisch, denn personalisierte Angebote sind nicht immer gut für Kundinnen und Kunden: „Wer etwa immer das Gleiche kauft, kriegt darauf womöglich eher keinen Rabatt, dafür aber vielleicht bei einem ähnlichen, aber schlussendlich teureren Produkt“, sagt Christine Steffen von der Verbraucherzentrale NRW. „Außerdem geht es darum, die Kunden in das eigene Geschäft zu locken – und gegebenenfalls mehr zu kaufen, als man eigentlich wollte“, erklärt sie weiter. Auch würden Kundinnen und Kunden wohl kaum ein Dutzend Apps unterschiedlicher Supermärkte installieren. „Dadurch bekommt man gute Angebote anderer Anbieter eventuell seltener mit.“

Zugleich betont Steffen, dass es noch keine systematischen Untersuchungen zu den relativ neuen Bonus-Apps gebe. Größere Datenlecks sind ihr aber ebenso wenig wie Gesetzesverstöße bekannt. Bei Installation und Nutzung sollte man mit den Berechtigungen der App auf dem Smartphone trotzdem zurückhaltend sein. „Wenn etwa eine App auf Kontakte, Fotos und Kalender zugreifen möchte, erscheint das eher überflüssig“, sagt Steffen – und empfiehlt außerdem, stets einen Blick auf die Datenschutzerklärung zu werfen.

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen