Infrarotaugen im Erdorbit

Wie das Start-up Ororatech mit Wärmebildkameras im All frühzeitig Waldbrände erkennen will

Ein schuhschachtelgroßer Satellit des Münchner Start-ups Ororatech.

Ein schuhschachtelgroßer Satellit des Münchner Start-ups Ororatech.

München. In der noch jungen privaten Weltraumindustrie geht vieles schneller als in der traditionell staatlichen. „Wir starten unseren ersten kommerziellen Satelliten im Mai 2023″, freut sich Thomas Grübler. Er ist Chef und Mitgründer des seit 2018 existierenden Start-ups Ororatech aus München. Fünf Jahre bis zum Markteintritt sind sogar für ein Unternehmen aus dem Bereich New Space zügig. Der Begriff bezeichnet private Jungunternehmen, die den Weltraum zum Geschäftsfeld erklärt haben und dabei auf niedrige Kosten durch technologische Miniaturisierung setzen. Das gilt auch für die Minisatelliten von Ororatech, deren Kernstück eine Wärmebildkamera ist. „Damit detektieren wir Waldbrände aus dem Erdorbit, es gibt aber noch einige andere Anwendungen“, erklärt Grübler. Ororatech sei das erste und bislang einzige Unternehmen, das solche Dienste anbieten könne.

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Eine von den Münchnern selbst entwickelte Wärmebildkamera kann nicht nur große Hitze in Form von Waldbränden abbilden, sondern auch Temperaturen um Objekte auf der Erde im Bereich zwischen minus 30 und plus 80 Grad Celsius. „Wir können zum Beispiel die Hitzeverteilung in Städten extrem gut sehen und urbane Wärmekarten erstellen“, erklärt der 31-Jährige. So gewonnene Erkenntnisse über städtische Hotspots würden helfen, sich schon überhitzende Städte so umzubauen, dass man auch in Zeiten des Klimawandels noch gut darin leben kann.

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Im Winter zeige die Infrarotkamera genau, welche Gebäude viel Wärme abstrahlen, also schlecht isoliert sind, und wo hinsichtlich Wärmedämmung Handlungsbedarf besteht, erläutert der Ororatech-Gründer. Kunden für solche Informationen seien weltweit entstehende Hitzebehörden, die es bereits in 30 Städten wie Los Angeles oder Athen gebe.

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Die Infrarotkameras könnten aber auch Gasfackeln ablichten und ihren Verursachern zuordnen. Nach Schätzungen der Weltbank werden global jährlich über 140 Milliarden Kubikmeter Methan abgefackelt. Zum Vergleich: Deutschland hat 2021 gut 94 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht.

Ein Testsatellit funkt seit Anfang 2022 verlässlich Wärmebilddaten

Die nur zwei Kilogramm leichten Ororatech-Kameras seien so leistungsstark wie bisherige 500 Kilogramm schwere Exemplare, erklärt Grübler einen Vorteil seiner Technologie.

Der Leistungsfähigkeit kann er sich sicher sein, weil seit Anfang des Jahres ein erster Testsatellit mit Kamera um die Erde kreist und anhaltend über Erwartung gute Wärmebilder von der Erdoberfläche liefert. Die könnten sogar zu Konjunkturprognosen beitragen, sagt der Jungmanager. Per Infrarot kann man durch Fabrikdächer blicken und sehen, ob produziert wird. Aus solchen Daten wird in Echtzeit auf das Bruttosozialprodukt eines Landes geschlossen oder bemerkt, wo gerade Lockdown herrscht und Lieferketten bedroht sind. Die Satelliten können zudem besonders vielversprechende Standorte für Solarparks identifizieren.

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„Unsere Kundenbasis wächst“, sagt Grübler mit Blick auf das Anwendungsspektrum. Das Geld für den ersten kommerziellen Satelliten stammt aus einer neuen Finanzierungsrunde, die gerade 15 Millionen Euro eingebracht hat. Damit stecken in seiner Firma nun gut 22 Millionen Euro Investorengeld, verrät der Gründer und blickt nach vorn.

Waldbranderkennung aus dem All

Ororatech meldet bereits heute Waldbrände aus dem Erdorbit. Dabei greift das Start-up auf Daten bestehender Satelliten zurück, die solche Brände eher zufällig aufnehmen. Sie sind zudem nachmittags, wenn die meisten Feuer ausbrechen, in der Regel dafür blind, weil sie sich auf ungünstigen Umlaufbahnen um die Erde befinden. Mit eigenen, speziell auf Waldbranderkennung zugeschnittenen Ororatech-Satelliten ändert sich das. Waldbrände sind bislang jedes Jahr für 17 bis 20 Prozent aller Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid verantwortlich. Weil es im Zuge des Klimawandels immer heißer wird und damit auch die Waldbrandgefahr steigt, dürfte diese Quote ebenfalls wachsen. Aktuell überwacht Ororatech über Fremdsatelliten ein globales Waldgebiet von gut 160 Millionen Hektar auf allen Kontinenten.

Im Frühjahr oder Sommer 2024 würden acht weitere Satelliten in den Erdorbit gebracht. Zwei Jahre später soll eine Armada aus etwa 100 Minisatelliten um die Erde kreisen. Maximal 30 Minuten nach Ausbruch könnten dann Waldbrände überall auf der Erde aus dem All entdeckt und in Echtzeit auf der Erde an Feuerwehren gemeldet werden. Bis zu dieser Endausbaustufe des Satellitensystems seien noch zwei weitere Finanzierungsrunden nötig, schätzt der Firmenchef. „Dann könnten wir auch einen Unicorn-Status erreichen“, hofft er. Einhorn, heißt das übersetzt und meint ein Unternehmen mit über einer Milliarde Euro Firmenwert. Im New Space geht es nicht nur schnell, sondern potenziell auch hoch hinaus.

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